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MMK Frankfurt : Notwendige Ertüchtigung

Die Türen sind zu: Das Hauptgebäude des MMK (hier im Oktober 2018) bleibt nicht nur für den Lockdown, sondern auch für wichtige Erneuerungen geschlossen. Bild: Daniel Vogl

Das Museum für Moderne Kunst wird saniert und bleibt wohl bis zum Sommer nächsten Jahres geschlossen. MMK Tower und Zollamt sollen bereits im Januar wieder eröffnen, sofern die Corona-Regeln das zulassen.

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          Genau genommen ist das keine Nachricht. Schließlich kann man derlei doch allmählich wissen, dass Theater und Museen, Konzerthäuser und selbst die Galerien bis auf weiteres geschlossen haben und damit den Kulturkalender ganz schön durcheinanderbringen. So durcheinander, dass nun eines der ersten Häuser am Frankfurter Platze die aktuelle Schließung auf ihrer Website als „Special Event“ ankündigt. Allein hier übt man sich nicht, wie man womöglich meinen könnte, notgedrungen in Sarkasmus; wird hier doch nicht der aktuelle Shutdown des öffentlichen Lebens euphemistisch als Ereignis kommentiert. Vielmehr will man vis-à-vis des Bartholomäusdoms zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Das an der Domstraße gelegene Museum für Moderne Kunst (MMK), heißt es in einer Mitteilung des Hauses, werde „die Schließzeit aufgrund der Corona-Pandemie nutzen und eine notwendige Brandschutzsanierung des Hauses durchführen“. 3,24 Millionen Euro soll die vom Amt für Bau und Immobilien der Stadt verantwortete Ertüchtigung des Gebäudes kosten. Voraussichtlich bis zum Sommer nächsten Jahres wird das Museum für das Publikum geschlossen bleiben. Jedenfalls das Haupthaus in der Stadt, während das Zollamt und der Tower im Januar wieder eröffnen wollen. Falls es die Situation erlaubt. Schließlich sei „es ja nicht so, dass wir kein Programm hätten“, wie das MMK wissen lässt.

          Christoph Schütte
          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Schon seit August etwa – und noch bis Ende Mai – ist am Standort am Taunustor die „Sammlung“ überschriebene Schau mit herausragenden Werken aus dem Bestand des Museums seit den sechziger Jahren zu sehen, darunter Arbeiten von Thomas Bayrle und Marlene Dumas, Isa Genzken, Anne Imhof und Barry Le Va, Lee Lozano, Marcel Odenbach oder Jeff Wall. Und die nächsten Ausstellungen sind selbstverständlich auch längst geplant. Ob allerdings die Schau der jungen südafrikanischen Künstlerin Lungiswa Gqunta wie geplant stattfinden kann, daran mag man jetzt durchaus noch seine Zweifel haben. Die Eröffnung der Schau mit Arbeiten der dezidiert politischen Bildhauerin und Installationskünstlerin ist für den 15. Januar geplant.

          Die Kunst im öffentlichen Raum

          Dagegen hat es die zweite, im Rahmen eines Werkauftrags für die 10. Frankfurter Positionen entwickelte Schau vermutlich etwas leichter. Weniger, weil die Vernissage Cyprien Gaillards erst für Ende Januar angesetzt ist. Vielmehr ist die Arbeit des französischen Künstlers wie viele seiner Projekte ohnehin für den öffentlichen Raum gedacht. Und Frankfurt, scheint es, ist dabei für den bevorzugt kontextbezogen vorgehenden Gaillard von ganz besonderem Reiz. Schon in seiner Ausstellung im MMK Zollamt vor zehn Jahren hatte er sich mit dem Genius Loci beschäftigt, indem er den Abriss des Technischen Rathauses in den Blick nahm.

          Jetzt hat sich der in Berlin lebende Konzeptkünstler in die Frankfurter Wallanlagen, genauer: die einst berühmt-berüchtigte Taunusanlage zwischen Banken- und Bahnhofsviertel begeben. Nicht aber, um etwa Eduardo Chillidas „Haus für Goethe“, Georg Kolbes Heine-Denkmal, August Haags „Schneewitchen“ oder Johannes Dielmanns Schiller-Denkmal eine weitere Monumentalskulptur zur Seite zu stellen – Gaillard hat sich vielmehr einen unscheinbaren Lüftungsschacht ganz am Rande der Grünanlage ausgesucht. Die Kunst hat sich derweil vom hektischen Betrieb der Stadt ins Innere des Schachts, einen Ort der Intimität, zurückgezogen. Ab dem 29. Januar 2021, so darf man hoffen, will sie sich dort zeigen.

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