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Sarah Connor in Frankfurt : Die Westentaschen-Madonna

  • -Aktualisiert am

Wenn das die beiden Lütten sehen: Eindeutig... Bild: dpa

Schlagzeilen machte Sarah Connor in jüngster Zeit eher mit ihrem Privatleben. Beim Auftritt der Sängerin in der gut gefüllten Frankfurter Jahrhunderthalle spielt auch die Familie mit.

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          Eindeutiger könnte die Botschaft nicht sein: „Trust yourself – follow your instinct“. Die in Übergröße digital erzeugten Buchstaben charakterisieren treffsicher hauptsächlich die Urheberin dieser ermunternden Zeilen. Instinkt? Zur Premiere einer immerhin stolze 29 Termine umfassenden Tournee in der gut gefüllten Frankfurter Jahrhunderthalle möchte Sarah Connor garantiert nichts dem Zufall überlassen. Insofern sollte das Selbstvertrauen wahrlich intakt sein. Schließlich will sich die 28 Jahre alte Sängerin aus Delmenhorst, nachdem sie in den vergangenen Monaten vor allem mit der spektakulären Trennung von Ehemann Marc Terenzi und einem peinlichen Techtelmechtel mit Werder-Bremen-Spieler Diego Ribas da Cunha für Schlagzeilen sorgte, auch mal wieder als Künstlerin in Erinnerung bringen.

          In eindeutigen Posen

          „Mir ist warm“, keucht Sarah Connor lasziv ins Mikrofon und empfiehlt sich in eindeutigen Posen mit verführerischem Augenaufschlag als kompakte Westentaschen-Madonna. Die Herren sind im Publikum zwar eindeutig eine Minderheit, dafür geraten sie schwer ins Schwitzen, wenn die Wasserstoffblonde mit nagelneuer Kurzhaarfrisur zum Einstieg des rund zweistündigen Spektakels in knapper Korsage zu schenkelhohen Lederstiefeln beteuert, „Sexy As Hell“ zu sein. Um ihre stimulierende Attraktivität zu unterstreichen, lässt sich die langbeinige Sängerin nicht nur pausenlos von zwei weiblichen und vier männlichen Tänzern umgarnen, sondern wechselt nach ungefähr jedem dritten Song auch die nach sämtlichen Farben des Regenbogens schillernden hautengen Textilien.

          zweideutig, die Mama...

          Nur wenig Spontaneität lässt der strenge Ablauf zu, wenn die von neun Musikern begleitete Sarah Connor zwischen tanzlastiger Ausgelassenheit und balladesker Sentimentalität die um kein Thema verlegene Moderatorin mimt. Dank zweier Doku-Reality-Soap-Formate erprobt, ihr Privatleben auch in intimen Details vor einem Millionenpublikum genüsslich auszubreiten, fällt es der alleinerziehenden Mutter von zwei kleinen Kindern nicht schwer, zumindest einen ihrer Sprösslinge in die Show mit einzubeziehen. Per Telefon zugeschaltet darf sich Söhnchen Tyler Marc einen Song von Mami wünschen. Es wird nicht das einzige Mal bleiben, dass Sarah Connor nahe Verwandtschaft in das doch recht kurzweilige Entertainment einspannt. Ihre Schwester Lulu Lewe gesellt sich für ein Duett gar leibhaftig ins Rampenlicht und feiert zudem auch noch ihren 17. Geburtstag.

          Gewagte Tänze des Lasters

          Um sich in immer neuen Choreographien stets eine Spur zu gewollt theatralisch zu inszenieren, hat sich Sarah Connor einen extra langen Laufsteg ins kärglich geratene Bühnenambiente zimmern lassen. Da führt sie gewagte Tänze des Lasters auf, schüttet in einer drehbuchgerechten Wutszene einem ihrer Tänzer ein Glas Wasser ins Gesicht oder interpretiert, nur von einem Pianisten begleitet, mit gesenktem Blick Melancholisches in Moll. Aber sie hat auch einiges zu erzählen. Beispielsweise, wenn sie sich ausführlich über ihr Single-Dasein äußert. Doch bevor der Eindruck überhandnimmt, einer der einschlägigen Talk-Shows am Nachmittag beizuwohnen, geht die kecke Sarah wieder intensiv auf Tuchfühlung mit den Fans, die Plakate mit Aufschriften wie „We Love You“ hochhalten, selbstgebastelte Geschenke überreichen und ihre Handykameras gar nicht mehr sinken lassen.

          Souverän singt sich Sarah Connor durch ein handverlesenes Repertoire aus sechs Studioalben – frei nach der Devise: Weniger Kunst ist mehr. Konservativ paart sie gängige R’n’B-Meterware mit zeitgemäßem Hip-Hop und kommerziellem Pop. Dann aber verblüfft sie bei einem instrumentalen Funk-Medley mit gleich mehreren Genre-Klassikern. Und dann überrascht Sarah Connor mit einer erstaunlich nahe am Original operierenden Interpretation von Dusty Springfields „Son Of A Preacher Man“. Natürlich darf als Zugabe nicht ihr bislang größter Verkaufserfolg, die hochdramatische Kuschel-Ballade „From Sarah With Love“, fehlen. Eine wirkliche Handschrift hat das Ganze zwar immer noch nicht. Das Tourprogramm aber zeigt: Seit dem Beginn ihrer Karriere im Jahr 2001 hat Sarah Connor sicherlich einen eindrucksvollen Reifungsprozess durchlaufen.

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