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Autorin mit vielen Pseudonymen : Zwei Abende für ein Kapitel

Hilka Sellnick in einem Café in ihrer Heimatstadt Idstein. Mit einem Buch oder Notizblock sieht man sie dort oft sitzen. Bild: Marcus Kaufhold

Seit 30 Jahren schreibt Hilke Sellnick erfolgreich Romane. Mit ihrer Familiensaga um das „Café Engel“ in Wiesbaden hat sie ihren Eltern ein Denkmal gesetzt.

          Womöglich bekäme sie alle ihre Pseudonyme gar nicht zusammen. Die wenigsten Leute, die Hilke Sellnick in ihrer Heimatstadt Idstein sehen, dürften wissen, dass die zurückhaltende Dame mit dem feinen Humor mehr als 30 Romane geschrieben hat, etliche Bestseller – und so viele Kurzgeschichten, dass sie die selbst kaum zählen könnte. Alle unter anderen Namen. „Aber mein Lebenslauf ist immer ehrlich“, sagt Sellnick.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Weshalb er auch bei Marie Lamballe, der Verfasserin der Wiesbaden-Familiensaga „Café Engel“, wie bei allen ihren Pseudonymen so karg und diskret ist, wie er nur sein kann. Geboren 1950 in Hannover. Studierte nach dem Abitur 1969 Französisch und Russisch auf Lehramt, bekam nach dem Referendariat, wie so viele damals, aufgrund des Einstellungsstopps keine Stelle. Andere wurden Übersetzerinnen, Sekretärinnen oder gingen in Verlage. Hilke Sellnick erzog ihre Kinder und schrieb, wann immer etwas Zeit war, Gedichte, kleine Skizzen, Satiren.

          „Der Schornstein muss rauchen“

          Als in der Zeitung für einen „Autorenstammtisch Idstein“ geworben wurde, ging sie hin. Und hörte von einem alten Herrn, dem sie bis heute dankbar ist: „Schön, dass du schreibst. Aber der Schornstein muss rauchen.“ Wenig später, man schrieb die achtziger Jahre, war sie im Geschäft der Kurzgeschichten, die früher fast jede sogenannte Illustrierte brachte. „Für zweieinhalb Manuskriptseiten gab es 2000 Mark“, erinnert sich Sellnick. „Ich versuchte damals viel literarischer zu schreiben. Aber ich habe es rausgekriegt, wie man das schreibt.“ Seit sie 35 Jahre alt ist, lebt sie als freischaffende Autorin, und als die meisten Zeitschriften die Kurzgeschichten strichen, war Sellnick längst bei den langen Geschichten angekommen.

          In den zahlreichen populären Untergenres des Romans, von Liebe und Historie zu Landschaft und Cosy-Krimi ist sie tätig, einer Bretagne-Serie verdankt sie ihr Pseudonym Marie Lamballe. Nur eine Krimireihe läuft unter ihrem echten Namen. „Fabrikmäßig immer nur ein Genre zu bedienen, das will ich nicht“, vor allem lockere, witzige Geschichten würden ihr dann fehlen.

          Ein Denkmal für ihre Eltern

          Als Marie Lamballe hat Hilke Sellnick bei Bastei-Lübbe soeben den zweiten Band ihrer erfolgreichen Familiensaga um die Wiesbadener Caféhaus-Familie Koch vorgelegt, der dritte Band von „Café Engel“ soll im Winter erscheinen. In ihrem Stammcafé sitzt Sellnick mit einem Notizbuch, Seite um Seite entwirft sie die Struktur der Kapitel, die Entwicklung der Figuren. „Dann setze ich mich hin und schreibe, die Notizen habe ich daneben liegen.“ Zwei Abende braucht sie für ein Kapitel, ein halbes Jahr für ein Buch, das minimale Pensum eines Tages sind fünf Seiten. „Das ist nicht viel – ich habe eine Kollegin, die schafft 15 bis 18 Seiten am Tag.“ Künstlerromantik ist offenkundig nicht Sellnicks Sache, das Pensum klingt straff, aber ihre Arbeit macht ihr großen Spaß.

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