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Konzept-Kiosk : Silkys kunstvoller Späti

Wo Jesus und David Bowie zu Fernsehsnacks werden: Die Berliner Künstlerin Silke Thoss in „Silkys Späti“ in der Frankfurter Fahrgasse Bild: Wonge Bergmann

Bowie-Balls und Fettecken to go: Silke Thoss hat in Frankfurt einen Kiosk aus Pappmaché gebaut. Die Öffnungszeiten sind so eigentümlich wie das Sortiment.

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          Sind Lieferdienste der Tod der Frankfurter Wasserhäuschen und der Berliner Spätis? Nicht, wenn die Kunst sich mit ihnen solidarisiert. Und ein Sortiment anbietet, das wirklich einmalig ist. Knusprige Fettecken etwa, der Marke Joseph Beuys. Süßkram namens „Kickers“ oder „Calory Bomb“. „Super-Idee-Kaffee“ und ein Dicke-Eier-Likör, der schon nach wenigen Schlückchen Wirkung zeigt: „Dann klappt’s auch im Beruf.“

          Eva-Maria Magel
          Leitende Kulturredakteurin Rhein-Main-Zeitung.

          Die Öffnungszeiten sind so eigentümlich wie das Sortiment, das sich rühmt, etwa 1000 Produkte des täglichen Bedarfs zu führen. Wobei „Bedarf“ weit gefasst ist bei Schokoriegeln namens „Gentrifuck Repellent“ oder „Bad Music Condoms“. Aber wer sich schon so schön daran gewöhnt hat, dass stramme Radlerwaden einem auch noch den absonderlichsten Wunsch bis an die Haustür bringen: Bitte sehr, die Ware von „Silkys Späti“ kann auch online geordert und geliefert werden. Eine Tüte „No Show“ ist für 29,99 Euro zu haben, die „Bowie Cheese Pops“ samt Konterfei von Ziggy Stardust kosten 79,99.

          Pop-up-Unternehmen

          An der Frankfurter Fahrgasse gibt es mit YokYok oder KIO schon allerhand ungewöhnliche Kioske, das Pop-up-Unternehmen gleich neben der Galerie Greulich allerdings ist in jeder Hinsicht anders. Konsequent nur an drei Nachmittagen oder mit persönlichen Terminen darf dort eingekauft werden. Alles, so wirbt ein Schild in der Auslage, sei verkäuflich. Das ist so gemeint. Denn Silke Thoss, geboren in Osnabrück, Anfang 50 und seit 1999 als freischaffende Künstlerin und Musikerin, solo und mit diversen Bands unterwegs, hat sich mit ihrer Objektkunst selber eine Nische gefunden. Bauchläden, Kioske, Tante-Emma-Installationen säumen seit Jahren ihren Weg. Schon 2006 war ein Laden mit täuschend echten, allerdings ironisch verfremdeten Waren in Frankfurt zu Gast, in der damals von Annette Gloser kuratierten Galerie Station im Mousonturm.

          Gloser, die einst in der erfolgreichen Galerie Fruchtig junge Kunst verschiedener Disziplinen zusammengeführt hatte und jüngst mit ihren spielerischen Kunstaktionen auf der Sommerwiese vor der Jahrhunderthalle hervorgetreten ist, war schon früh mit Thoss und einem gemeinsamen Galerie-Wohnwagen unterwegs, nun ist Thoss alias Silky, so der Name ihrer Kunstfigur, wieder einmal in Frankfurt zu Gast. Nach einer erfolgreichen Station in Berlin im vergangenen Jahr bietet der Späti seine Warenwelt, ganz aus Pappmaché gebaut, bunt bemalt und komplett käuflich.

          Was auf den ersten Blick nur niedlich-lustig wirkt, hat hintergründigen Witz. Die Ironie erfasst den klassischen Kunstbetrieb mit den Granden der Moderne, er streift die Popkultur, er fragt nach Gender und Gerechtigkeit, nach dem Frust des Alltags, nach der Rolle der Kunst in der Ökonomie und nimmt mit der Fülle an gefälschten Esswaren und Drinks auch Bezug auf die Hamsterkäufe der Corona-Zeit. Wer sich einen Sixpack „Chaos Lite“ oder „Iggy Pop“ zulegt, dessen Abend ist in jedem Fall gerettet.

          Silkys Späti, Frankfurt, Fahrgasse 22, bis 26. Februar Mittwoch bis Samstag 15 bis 20 Uhr und nach Vereinbarung unter silke-thoss.com. Es gelten eine beschränkte Besucherzahl und aktuelle Hygienevorschriften.

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