https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/kultur/shakespeare-am-staatstheater-wiesbaden-ein-sommernachtstraum-18346102.html

Shakespeare in Wiesbaden : Wie die Politik in den „Sommernachtstraum“ kommt

  • -Aktualisiert am

Bild: Karl und Monika Forster

Liebe und Pop regnen aufs Publikum herab: Regisseur Tilo Nest lässt fast nichts aus für einen überraschenden Spielzeitstart mit dem Sommernachtstraum am Staatstheater Wiesbaden.

          3 Min.

          Mitunter können sogar Staatstheater überraschen. Der Spielzeitauftakt in Wiesbaden, traditionell im Großen Haus, bietet für gewöhnlich gediegene Klassikaufbereitung, nutzt die große Fläche für visuell ansprechende und anregende, allerdings selten aufregende Inszenierungen. Das ist in diesem Jahr anders. Schon beim Betreten des Zuschauerraums ahnt man, dass man es hier mit einen „Sommernachtstraum“ der etwas anderen Art zu tun bekommt. Ein Reinigungsteam säubert geräuschvoll mit Staubsaugern einen Parlamentssaal, immer wieder unterbrochen von einer autoritären Geisterstimme, bei deren Ertönen die Putzkräfte sofort strammstehen.

          Ganz offenkundig befinden wir uns in einer Diktatur, denn kurz darauf wird das Auditorium von Volksgenossen mit Nummern auf den adretten violetten Uniformen besetzt. Man singt patriotische Lieder und huldigt verzückt jubelnd dem großen Vorsitzenden „Nummer 1“, der gerade kurz vor seiner Vernunft-Hochzeit steht und bei Shakespeare einstmals Theseus hieß. In seinem Reich gibt es keine Individuen mehr, die Hippolyta, Lysander, Hermia oder Helene heißen könnten, hier haben alle eine Nummer. Nur wenn sie sich verlieben, verfallen die jungen Dissidenten in die alte Unsitte, sich beim Vornamen zu nennen. Mit einem simplen Plakat mit der Aufschrift „let love rule“ ziehen sie sich den Zorn des dezidiert liebesskeptischen Staatschefs zu.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Deutsches WM-Aus : Der nächste Untergang

          Bei der WM in Qatar erlebt der deutsche Fußball die nächste brutale Selbsttäuschung. 18 Monate vor der Heim-EM blickt er in einen tiefen Abgrund. Das Spiel gegen Costa Rica ist lange erschütternd – und ein Spiegel der vergangenen Jahre.

          Wohnmobil Kompanja Van : Das Camperleben kann so einfach sein

          Der Kompanja Van auf Basis des Renault Trafic ist ein minimalistisches Wohnmobil mit einigen pfiffigen Ideen. Die Innenausbauten sind aus Holz und trotz nur fünf Metern Länge ist Platz für vier.