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„Ronja Räubertochter“ in Mainz : Ein kraftvolles Mädchen

  • -Aktualisiert am

Im Blickpunkt: Ronja Räubertochter in Mainz Bild: Andreas Etter

Kinder hinterfragen das System: Die Wiener Regisseurin Asli Kişlal inszeniert „Ronja Räubertochter“ als Familienstück am Staatstheater Mainz.

          2 Min.

          Zwischen den beiden Räubersippen herrscht Feindschaft, auch wenn sie nah beieinander, in einer durch einen Blitzschlag geteilten alten Burg hausen: die Mattisräuber und die Borkaräuber. Über die tiefe Schlucht, die der Blitz geschlagen hat, ist seitdem nie jemand gekommen. Bis zu dem Tag, an dem sich dort Ronja und Birk gegenüberstehen. Die beiden Kinder springen über den Höllenschlund. Und sie freunden sich an, obwohl sie doch allen Grund hätten, sich zu hassen – als Tochter des Räuberhauptmanns Mattis, als Sohn von Räuberhauptmann Borka.

          „Ronja Räubertochter“, die 1981 von Astrid Lindgren verfasste Geschichte über die Freundschaft zweier Räuberkinder, die alle Widerstände überwinden, wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und ist seit Generationen bei ihren jungen Lesern vielgeliebt. Sie aber habe die Geschichte aus ihrer eigenen Kindheit gar nicht gekannt, gesteht die 1970 in Ankara geborene Regisseurin Asli Kişlal, die die Erlebnisse der beiden Kinder in einer Bearbeitung von Barbara Hass jetzt am Staatstheater Mainz als Weihnachtsstück inszeniert. Und nun musste sie sich als Erwachsene der Erzählung nähern.

          Traum von einer gerechteren Welt

          Doch verliebte auch sie sich schnell in das „kraftvolle Mädchen“ Ronja und ihren ebenso widerspenstigen Freund Birk. Beide entwickelten die Fähigkeit, sich von ihren Eltern zu emanzipieren und ihren eigenen Weg zu gehen, freut sich Kişlal. „Die Kinder hinterfragen das System, sie haben die Kraft, für ihre Freundschaft und den Traum von einer gerechteren Welt zu kämpfen.“ Noch immer sehr aktuell seien die Themen von Zusammenstehen und Durchhalten, sagt Kişlal, man müsse sich ja nur die „Fridays for Future“-Bewegung ansehen.

          Für ein „gemeinsames Wir“ kämpft die Regisseurin ja selbst, die seit 1990 in Wien lebt, dort Soziologie an der Universität und Schauspiel am Schubert Konservatorium studierte und später langjähriges Ensemblemitglied des Theaterhauses Stuttgart war.

          „Postmigrantische Positionen“ stellte sie als Initiatorin und Kuratorin einer Wiener Projektreihe 2011 bis 2012 vor. Ein Jahr später gründete sie das Performance- und Theaterlabor „divercitylab“, ein Projekt, das sich als Kunstprojekt und Ausbildungsstätte zum Ziel gesetzt hat, die Theaterszene für alle Mitglieder der „postmigrantischen Gesellschaft“ zu öffnen.

          Starke Mädchenfiguren

          In jeder Schauspielschule, auf jeder hierarchischen Ebene vor und hinter der Bühne, vor und hinter der Kamera sollte sich die Gesellschaft in ihrer Diversität abbilden, wünscht sich Kişlal. Sie inszeniert in der freien Szene und auch als Gast-Regisseurin und ist jetzt zum dritten Mal in Mainz engagiert, wo sie voriges Jahr „Die Sprache des Wassers“ und 2015 „Als mein Vater ein Busch wurde“ auf die Bühne brachte.

          Immer ging es um starke Mädchenfiguren, jetzt auch um den starken Jungen Birk. Denn das möchte sie in „Ronja Räubertochter“, einer für die ganze Familie und für alle von scehs Jahren an gedachten Inszenierung, vermitteln: Kinder denken oft fortschrittlich. Und sie können eigene Entscheidungen treffen.

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