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Roger Cicero : Premiere mit kleiner Panne

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Traumhaft sicher: Roger Cicero. Bild: REUTERS

Im Griff hat er von Beginn an sein überwiegend weibliches Publikum, das von seinem Favoriten seit geraumer Zeit nicht genug zu bekommen scheint: Roger Cicero gastiert solo in der Alten Oper Frankfurt.

          So hatte Roger Cicero sich die Deutschlandpremiere seines Soloprogramm gewiss nicht vorgestellt. In ohrenbetäubender Lautstärke stoppte ein fieses Störgeräusch aus den Lautsprechern den Auftritt des ohnehin recht nervösen Entertainers schon nach wenigen Takten seines Eröffnungssongs. Souverän machte der 40 Jahre alte Wahlhamburger zur Überbrückung Scherze, bis es wenige Minuten später wieder weitergehen konnte. „Ich fang’ dann mal bei der zweiten Strophe an“, kommentierte er die verfahrene Situation selbstironisch, nachdem ein Helfer ihm mit nach oben gerecktem Daumen signalisiert hatte, alles sei wieder im Griff und er könne nun mit seiner Coverversion von „I Could Never Take The Place Of Your Man“ fortfahren.

          Im Griff hat Roger Cicero vom Beginn des Konzertes an auch sein überwiegend weibliches Publikum, das von seinem Favoriten seit geraumer Zeit nicht genug zu bekommen scheint. In der Alten Oper Frankfurt ist der Sohn von Jazz-Koryphäe Eugen Cicero schließlich erst im vergangenen Februar zu Gast gewesen. Für sein Solo jedoch, das eigentlich ein Duett ist, weil an Flügel und Hammondorgel Ciceros Leib- und Magenpianist Lutz Krajenski mit von der Partie ist, der als musikalischer Direktor auch dessen Ensemble leitet, hat der Mann im adretten Streifenanzug und mit der Schiebermütze vorsorglich den kleineren Mozart-Saal gewählt. Populäre Cicero-Originale wie „Spontis zeugen Banker“, „Fachmann in Sachen Anna“ oder „Schöner war’s ohne“ befinden sich bei seinem Solo schließlich eindeutig in der Minderheit. „Weggefährten“ nennt Cicero seine Autobiographie, die er gerade auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt hat.

          Traumhaft sicher

          Als Weggefährten bezeichnet er aber auch jene Lieblingssongs, die ihn von Kindesbeinen an inspiriert haben und den Hauptteil des rund zwei Stunden langen Frankfurter Nostalgiereigens ausmachen: Marvin Gayes „What’s Going On“, Al Greens „Let’s Stay Together“ und Stevie Wonders „Have A Talk With God“ decken Ciceros Faszination für Soul ab. Zwei Songs von Prince, „Forever In My Life“ und „How Come U Don’t Call Me Anymore“, unterstreichen Ciceros verschmitztes Bekenntnis, der kleine Amerikaner sei sein Jugendidol. Sie erklären aber auch, warum der langhaarige Teenager Cicero auf den Fotos in seinem neuen Buch wie ein Zwillingsbruder von Bill Kaulitz wirkt – er wollte Mitte der achtziger Jahre unbedingt wie Prince aussehen.

          Traumhaft sicher phrasiert Roger Cicero sich durch weitere Schmankerl seiner musikalischen Sozialisation: Duke Ellingtons „Take The A-Train“ interpretiert er genauso stilsicher wie eine Scat-Version von Dave Brubecks „Blue Rondo A La Turk“ und eine Vokalise von James Moodys „Moody’s Mood“, eine Adaption nach Eddie Jeffersons „I’m In The Mood For Love“. Lediglich zwei Titel, „Every Little Thing She Does Is Magic“ von The Police und „Ein Kompliment“ von Sportfreunde Stiller, wollen nicht so recht in den verjazzten Rahmen passen. Umso ausdrucksstärker gelingt Roger Cicero zum Abschied Rio Reisers Evergreen „König von Deutschland“.

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