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Savas und Sido in Frankfurt : Freundliche Mitsing-Wettkämpfe

  • -Aktualisiert am

Miteinander in Eintracht: Sido (links) und Savas (rechts) Bild: Braunschädel, Michael

Battle war gestern: Die Rapper Savas und Sido zeigen sich in der ausverkauften Jahrhunderthalle in Frankfurt einträchtig.

          3 Min.

          Nach dreißig Minuten ist die Stimmung in der Jahrhunderthalle in Frankfurt längst prächtig. Das Haus ist voll, komplett ausverkauft. Und Sido schafft es, während Savas auf der Bühne sich mit Hilfe zweier DJs in einen seiner Hochleistungs-Raps schraubt, auf einmal gegenüber auf dem Balkon der Halle aufzutauchen. Vom Sicherheitspersonal an der langen Leine gelassen, quetscht er sich dort durch die Reihen. „Habt Ihr nicht gedacht, hier auf euren Sitzplätzen, oder?“, lacht er den überrumpelten Fans ins Gesicht: „Die Wahrscheinlichkeit war ja nicht so groß, dass der Sido vorbeikommt!“

          Tut er aber, und nun sollen sie alle dort oben sein Block sein und „Mein Block“ mitsingen, Sidos Hit aus dem Jahr 2004. Doch jene, denen er das Mikrofon vor die Nase hält, haben gerade einen Kloß im Hals. „Macht ja nix“, meint Sido, doch ein Gesangswettbewerb, ein Battle, wird trotzdem daraus: Zweimal durch den Refrain, und dann ist klar, dass die Fans auf dem Parkett unten um einiges lauter sind als die auf dem Balkon. Kein Kunststück freilich, sie sind auch mehr.

          Kein Battle zwischen ihnen ist in Sicht

          Freundliche Mitsing-Wettkämpfe, das ist an diesem Abend übrig geblieben von der Battle-Kultur des deutschsprachigen Hip-Hop, Sparte Straßen-, Gangster-, Ghetto-Rap. In der Kellerkneipe „Royal Bunker“ in Berlin-Kreuzberg (und später beim gleichnamigen Label) hatten die jungen, wilden Kerle kurz vor der Jahrtausendwende ihre Rap-Fähigkeiten an- und gegeneinander noch mit harten Worten geschärft – Kool Savas und später auch der fünf Jahre jüngere Sido waren dabei mittendrin. Knapp zwanzig Jahre später haben die beiden, die sich in der Zwischenzeit auf ihren Wegen an die Spitze der bundesdeutschen Popkultur eher selten über den Weg gelaufen sind, als Savas & Sido das Album „Royal Bunker“ gemacht, in Eintracht und im Gedenken an die gute alte Zeit.

          Also geht es auch live bei dieser professionellen Nostalgie-Show vor allem freundlich. Optisch gibt es zu Beginn auf dem Vorhang ein kurzes Film- und Videoclip-Potpourri aus den Karrieren der beiden. Der Bühnenaufbau dahinter entpuppt sich als dreistöckige Podest-Burg mit breitem DJ-Pult als Zinne, drumherum sorgen gelegentliche Feurio-Verpuffungen, ein Geldschein-Konfettiregen sowie Video-Elemente für eckige Grafiken oder für die „Bunker“- und Haifisch-Motive des aktuellen Albums optische Abwechslung.

          Im Programm mischen sich neue Stücke mit alten Hits der beiden. Mitgerappt wird sowieso, mitgesungen auch, das sympathische Backgroundsänger-Pärchen Karen und Adesse hilft dabei. Die jeweiligen Fähigkeiten von Savas und Sido bleiben dabei offensichtlich: Ersterer punktet mit seinen komplexen Raps und den Doubletime-Passagen, Sidos Beiträge erkennt man neben den bekannten Hooklines vor allem an den unverschämt lässig-wuchtigen Grooves, sogar noch bei „Astronaut“, einem seiner Ausflüge ins banal Schlagerhafte.

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          Ansonsten betonen Savas im schwarzen, erstaunlich engen T-Shirt und Sido in seiner blütenweißen Streetware-Kluft mehrfach, wie schön die Zusammenarbeit war und wie froh sie sind, gemeinsam auf der Bühne zu stehen. Kein Battle zwischen ihnen ist in Sicht, lieber covert der eine jeweils einen der unanständigen alten Hits des anderen. Sido kleidet sich für seine Version von Savas‘ „Schwule Rapper“ mit Krönchen und knallig-fluffigem Umhang als König; Savas trägt für seine Version vom „Arschficksong“ Sidos Maske von damals. Sofern man die derben Texte vor lauter an Bierzelte oder Stadien erinnerndem Mitgegröhle versteht, sind sie zumindest dem etwas distanzierteren Zuhörer in Teilen sogar unangenehm. Allerdings nicht wegen der Obzönitäten an sich. Vielmehr wirken sie deshalb so unpassend, weil die einst so unverblümte Wut, die in den Sex- und Gewaltphantasien steckte, im wohligen Miteinander völlig verpufft.

          Und so kommt die professionelle zweistündige Show am besten über die Runden, wenn in aktuelleren Stücken die Altersmilde der beiden Berliner reflektiert wird. Am Ende stehen das neue Lied „Jedes Wort ist Gold wert“, das den Reim über den sonst doch dauerbegehrten Zaster stellt, und Sidos gut ein Jahr alte Single „Masafaka“, die um ein bisschen Verständnis bittet: „Das ist Hip-Hop, Motherfucker, so sind wir / Ab und zu böse, manchmal auch schmutzig / Einfach nur blöd oder unfassbar lustig / Wenn wir alles kleinhau’n, fragen sie: Spinnt ihr?“. In der Jahrhunderthalle ist aber alles heil geblieben.

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