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„Schirn at Night“ : So klingt Swing heute

Blickfang: Bei „Schirn at Night“ geht es in vielerlei Hinsicht kunstvoll zu Bild: Maximilian von Lachner

Ein Museum feiert: Bei der Partyreihe „Schirn at Night“ bringen Frankfurter DJs diesmal den Swing alter Schule mit Techno-Beats zusammen.

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          Die Bilder sind großformatig und ausdrucksstark, in Weiß und erdigem Umbra-Braun, entstanden ab 1956. Lee Krasner malte ihre „Umber“-Serie nachts, deswegen werden die Malereien der Amerikanerin auch häufig als „Night Journeys“ bezeichnet. Während sie die Farben auf der Leinwand verteilte, lief meist die Musik, die Krasner so liebte: Jazz und Swing.

          Alexander Jürgs

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Schirn Kunsthalle in Frankfurt hat der von der Kunstgeschichte in der Regel in den Schatten ihres Partners Jackson Pollack gestellten Malerin Lee Krasner eine große Retrospektive gewidmet. Nun wird anlässlich dieser Ausstellung gefeiert. „Schirn at Night“ wird die Partyreihe zu den Museumsschauen, die seit einigen Jahren schon erfolgreich läuft, genannt. Die Idee dahinter: Die Musiker und DJs, die für die Partys engagiert werden, stehen in einer Verbindung zu den ausgestellten Künstlern.

          Bastard aus House, Techno und altem Swing

          Dass man am Samstag bei der „Schirn at Night“-Party zur Krasner-Retrospektive also Swing zu hören bekommt, liegt auf der Hand. Doch es ist nicht der klassische Swing, der da erklingt, sondern eine zeitgenössische Interpretation, mit elektronischen Beats gemischt, ein Bastard aus House, Techno und altem Swing, Electro-Swing getauft. Gerade in Frankfurt hat dieser Stil schon lange seine Anhänger, die Szene ist zwar überschaubar, aber sehr aktiv, regelmäßige Partys laufen zum Beispiel im Club „Ponyhof“ in Sachsenhausen. Dort sind auch die Frankfurter Künstler, die nun in der Schirn auftreten, oft zu hören: Benedict Hegemann, der sich als DJ Timcat nennt, und das Produzenten-Duo Balduin, bestehend aus Benedikt Kuhn und Martin Straka.

          Elektronische Musik ganz ohne Swing-Einflüsse gibt es aber auch – auf einer zweiten Tanzfläche. Der Frankfurter DJ Inkasso wird Cloud Rap auflegen, die in Leipzig lebende Kiki Hitomi (Foto) stellt ihren sehr eigenen Mix aus traditionellem Japan-Pop, Reggae und Electro vor. Ab Mitternacht legt noch der Wiener Wolfram auf. Seine herrlich krude Mischung aus Elektrobeats und Italo-Disco hat auch schon den Musiker Moby begeistert. Er bat den Österreicher um einen Remix. Auch für Hercules & Love Affair hat Wolfram schon das ein oder andere Stück bearbeitet.

          Noch ein Tipp: Die „Schirn at Night“Partys sind immer gut besucht. Wer sichergehen will, dass er an der Abendkasse nicht abgewiesen wird, sollte seine Karte vorher kaufen – das geht an der Museumskasse oder im Online-Shop der Schirn. Die Lee-Krasner-Ausstellung kann während der Party bis 24 Uhr besichtigt werden.

          „Schirn at Night“ beginnt an diesem Samstag, 16. November, um 20 Uhr in der Kunsthalle Schirn in  Frankfurt.

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