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: Roter Rosenregen: Ein musikalisches Porträt der Hildegard Knef im Frankfurter Fritz Remond Theater im Zoo

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Das Publikum wollte sie nicht mehr gehen lassen. Drei - oder waren es vier? - Zugaben mußten Roswitha Benda und Melanie Haupt spendieren, bevor sie sich in ihre Garderobe zurückziehen durften. Immer wieder ...

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          Das Publikum wollte sie nicht mehr gehen lassen. Drei - oder waren es vier? - Zugaben mußten Roswitha Benda und Melanie Haupt spendieren, bevor sie sich in ihre Garderobe zurückziehen durften. Immer wieder wollten die Zuschauer die wohlbekannten Chansons unter der musikalischen Leitung von Ulrich Jokiel am Flügel und mit Sascha Teuber am Baß hören: "Ich möchte am Montag mal Sonntag haben", "Ich brauch' Tapetenwechsel", "In dieser Stadt", "Eins und eins, das macht zwei", "Larifari" und das Lied, das dem Abend den Namen gab. "Für mich soll's rote Rosen regnen" hatte der amerikanisch-deutsche Regisseur und Autor James Lyons sein "musikalisch-seelisches Porträt der Hildegard Knef" genannt, das kurz nach dem Tod der Berliner Schauspielerin und Chansonsängerin vor zwei Jahren als Auftragsstück in Bielefeld uraufgeführt wurde.

          Jetzt ist es im Fritz Remond Theater im Zoo zu sehen, doch der Erfolg dieser Premiere war bis zur Pause keineswegs garantiert. Denn Lyons' dramaturgisches Wechselspiel zwischen einer abgeklärten "Knef" und einer wilden "Hilde" trug ein Trägheitsmoment in sich, das auch die Songs nicht ohne weiteres auffangen konnten. Die verinnerlichte Spannung zwischen der vielseitigen Künstlerin und Autobiographin und ihrem jugendlichen Alter ego konnte die fehlende Spannungskurve des biographischen Plots nicht vergessen machen. Allzu elegisch und getragen kam das Seelenporträt zwischen Ich und Ich daher, so daß man fast dankbar war für "Hildes" fürchterliche Kriegs- und Nachkriegserlebnisse, die "die Knef" fürs Leben geprägt hatten und jetzt den Zuschauer verschreckt aus dem Tran rissen.

          Auch einzelne Revuenummern wie "Ich zieh' mich an und langsam aus" oder "It's a Chemical Reaction, that's all" hielten das Publikum wach dank der grazilen Melanie Haupt, die mit dem herben Schmelz ihrer zu Recht mehrfach ausgezeichneten Chanson-Stimme für die Höhepunkte des Abends sorgte. Nach der Pause zog auch die Inszenierung an. Die Aufführung gewann an Intensität und steigerte sich kontinuierlich bis zum musikalischen Endspurt mit den großen Hits der gebeutelten Chansonniere, die sich die Worte "ich will" zur Lebensdevise erkoren hatte. Ihre Unbeugsamkeit durchzieht das Porträt als Leitmotiv vom ehrgeizigen Aufbruch in der Nachkriegszeit über alle öffentlich durchlebten beruflichen, gesundheitlichen und ehelichen Krisen bis zur späten Mutterschaft.

          Die Knef selber hat dem Autor und Regisseur mit ihren beiden Autobiographien die nötigen Vorlagen geliefert. Aus ihren Texten hat er einzelne Szenen zusammengestellt und mit Zitaten angereichert. Auf dem Höhepunkt ihrer künstlerischen Karriere begegnet sie hier 1975 ihrem jüngeren Ich. Ein Dialog entspinnt sich zwischen den Frauen, sie streiten sich, rennen in verschiedene Richtungen und finden doch immer wieder zusammen, um sich, auch qualmend, zu ergänzen. Axel Schmitt-Falckenberg hat die Spielfläche in Vorder-, Mittel- und Hinterbühne geteilt, die Gegenwart der Siebziger mit transparenten Wandsegmenten von der Vergangenheit abgetrennt und zugleich mit ihr verbunden. Auf einer Wippe ganz hinten nehmen Melanie Haupt und Roswitha Benda schließlich Abschied von "Hilde-und-Knefs" vitalem Auf und Ab. CLAUDIA SCHÜLKE

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