https://www.faz.net/-gzg-9kg2o

Schauspiel Frankfurt : Sind wir nie schön genug?

„Alles was zählt“ im Schauspiel Frankfurt: Musikhochschulstudenten singen Lieder über Geld. Bild: Maria Klenner

Studenten der Musikhochschule machen Zuhörern gute Laune: Das Studiojahr Schauspiel Frankfurt singt unter dem Titel „Alles was zählt“ Lieder über Geld – und Existenzängste.

          2 Min.

          Die jungen Aufsteiger tragen Dollarscheine auf Anzughosen, Jacketts und Krawatten. Denn was zählt auf der Welt? Liebe und Geld. Das Geld allerdings noch deutlich mehr, jedenfalls in „Alles was zählt“, einem Liederabend rund um Geld und Schulden, den Michael Lohmann in den Kammerspielen des Schauspiels Frankfurt inszeniert hat. Der musikalische Leiter Günter Lehr am Piano und das Ensemble haben viel gefunden zum Thema Finanzen im internationalen Liedgut. Von „Brother, Can You Spare A Dime“ über AC/DC und Lana del Rey bis zu Dota Kehrs „Geld verdirbt den Charakter“: was die sieben mit quietschbunten Perücken ausstaffierten Darsteller draufhaben, ist beachtlich.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Next Generation Invest“ heißt das fiktive Unternehmen, dessen Lohnsklaven sich den Frust von der Seele singen. Eine Investition in die nächste Generation ist auch das Studiojahr Schauspiel, das die Studenten des dritten Ausbildungsjahres von der Musikhochschule ans Schauspiel und in die Praxis bringt. Eine ausgesprochen sinnvolle Investition, und so ist der obligatorische Liederabend, Teil der Ausbildung, nun im Spielplan zu finden. Er hat sich in „Alles was zählt“ von der üblichen Nummern-Show emanzipiert und ist, verbunden durch einen lockeren roten Faden, witzige Kostüme (Martina Suchanek) und wiedererkennbare Charaktere zu einem höchst unterhaltsamen Musik-Theater angewachsen, das durchaus wunde Punkte antippt.

          Es geht um Träume, aber auch um Ängste, Rollen, Neid, Selbstbilder, Ausbeutung. Zum Beispiel, wenn Leonie, die Neue im Team (Julia Staufer), mit einem leichten Knacksen in der Stimme fragt „Sind wir denn nie schön genug?“. Da ist die rosa Putzdame namens Lina, gespielt von Eva Bühnen, die während der Proben eine schwere Knieverletzung erlitt und nun ihren Rollstuhl höchst geschickt in die Handlung integriert, auch wenn sie „Money – That’s What I Want“ schmettert oder den E-Bass bedient. Der Mann ihres Herzens, Fabian (Julian Melcher), singt sogar Schuberts „Leiermann“, nicht mit klassischer Gesangsstimme, sondern bis zur völligen Verzweiflung gebrochen. Die Rolle des Rockstars hingegen übernimmt David Campling, dessen Max signalisiert, dass sowieso nur er die Sache rocken wird. Persönlicher Fünfjahresplan: „An der Spitze sein.“ Auch Katharina Kurschat alias Judith weiß, was sie will – jedenfalls bis zum Schluss, wenn sie zart und klar „Wenn ich mir was wünschen dürfte“ singt.

          Andreas Gießer gibt den jovialen Entertainer mit „Das letzte Hemd hat keine Taschen“, bis die Statistik-Säulen seiner Powerpoint-Präsentation mitschunkeln. Und Laura Teiwes schießt den Vogel als Boss Emma ab, die „The Eye Of The Tiger“ röhrt und ihre Angestellten auf Knien den Boden fegen lässt, bevor sie ihre roten High Heels darauf setzt. Überhaupt haben Regie und musikalische Leitung die Wechselwirkung von starkem Solo und Gruppenszenen ausbalanciert, die Chor-Arrangements zumal von Lehr sind allein und als Backup der Solisten prima gelungen. So gewinnen sogar idiotische Rappersätze wie „Hitta wollen wie ich sein, Bitches wollen den Dick rein“: Im gepflegten Chorsatz andante gesungen ist das unglaublich komisch.

          „Alles was zählt“

          Weitere Vorstellungen am 18. und 31. März sowie am 13. April im Schauspiel Frankfurt.

          Weitere Themen

          Eingemeindungen, Flughafengegner, Weihnachtsbeleuchtung

          F.A.Z.-Hauptwache : Eingemeindungen, Flughafengegner, Weihnachtsbeleuchtung

          Im Sinne der Effizienz ihrer Verwaltung sollten Gemeinden mit weniger als 8.000 Einwohnern fusionieren. Dieser Plan wurde jedoch vorerst abgelehnt. Zum 300. Mal demonstrierten Flughafengegner am Montag gegen den Flughafenausbau. Das und was sonst noch wichtig ist in Rhein-Main, steht in der F.A.Z.-Hauptwache.

          Börsenglocke zum Geburtstag Video-Seite öffnen

          F.A.Z. wird 70 : Börsenglocke zum Geburtstag

          Nein, die F.A.Z. geht nicht an die Börse. Dass Werner D'Inka, seine Mit-Herausgeber und die Geschäftsführer die Eröffnungsglocke auf dem Frankfurter Parkett läuten durften, war ein Geschenk der Deutschen Börse zum 70. Geburtstag.

          Lieber Vater als Firmenchef

          Allianz-Topmanager : Lieber Vater als Firmenchef

          Die Frankfurter Allianz-Tochter bekommt neue Spitze. Der Grund: Der Chef der Vermögensverwaltung am Main will sich nach eigenen Worten mehr seiner Familie widmen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.