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Schriftsteller Kermani : Kulturpreis-Verleihung auf Herbst verschoben

  • -Aktualisiert am

Muslimischer Schriftsteller Navid Kermani: Gespräch mit Ministerpräsident Roland Koch (CDU) Bild: dpa

Die Hessische Staatskanzlei verschiebt die für den 5. Juli geplante Verleihung des Hessischen Kulturpreises in den Herbst. Grund ist die Kontroverse um den muslimischen Schriftsteller Navid Kermani.

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          Die für den 5. Juli geplante Verleihung des Hessischen Kulturpreises wird wegen der Kontroverse um den muslimischen Schriftsteller Navid Kermani in den Herbst verschoben. Das Kuratorium zur Vergabe der Ehrung habe damit eine Anregung der drei christlichen und jüdischen Preisträger, Peter Steinacker, Karl Kardinal Lehmann und Salomon Korn, aufgegriffen, teilte die Hessische Staatskanzlei mit. Damit werde den vier ursprünglich vorgesehenen Preisträgern die Gelegenheit gegeben, „in einem gewissen Abstand zur aktuell aufgeheizten Diskussion“ und unter Ausschluss der Öffentlichkeit das gemeinsame Gespräch zu suchen. Vom Ausgang dieses Zusammentreffens werde das Kuratorium sein weiteres Vorgehen abhängig machen.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ministerpräsident Roland Koch (CDU) äußerte nach einem Gespräch mit Kermani die Hoffnung, dass dieser das Verhandlungsangebot annehmen werde. Als Vertreter des Islam sollte der Autor den Kulturpreis ursprünglich zusammen mit Kardinal Lehmann, dem ehemaligen Kirchenpräsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Steinacker, und dem Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden, Korn, erhalten. Lehmann und Steinacker weigerten sich jedoch, die Auszeichnung gemeinsam mit Kermani anzunehmen, weil dieser sich in einem Zeitungsartikel negativ über das christliche Symbol des Kreuzes geäußert hatte.

          Dialog zwischen den Religionen

          Koch sagte in Wiesbaden, das Kuratorium sei sich seiner besonderen Verantwortung bewusst. Die jetzigen „Schwierigkeiten“ bei der Verleihung des Kulturpreises seien „symptomatisch für das angespannte Verhältnis von religiöser Überzeugung und kultureller Toleranz“. Die Verschiebung der Preisvergabe sei der Bemühung geschuldet, „nichts unversucht zu lassen, um die Gemeinsamkeiten wichtiger zu machen als das Trennende“.

          EKHN-Kirchenpräsident Volker Jung lobte die Entscheidung des Kuratoriums. Die Frist bis zum Herbst gebe allen Beteiligten Zeit zu genau dem Dialog, für den der Preis vergeben werden solle. Er sei zuversichtlich, dass die Debatte um die Ehrung Kermanis den interreligiösen Dialog nicht nachhaltig behindere. Kermani bleibe für die evangelische Kirche „ein interessanter und kompetenter Gesprächspartner“. Jung betonte zudem, dass die EKHN unter der Führung seines Amtsvorgängers Steinacker den Dialog zwischen den Religionen „intensiv geführt und vorangebracht“ habe. Die Verleihung des Kulturpreises richte sich an die Person Steinacker und dessen Lebenswerk. Deshalb überdehnten Kommentare, die seine Ablehnung vor dem Hintergrund des Verhältnisses von Kirche und Staat interpretierten oder gar die Dialogunfähigkeit der Religionen behaupteten, den Sachverhalt.

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