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Stadtmuseum Hofheim : Schatten, Schemen, Zwischenformen

Geschichtsträchtig: Nikolaus Steins Arbeit „graal#3“ Bild: Nikolaus Stein

Das Stadtmuseum Hofheim zeigt zwölf für den Marta Hoepffner-Preis für Fotografie ausgewählte Positionen. Thema der Ausstellung „Fremder Blick“ von Nikolaus Stein ist das persönliche Erzählen.

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          Eine leise Enttäuschung mag man am Ende nicht verhehlen. Auch wenn die zwölf ausgewählten Positionen zum Marta Hoepffner-Preis für Fotografie, die nun im Stadtmuseum Hofheim zu sehen sind, dazu im Grunde nicht den geringsten Anlass geben. Dafür sind die Arbeiten etwa von Aristidis Schnelzer, mit einer lobenden Erwähnung bedacht, sind die Porträts von Alexander Klang oder ist Nikolaus Steins „graal“-Folge einfach zu gut. Zu irritierend hier und da, zu fesselnd auch in ihrer vor allem Fragen stellenden narrativen Kraft. Und immer wieder zu bewegend.

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Und die Erinnerung an diese große, dieser Tage auch international – von der Londoner Tate etwa oder dem Centre Pompidou – wiederentdeckte Fotografin, die die Marta Hoepffner-Gesellschaft für Fotografie mit dem alle drei Jahre vergebenen Preis seit nun bald 20 Jahren pflegt, ist ohnehin ein höchst ehrenwertes, durchaus glücklich zu nennendes Unterfangen. Allein, der Mut zum Experiment, der dezidiert künstlerische Umgang mit dem Medium, mit Fotoapparat und Material, für den das Werk Hoepffners (1912–2000) in erster Linie steht, er spielt, sieht man von Michael Paul Romstöcks Konzeptarbeit „Zur Linde“ oder vor allem von Arhun Aksakals „no title“ einmal ab, bei den meisten jungen Absolventen kaum mehr als eine Nebenrolle.

          Was dominiert unter den zum Thema „Fremder Blick“ eingereichten, vorwiegend analog aufgenommenen Werken, sind vielmehr hier literarisch, dort persönlich motivierte Positionen assoziativen Erzählens, für die Steins „graal“ ebenso steht wie Tabita Hubs „La realidad de la bestia“ oder Louisa Bäckers „Safari“. Immerhin, noch dominieren analoge Arbeiten den Wettbewerb, und nach wie vor auch ist die Auszeichnung der Schwarzweißfotografie vorbehalten. „Was ich mache“, so hat es Marta Hoepffner einmal formuliert, ist auch Poesie, aber eine technisch materielle.“ Und: „Lichtformen, Schattenformen und Zwischenformen können zum Inhalt eines Bildes werden.“

          Der Wirklichkeit nahe

          Das, so scheint es, brachte nicht nur Hoepffner ihren Schülern an ihrer privaten Fotoschule in Hofheim bei. Es zeichnet vielmehr das angesichts der Digitalisierung wohl allein in der Kunst noch überlebensfähige Medium als solches aus. Und so folgt man dem an der Ostkreuzschule ausgebildeten Stein, der die zum siebten Mal vergebene und mit 3000 Euro dotierte Auszeichnung gewann, bereitwillig in eine zunehmend seltsam, zwischen Mystik, Rausch und Wahn sich entfaltende Erzählung, bringt mit Louisa Bäcker das Fotoalbum ihres Großvaters in eine neue Ordnung oder steigt mit Fabian Stransky, der in Darmstadt studiert, buchstäblich auf die Dächer einer Stadt. Und entdeckt die formalen Qualitäten von Klimaanlagen, Abluftschächten und Verschlägen, als seien es Skulpturen von Charlotte Posenenske.

          Am Ende aber kehrt man doch immer wieder zu den Aufnahmen Arhun Aksakals zurück. 25 Stunden hat der 1995 in Offenbach geborene Künstler während der türkischen Präsidentschaftswahl mit seiner kleinen Minox in Istanbul verbracht und im Zuge dessen heimlich 25 Bilder in verschiedenen Wahllokalen gemacht. Geblieben freilich ist davon nicht viel. Durch die verschiedenen Sicherheitskontrollen, durch die der Schüler von Willem de Rooij an der Frankfurter Städelschule die Aufnahmen schmuggeln musste, lösen sich Menschen, Formen, Gegenstände, lösen sich Zeit und Raum und Ort und schließlich all das, was man von einem fotografischen Dokument erwartet, auf in nichts als Schatten, Schemen, Abstraktion. Doch scheint dieses Dokument gerade damit der Wirklichkeit auf eine Weise nahe, wie es allein die Kunst vermag.

          „Fremder Blick“
          Die Ausstellung im Stadtmuseum Hofheim, Burgstraße 11, ist bis 13. September dienstags von 10 bis 13 Uhr, dienstags bis freitags von 14 bis 17 Uhr sowie am Wochenende von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Katalog kostet 10 Euro.

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