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Schauspiel-Intendant Weber : In der Corona-Variante

Öffnet demnächst die Kammerspiele wieder: Anselm Weber, Intendant des Frankfurter Schauspiels. Bild: Frank Röth

Das Schauspiel stellt sich auf eine neue Ästhetik ein. Die Pandemie erzwingt sie. Fragen an den Sprechtheater-Intendanten Anselm Weber.

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          Die Stadt Frankfurt hatte kürzlich das Ende der Spielzeit 2019/2020 verkündet. Nach der überraschenden Verlautbarung des Landes Hessen könnten Sie in der laufenden Saison nun rein theoretisch wieder Theater vor bis zu 100, auf Antrag bis zu 200 Besuchern spielen. Geht das auch praktisch?

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Wir sind seit Montag dabei, ein Hygienekonzept für die Kammerspiele zu entwickeln. Das ist eine sehr komplexe Aufgabe. Wir werden dann überprüfen, ob wir unter bestimmten Voraussetzungen den einen oder anderen Monolog im Juni aufführen können. Es geht ja um viele Details. Vom Kartenabreißen bis zum Toilettenbesuch.

          Vor wie vielen Besuchern würden die Einpersonenstücke stattfinden?

          Vor fünfundzwanzig Leuten.

          Ein Mensch pro zehn Quadratmetern?

          Es kursieren unterschiedliche Zahlen, wir sind jetzt dabei, das alles zu überprüfen.

          Lohnt sich das denn, vor so kleinem Publikum zu spielen?

          Lohnen tut sich das nicht, aber es geht darum, ein Zeichen zu setzen, dass es uns noch gibt. Wir zeigen Präsenz, sobald das geht.

           Und wie sieht es mit dem Großen Haus aus?

          Das bleibt geschlossen, erstens, weil es ziemlich sinnlos ist, dort vor nur 100 Leuten zu spielen, zweitens beginnen wir jetzt dort mit den Proben für die nächste Spielzeit. Sie beginnen am 18. Mai, wir werden für Shakespeares „Was ihr wollt“ eine sogenannten Corona-Variante entwickeln. Wir wollten die Produktion schon in dieser Saison zeigen, nun wird sie in die nächste verschoben.

           Wie gehen Sie sonst mit den ausgefallenen Premieren um, werden sie nachgeholt oder passen sie nicht mehr ins Programm der neuen Spielzeit?

          Damit gehen wir ganz unterschiedlich um. Wir versuchen grundsätzlich, die Sachen zu verschieben, einige in die nächste Spielzeit, andere in die darauffolgende.

           Lässt es sich denn unter den momentanen Bedingungen problemlos proben?

          Auch hier brauchen wir ein Hygienekonzept. Derzeit befinden wir uns ja gerade in einem rechtsfreien Raum. Das muss man deutlich sagen. Es gibt von den Unfallkassen zwar vorläufige Arbeitspapiere, aber noch keine endgültigen. Bevor wir nicht genau wissen, was wir tun können oder tun dürfen, müssen wir sehr, sehr vorsichtig sein.

          Wer sind denn Ihre Ansprechpartner, wenn es um Hygienekonzepte geht?

          Das sind zum einen der Deutsche Bühnenverein, zum anderen die Unfallkassen und das Frankfurter Gesundheitsamt. Im Moment haben wir auch sehr unterschiedliche Informationen. Zumindest die Abstandsregelung von 1,50 Meter gilt. Aber ob zum Beispiel auf der Bühne laut gesprochen werden darf, das wissen wir noch gar nicht.

          Heißt das, dass wir bis auf weiteres nur noch Schauspieler mit Mikroports erleben?

          Mikroports zu benutzen ist auch nicht ganz ungefährlich, weil sie von unterschiedlichen Personen in die Hand genommen werden. Es ist tatsächlich so: Wir drehen jeden Stein um und prüfen, was noch möglich ist und was nicht. Kein einfacher Vorgang.

          Das bedeutet, dass die Ästhetik komplett von den Vorgaben abhängig ist, die wegen des Coronavirus nötig sind?

          Genau. Die ganzen Teams sind aufgefordert, sich immer wieder neu aufzustellen und entsprechend reagieren zu können. Das tun sie aber mit großer Souveränität und großer Lust, zumindest im Augenblick noch.

          Die Theaterkunst hat schon unter schwierigsten Bedingungen stattgefunden.

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