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Das rächende Rotweinglas : Was Schriftsteller von Kritikern halten

So manche Autor träumt von Kritikern mit dem reflektiven Anspruch Friedrich Schlegels. Bild: dpa

Schriftsteller schreiben, Kritiker kritisieren. Aber sind die Rezensionen immer gerechtfertigt? Und was lösen sie bei den Autoren aus?

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          Neulich saßen Katja Lange-Müller und Kathrin Röggla zusammen im Zug und lasen einander die Homestories vor, die ein Hamburger Nachrichtenmagazin in zwei aufeinanderfolgenden Nummern Karen Duve und Inger-Maria Mahlke gewidmet hatte. Gerade Letztere kam bei den beiden Autorinnen auf Dienstreise gar nicht gut an. Lauter Details zu Mahlkes Kleidung und gründliche Einblicke in die Schriftstellerinnenpsyche wie beim Bericht des Magazins über die Modelleisenbahn von Horst Seehofer.

          Florian Balke
          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Das kann man nicht Literaturkritik nennen und war vom Autor sicher auch nicht so gemeint“, sagt Lange-Müller. Und fügt hinzu: „Über das Buch erfährt man sehr wenig.“ Was sie am Einzelfall beobachtet hat, hebt Ernst Osterkamp ins Allgemeingültige. „Die Literaturkritik als Textkritik wird abgelöst von einer Kritik des Performativen“, sagt der Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

          „Bereit, zur Tat zu schreiten“

          Er hat die Autorinnen und drei Kollegen zum Auftakt der Herbsttagung der Akademie in die Darmstädter Centralstation gebeten. Es geht um die Lage der Kritik, zunächst haben die Schriftsteller das Wort und sprechen über das Rezensieren aus ihrer Sicht. Das Ideal entwirft Michael Lentz, die Wirklichkeit beschreibt Lukas Bärfuss. Lentz träumt vom Kritiker, der dem Anspruch Friedrich Schlegels genügt. Er hatte geschrieben: „Es ist nichts schwerer, als das Denken eines anderen bis in die feinere Eigentümlichkeit seines Ganzen nachkonstruieren, wahrnehmen und charakterisieren zu können.“

          Genau das aber sei auch weiterhin die Aufgabe des Kritikers: „Einer, auf dessen Lektüre ich mich freue, weil ich etwas lerne.“ Für Bärfuss „Kritik von gestern“, abgelöst wie die zusammengebrochene bürgerliche Gesellschaft. Der Bürger habe Einordnung verlangt: „Die Leser von morgen werden lesen, was sie lesen wollen.“ Und was macht man mit schmerzhaften Verrissen? Friedrich Christian Delius vergibt den „Ein-Glas-Rotwein-aufs-Hemd-Pokal“. Die Auszeichnung werde öffentlich überreicht. Noch wüssten die Kritiker nichts von ihr: „Aber sie sollen wissen, dass ich bereit bin, zur Tat zu schreiten.“

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