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Roland Böer : Auf der Suche nach den ernsten Tönen

Möchte Smetanas Oper nicht als Schwank interpretieren: Roland Böer Bild: F.A.Z. - Sick

Das der Kapellmeister der Oper Frankfurt, Roland Böer, eine so bedeutende Oper wie „Die verkaufte Braut“ dirigieren darf, sieht er als einen Höhepunkt seiner Laufbahn an.

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          Christine Schäfer habe er damals sehr bewundert, sagt Roland Böer. Lange bevor sie als Sopranistin berühmt und er Kapellmeister der Oper Frankfurt wurde: schon als Fünftkläßler am Goethe-Gymnasium, als er in der Cellogruppe des Schulorchesters an den hinteren Pulten saß und die ältere Mitschülerin vor ihm die Soli spielen durfte. An der Frankfurter Schule sammelte der in Bad Homburg geborene, in Maintal aufgewachsene Dirigent also schon früh und teils zeitgleich mit dem späteren Weltstar Erfahrungen als Orchestermusiker. Seine derzeitige Wirkungsstätte war ihm als Besucher ebenso früh vertraut.

          Guido Holze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          So sah er an der Oper Frankfurt schon als Jugendlicher 1985 „Die verkaufte Braut“ von Smetana in der Inszenierung von Christof Nel unter der Leitung von Michael Luig. Daß er 22 Jahre später hier bei einer Neuproduktion des Werks selbst am Pult stehen würde, ahnte er da noch nicht. Vielmehr ist er im Rückblick immer noch erstaunt, wie es ihn überhaupt zweimal zurück nach Frankfurt verschlug. So engagierte ihn hier 1996 Sylvain Cambreling als Solorepetitor, als die Bindung an seine Heimatstadt durch sein Dirigenten-Studium in Würzburg schon schwach geworden war. Nach drei Jahren an der Deutschen Oper am Rhein kam er 2002 als Kapellmeister zurück.

          In der Ouvertüre beginnt es zu „brodeln“

          Nun in einer Premieren-Serie eine so bedeutende Oper wie „Die verkaufte Braut“ dirigieren zu dürfen sieht Roland Böer als einen Höhepunkt seiner Laufbahn an. Die Interpretation als die „tschechische Nationaloper“ schlechthin habe das Werk jedoch erst im nachhinein erfahren. Tschechische Volkslieder ließen sich etwa darin nicht nachweisen. Landestypisches Kolorit brächten am ehesten die Tänze wie Furiant und Polka oder die Volksszenen. Das in der Ouvertüre zu hörende große Hauptthema in C-Dur werde von vielen zwar als typisch tschechisch empfunden. Doch sei das als primäre Wirkung von Smetana sicher nicht intendiert gewesen.

          Schon in der Ouvertüre beginne es bald zu „brodeln“. Ein nach Art einer Fuge in den Instrumenten einsetzender polyphoner Teil versinnbildlicht demnach weniger eine „Flucht“ als einen „verzweifelten Fluchtversuch“, wie Böer glaubt. In Zusammenarbeit mit dem Regisseur Stein Winge, der das „Komische Singspiel“ nicht einfach als Schwank deuten möchte, hat sich der junge Dirigent so mit Erfolg auf die Suche nach den ernsten Tönen und dunklen Farben begeben.

          Liebesmelodien ohne viel Tiefgang

          Bezeichnend sei etwa, daß Hans und Marie als Liebespaar musikalisch „aneinander vorbeireden“. Hans singe zwar schöne Liebesmelodien, doch ohne viel Tiefgang: Er spiele nur mit Marie. Erstaunlicherweise stehe der zu Unrecht als Tölpel abgestempelte Stotterer Wenzel, den Marie nach dem Willen ihrer Eltern heiraten soll, ihr von der Musik her gesehen sogar näher.

          Ebenso eigenartig sei, daß Marie am Ende für die Einwilligung in die Heirat mit Hans nur vier Takte blieben und es mit keinem weiteren Wort mehr um die Hochzeit gehe. Alles stimme vielmehr ein in die Schadenfreude über den ausgetricksten Heiratsvermittler Kecal. Die Stimmen von Hans und Marie gingen im Chorklang unter: Sie verschwänden in der Gesellschaft, im sprichwörtlichen böhmischen Dorf, im engen Sozialsystem.

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