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Frankfurter Kindertheater : Seltene Einigkeit

Für das eigenständige Kinder- und Jugendtheater soll das Zoogesellschaftshaus umgebaut werden. Bild: Wolfgang Eilmes

Der Magistratsbeschluss zur Errichtung des Frankfurter Kindertheater zeigt: Nicht nur das künftige Publikum kann an solch einem Theater lernen.

          Kaum je geht der Magistrat mit so viel Gefühl für die politische Zielgruppe ans Werk. Die Botschaft des künftigen Theaters für junges Publikum laute, so der Beschluss: „Ihr seid es uns wert, ein eigenes Theater zu haben!“ Diese Wertschätzung, für die das Gebäude und sein Inhalt ständen, werde „mit Sicherheit“ zurückgegeben.

          Hoffentlich kommt es so. Erstens, weil es fast 30 Jahre her ist, dass ein guter Teil der bis heute politisch Verantwortlichen dafür gesorgt hatte, dass das kaum gegründete Kommunale Kindertheater wieder geschlossen wurde. Zweitens, weil in einer Gesellschaft, die immer stärker von unterschiedlichen Prägungen, Herkünften und Chancen gekennzeichnet ist, Kunst und Kultur noch einmal ganz neu gedacht werden können: Theater als Ort und Möglichkeit der Teilhabe, Auseinandersetzung und gleichzeitig Verständigung, gerade für die Jungen und Jüngsten.

          Es ist eine herausragende Chance für die Stadt und die ganze Region, ein vorbildliches Theater für junges Publikum zu schaffen. Dafür hat sich eine laut Kulturdezernentin Ina Hartwig „breite Mehrheit“ im Magistrat gefunden. Und das, obwohl die Dezernentin im März noch von den Römerkoalitionären gescholten wurde, als sie vor den eigenen Kollegen zuerst der Öffentlichkeit ihre „Gesamtvision Zoo“ präsentiert hatte. Nun gibt es dickes Lob für die gute und „äußerst konstruktive“ Zusammenarbeit. Das künftige Kinder- und Jugendtheater dient als Beweis, dass im Römer auch was geschafft wird.

          Beschluss soll „wasserdicht“ sein

          So „wasserdicht“, wie man es sich vor 30 Jahren gewünscht hätte, soll der Beschluss nun sein. Auf neun Seiten allein wird begründet, warum und auf welcher Grundlage das Theater errichtet wird. Hatten Fachleute noch im März kritisiert, ein Konzept fehle und erst recht eine Perspektive für die Eröffnung, so hat Hartwig und hat wohl auch ihre „Lenkungsgruppe“ nachgelegt.

          Die Damen und Herren sind schließlich ausführlich, bisweilen in staunenswert großen Delegationen gereist, um sich über eine Theaterform zu informieren, die in vielen Städten als dringend notwendige Ergänzung der kulturellen Daseinsfürsorge erkannt worden ist. Sie liefert im Idealfall künstlerische Ergebnisse, die Theater für alle sind, nicht nur die Jungen. Die Feinkonzeption sollte der künftigen Leitung überlassen sein. Dass jetzt aber sogar die Zeit bis zum Umbau mit beispielhaften Projekten im Zoogesellschaftshaus verkürzt werden soll und die Stadt das Gespräch mit dem Land und der Region sucht, um eine gemeinsame Trägerschaft auszuloten, zeigt, dass nicht nur das künftige Publikum an solch einem Theater lernen kann.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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