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Ausstellung in Mainz : Dürer-Bild als Aufhänger

Reformation und Rittertum: Ein sagenhafter Haudegen steht in Mainz im Mittelpunkt der Ausstellung „Ritter! Tod! Teufel?“ Bild: Marcus Kaufhold

Mittelalterlicher Held und Haudegen: Im Landesmuseum Mainz ist eine Schau über den Ritter Franz von Sickingen zu sehen. Sie zeigt eindrucksvolle Zweikampfszenen ohne brutale Taten zu verklären.

          Mit dem gerne bemühten Bild vom schildkrötenartig auf dem Rücken liegenden Ritter, der nach dem Sturz vom Pferd gänzlich hilflos war, wird in Mainz jetzt aufgeräumt. Tatsächlich habe es sich bei den von großer Handwerkskunst zeugenden Rüstungen in der Regel um „funktionale Schutzkleidung“ gehandelt, die dem Träger selbst im Nahkampf noch reichlich Bewegungsfreiheit geboten habe, sagte Andrea Stockhammer, die Direktorin des Landesmuseums, bei einer Vorabpräsentation der Sonderschau „Ritter! Tod! Teufel?“, für die ein gleichnamiges Dürer-Bild als Namensgeber diente.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz.

          Den um 1513 entstandenen Kupferstich eines furchtlosen Reiters, der womöglich den oft als „letzten Ritter“ bezeichneten Franz von Sickingen zeigt, habe man als „Aufhänger für die Ausstellung“ genommen, die vom 21. Mai bis zum 25. Oktober in Mainz zu sehen ist.

          Eigens dafür wurde nicht nur der Reiterharnisch des 1567 verstorbenen Landgrafen Philipp von Hessen aus Wien an den Rhein geholt, vielmehr wurde auch eine „Rittergruppe“ des Historischen Museums in Berlin ausgeliehen, mit der eine eindrucksvolle Zweikampfszene wie vor gut 500 Jahren nachgestellt werden konnte.

          Rittertum und Reformation aufgearbeitet

          Da in den Schauräumen an der Großen Bleiche aber auch eine Druckerpresse und zahlreiche Flugschriften präsentiert werden, merkt der Besucher schnell, dass mit Hilfe der gut 130 ausgestellten Objekte keineswegs nur in romantischer Verklärung an den machthungrigen und viele Fehden führenden von Sickingen erinnert werden soll.

          So widmet sich die vom Land Rheinland-Pfalz für 660.000 Euro und mit Kooperationspartnern verwirklichte Schau längst nicht nur dem Niedergang des Rittertums im 16. Jahrhundert, sondern zugleich eben auch dem großen Thema Reformation: Es lässt sich unter anderem durch Martin Luthers Auftritt auf dem Wormser Reichstag von 1521 sehr gut in der Region verorten, wie die Kuratoren meinten.

          Von Sickingen führte Feldzüge gegen Frankfurt und Worms

          Dass ein Haudegen wie von Sickingen, der erfolgreich Feldzüge gegen Städte wie Worms, Frankfurt und Metz führte, schon früh zu den Anhängern der reformatorischen Bewegung gehörte, dürfte der Freundschaft mit von Hutten geschuldet gewesen sein, dem der Ritter 1519 erstmals begegnet war. Entsprechend fanden auf der Ebernburg später etliche führende Vertreter der Reformation Zuflucht.

          Der schillernde Kämpfer selbst, der sich wohl besser nicht mit dem Kurfürstentum Trier angelegt hätte, starb am 7. Mai 1523, nachdem seine Burg Nanstein in der Pfalz innerhalb eines Tages von 600 Kanonenkugeln getroffen und er schwer verletzt worden war. Seine letzten Stunden werden in der Mainzer Schau gleichfalls nicht ausgespart: Und so sieht der Betrachter einen schwer getroffenen Helden im Sterbebett.

          Informationen

          Die Ausstellung „Ritter! Tod! Teufel? Franz von Sickingen und die Reformation“ ist im Landesmuseum Mainz, Große Bleiche 49-51, von diesem Donnerstag (21. Mai) bis zum 25. Oktober zu sehen.

          Dienstags von 10 bis 20 Uhr

          Mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr

          Infos auch unter: www.landesmuseum-mainz.de

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