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Roger Cicero : „Sie will halt reden“

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Charmanter Entertainer: Roger Cicero in der Alten Oper Bild: Verena Müller

Haltung nach DIN-Norm, möglichst „artgerecht“, forderte Roger Cicero für seine Geschlechtsgenossen beim ersten von zwei Zusatzkonzerten in der ausverkauften Frankfurter Alten Oper.

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          Haltung nach DIN-Norm, möglichst „artgerecht“, fordert Roger Cicero für seine Geschlechtsgenossen beim ersten von zwei Zusatzkonzerten in der ausverkauften Frankfurter Alten Oper und macht unmissverständlich deutlich: Auch ein laut Biologen evolutionäres Auslaufmodell wie die Spezies Mann hat durchaus noch das Recht auf Erfolg. Nach wie vor liegen dem 39 Jahre alten Sänger im schwarzen Seidenanzug und obligatorischem Hütchen „Männersachen“ ganz besonders am Herzen, obwohl er am Ende des rund zweistündigen Spektakels konsterniert feststellen wird: „Frauen regieren die Welt.“

          Mit 13-Mann-Orchester unter Leitung von Pianist Lutz Krajenski im Rücken analysiert der Filius von Jazzlegende Eugen Cicero auf vergnügliche Weise „Kommunikationsprobleme“, „Kompromisse“ oder gar „Experimente“ zwischen Mann und Frau. Weil er das beim kecken Aufsagen seiner auswendig gelernten Conférence nicht ganz so platt angeht wie der nur noch in Stadien und Arenen seinen Stammtischhumor verbreitende Mario Barth, fühlt sich mehrheitlich vor allem die holde Damenwelt vom charmanten Entertainer angezogen. Willig lässt sich das weibliche Geschlecht gleich zweimal vom leger durch die Sitzreihen schlendernden Beau hautnah becircen, der dreist behauptet: „Du willst es doch auch.“

          Eine mit einer Prise Pop aufbereitete Variante von Swing

          Stilistisch deckt Roger Cicero sämtliche Genres ab, die der ebenfalls bei den Damen zwischen acht und achtzig populäre Mitbewerber Sasha noch nicht besetzt hat: Virtuos nähert Cicero sich der mit einer Prise Pop aufbereiteten Variante von Swing, Jazz und Latin. Zwischendurch darf es auch mal Blues, Soul oder Funk sein. Hauptsache, im mit reichlich Blechbläsern angereicherten Klangambiente entsteht ein Lebensgefühl, als hätte man mindestens drei Gläschen Prosecco intus. Da fühlt sich das Auditorium spontan zum Tanzen animiert, gleich ob „Spontis Banker zeugen“, die Angetraute fordert: „Zieh die Schuh aus“ oder der gute Roger „Hinterm Steuer“ zum Ungeheuer mutiert.

          Echte Überraschungen wie die Big-Band-Version „Geboren“ von den Fantastischen 4 oder das akustische „Fachmann in Sachen Anna“ gibt es nur wenige. Immerhin erhält der Nachwuchs eine Chance, wenn die ermittelte Tagessiegerin Jenny des Internet-Castings „Star For A Day“ tatsächlich über Talent verfügt und im Duett „Seine Ruhe“ glänzt. Ein Raunen der Empörung geht allerdings durch den Saal, als Roger Cicero glaubt, in „Wenn Sie dich fragt“ einen Chauvi-Witz machen zu müssen. Bei Streitgesprächen rät er: „Bloß keine Fakten, du bist schließlich nicht die Auskunft. Sie will halt reden, nur das ist ihre Natur.“ Bis zum nächsten Gastspiel im Rhein-Main-Gebiet, am 8. August im Hanauer Amphitheater, kann der Wahl-Hamburger ja an seiner Rolle als Sympathieträger noch ein wenig feilen.

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