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Roger Cicero in Frankfurt : Hinterm Steuer zum Ungeheuer

  • -Aktualisiert am

Sein Konzert in der Alten Oper... Bild: ddp

„Frauen regieren die Welt“, behauptet Sänger und Pianist Roger Cicero. In der ausverkauften Frankfurter Alten Oper lauscht ihm sein Publikum hingerissen. Und eine so nervöse wie talentierte Siebzehnjährige darf auf der Bühne mitsingen.

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          Seit geraumer Zeit lässt es sich weder überhören noch übersehen: Comedians wie Mario Barth analysieren mit Vorliebe die Befindlichkeit des einstmals so starken Geschlechts. Auch Roger Cicero berichtet Verblüffendes über das biologische Auslaufmodell Mann. In der seit Monaten ausverkauften Frankfurter Alten Oper stellt er eigenwillige Ansichten zur Schau, wenn er die Haltung der eigenen Spezies als nicht „artgerecht“ empfindet und eine nicht nur für Emanzipationsexpertin Alice Schwarzer gewagte These aufstellt: „Frauen regieren die Welt“.

          Wenn Roger Cicero nach minutenlanger Ouvertüre seiner durch Gitarristen und Perkussionisten auf 13 Musiker angewachsene Big Band mit forschem Blick und süffisantem Grinsen über eine geschwungene Las-Vegas-Treppe die Bühne erklimmt, präsentiert sich nicht nur der durch jahrelange Tingelei gereifte 39 Jahre alte Sänger und Pianist. Versuchte der Filius von Jazzmusiker Eugen Cicero doch seit 1989, dem Schatten seines übermächtigen Vaters zu entfliehen. Doch das gelang erst mit dem mittlerweile mehr als eine Millionen mal verkauften Debüt „Männersachen“ 2006. Mit dem Erfolg entwickelt hat Roger Cicero auch eine Kunstfigur. Vor allem die zahlreich erschienene Damenwelt liebt die verführerische Mischung aus verletzlichem Macho, südländisch mafiosen Typ und versiertem Swing-Jazz-Musikus im Anzug.

          Vergnügliche Plaudereien

          Wie auf endloser Perlenschnur reihen sich, unterbrochen von mal mehr oder minder vergnüglichen Plaudereien, die freilich keine spontanen Einfälle sind, Episoden über die Missverständnisse zwischen den Geschlechtern: „Wie komm’ ich raus aus der Boutique – ohne Krieg?“, fragt Roger Cicero verzweifelt zum Auftakt. Reimt dabei „Laden“ auf „Schaden“. Cicero verteilt Tipps an die Männer, nicht nur im Falle „Wenn sie Dich fragt“. Bekennt, dass er „Hinterm Steuer“ zum Ungeheuer mutiert. Aber er bricht auch das eine oder andere „Tabu“. Mit viel Sinn für Ironie charakterisiert der Familienvater ohne Trauschein, der mit Lebensgefährtin Kathrin Claasen und Sohn Louis in Hamburgs Stadtteil Winterhude lebt, warum ausgerechnet „Spontis Banker zeugen“.

          ...war seit Monaten ausverkauft
          ...war seit Monaten ausverkauft : Bild: ddp

          Deutlich gewachsen an seiner Aufgabe ist Roger Cicero, der zum sechsten Mal in der Alten Oper gastiert und mit Stolz zwei weitere Zusatztermine für 2010 ankündigen darf. Aus dem anfänglich scheuen Neuling entwickelte sich binnen drei Jahren ein selbstsicherer Entertainer, der mit Wonne auf Tuchfühlung mit seinem Publikum geht. Minutenlang spaziert er durch Sitzreihen, verharrt bei wegen der plötzlichen Nähe zum Idol teilweise sich windenden Damen, wenn er genüsslich die Titelzeile „Du willst es doch auch“ mit eindeutigen Gesten unterstreicht.

          Eine Siebzehnjährige als Duettpartnerin

          Auch Nachwuchs erhält eine Chance, als eine Siebzehnjährige zwar sichtlich nervös, aber mit hörbarem Talent beim Duett „Seine Ruhe“ assistieren darf. Zwei weitere Debütantinnen, die sich für die Aufgabe am 4. und 5. Februar zur Verfügung stellen möchten, können sich über die Homepage von Roger Cicero noch als „Star For A Day“ bewerben. Ein Schelm, wer die Aktion des smarten Sympathieträgers als Populismus interpretieren würde.

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