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Schenkung an das Städel : Abstrakte bevorzugt

Mit der Schenkung Margarethe und Klaus Posselt erhält das Frankfurter Städel-Museum ausgesuchte Werke der informellen Kunst.

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          Das Städel und die Mäzene: eine gleichsam natürliche Verbindung. In den Jahrzehnten nach dem Krieg war sie brüchig geworden, die bürgerlichen Traditionslinien verblassten, und manche potentiellen Förderer sahen die wesentliche Verantwortlichkeit für die Entwicklung des Instituts bei der öffentlichen Hand. Schließlich hatte sich die Kulturpolitik in den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts als Instanz etabliert, die den Anspruch erhob, umfassend für die Frankfurter Kunsteinrichtungen zu sorgen. Großzügige Schenkungen gab es zwar immer. Seit den frühen Neunzigern allerdings ist, auch wegen der Verschlechterung der städtischen Finanzsituation, das Engagement der Bürger für ihr liebstes Museum stark gewachsen.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Mittlerweile ist die Institution am südlichen Museumsufer abermals zu einem Musterbeispiel privater Kunstförderung geworden. Nun haben Margarethe und Klaus Posselt ein mäzenatisches Zeichen gesetzt: Das Ehepaar überließ dem Städel ein umfassendes Konvolut mit Werken herausragender Künstler, 13 Gemälde, neun skulpturale Objekte und 48 graphische Blätter. Die Arbeiten zeugen nicht nur von der Vorliebe, sondern vor allem vom Qualitätsbewusstsein und dem scharfen ästhetischen Verstand der Sammlerin und späteren Galeristin Margarethe Posselt. Museumsdirektor Max Hollein sagte gestern, die beiden Stifter gehörten „zu den wirklich großen Mäzenen des Hauses“. In der Neupräsentation der Sammlung im Erweiterungsbau, der gegenwärtig seiner Vollendung entgegenstrebt, werden nach den Worten von Martin Engler, Sammlungsleiter für die Kunst nach 1945, Teile der Schenkung Posselt an entscheidenden Stellen zu sehen sein.

          Mit Kalenderblättern und Postkarten begonnen

          Einen Schwerpunkt bilden Leinwandwerke aus der Blütezeit des deutschen Informel, darunter solche von Karl Otto Götz, Gerhard Höhme, Bernhard Schultze und Hann Trier. Zudem erhielt das Museum Gemälde und Skulpturen des ostdeutschen Konstruktivisten Hermann Glöckner. Mit einer Graphik von Joseph Beuys kommt erstmals eine zweidimensionale Arbeit des wohl einflussreichsten westdeutschen Nachkriegskünstlers ins Städel. Desgleichen ist ein Aquarell von Jürgen Brodwolf die erste Papierarbeit dieses Plastikers in der Graphische Sammlung. Auch Blätter von Gerhard Altenbourg, Georg Baselitz, John Cage Fred Thieler oder Fritz Klemm bereichern künftig diese etwa 100 000 Werke beherbergende Abteilung, deren Schätze wegen ihrer hohen Lichtempfindlichkeit in der Regel nicht ausgestellt, sondern auf Anfrage einzelnen Kunstinteressierten vorgelegt werden.

          Mit leiser Stimme und gewählter Ausdrucksweise berichtete Margarethe Posselt von den Anfängen ihrer Sammelleidenschaft nach 1945: Mit Kalenderblättern und Postkarten habe sie sich zunächst begnügt. Die ersten echten Kunstwerke, die sie besessen habe, seien Siebdrucke von Chagalls Fenstern in Zürich gewesen: Sechs Mark habe ein Blatt damals gekostet. Doch habe sie sich bald von dieser Richtung ab- und der abstrakten Kunst zugewandt. Frankfurt, wo die Posselts lange wohnten, war nach dem Krieg zu einem Zentrum des Informel avanciert. 1992 zogen sie nach Bonn, Margarethe Posselt eröffnete eine Galerie und widmete sich fortan vor allem der zeitgenössischen ostdeutschen Kunst. Oft war sie in Leipzig und Dresden: „Wir haben die Nächte durchdiskutiert.“ Die Galeristin förderte eine Reihe junger Künstler. Und machte sich um das Werk von Hermann Glöckner verdient: Dass es letztlich die Anerkennung bekam, die es verdient, ist zu einem Großteil ihr zu verdanken.

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