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Staatstheater : Revolte für Isolde in Mainz

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Ein Abend der ersten Male und der prallen Gegenwart: „Tristan und Isolde” echauffiert das Publikum am Staatstheater Mainz. Bild: Martina Pipprich

Es war der Abend der Debuts am Staatstheater Mainz: Der neue Generalmusikdirektor Hermann Bäumer gab seine Visitenkarte ab, ebenso die Darstellerin der Titelrolle, Ruth Staffa.

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          Es war der Abend der Debuts am Staatstheater Mainz: Der neue Generalmusikdirektor Hermann Bäumer gab seine Visitenkarte ab, ebenso die Darstellerin der Titelrolle, Ruth Staffa. Doch nicht weniger gespannt war man gewiss auf den ersten Mainzer Auftritt des Regisseurs, der nicht nur mit seinen Wagner-Inszenierungen, dem „Rheingold“ in Essen wie dem „Lohengrin“ in Mannheim, einigen Wirbel gemacht hatte. Tilman Knabe, wieder im Team mit der Szenografin Beatrix von Pilgrim und Kathi Maurer für die Kostüme, gelang es auch diesmal, das sagenhafte Geschehen in eine pralle Gegenwart voll Sex, Blut und Gewalt zu transponieren; ein Akt, den das Mainzer Publikum mit anhaltenden Buh-Rufen quittierte. Doch was war geschehen? Isolde rückt bei Knabe ganz in das Zentrum der Handlung. Im ersten Akt gelingt es ihr, aus der Enge einer Kamera-überwachten Schiffskabine heraus, Tristan für sich zu gewinnen – sie ist es, welche die Tränke vertauscht.

          Die Liebesnacht des zweiten Akts, vom Garten in das Machtzentrum des Herrschers verlagert, wird zu einer revolutionären Aktion, deren Zielrichtung trotz einer Flut von Handzetteln undeutlich bleibt. Im dritten Akt übernimmt sie nach Tristans (Helden-)Tod die Kalaschnikow, um als Gestalt vervielfacht den Kampf fortzusetzen. Wagners Bild des Liebestodes bleibt hier natürlich auf der Strecke, im Ganzen gesehen überrascht es aber, wie glücklich die Musik ungeachtet aller überquellender Phantasie Knabes zur Entfaltung kommt; auffallend zumal in der Stringenz der ersten beiden Aktschlüsse. Dies ist ein eindeutiges Verdienst Hermann Bäumers, der das Orchester zu spannungsvollem, dabei dynamisch fein gestuftem Spiel inspiriert, besonders farbenreich gelingt der zweite Akt. Nie geraten die Sänger in Bedrängnis. So können sie sich durchweg glücklich in Szene setzen, am eindeutigsten Ruth Staffa: mit unerschöpflicher Energie gestaltete sie die mörderische Partie in ihrer Spannweite zwischen Zorn und ekstatischer Liebe, zartesten Nuancen und brillanten Spitzentönen. Dies inspirierte nicht nur Alexander Spemann (mit heldischen Tönen im Military-Look), sondern auch Patricia Roach, eine leuchtkräftige Brangäne, hier Kopf einer Gruppe von Musliminnen.

          Durchweg kräftig profiliert war Heikki Kilpeläinen als treuer Kurwenal, erst im dritten Akt stimmlich voll präsent Hans-Otto Weiß als König Marke, charakterisiert als Potentat aus Nordafrika oder dem Nahen Osten, der im zweiten Akt sein fassungsloses Unverständnis hinter einem Lächeln verbirgt, bevor er zuschlägt. Jürgen Rust als Melot, Thorsten Büttner als Hirte und Alexander Kröner als junger Seemann ergänzen das Ensemble, dessen Leistung zu Recht gefeiert wurde. Nächste Aufführungen am 24. September, am 3. und 22. Oktober jeweils um 17 Uhr.

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