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„Rheingold“ im Staatstheater : Klavier statt Magie

  • -Aktualisiert am

Schließt einen Kompromiss mit Corona: Intendant Uwe Eric Laufenberg nimmt den „Ring“ in Wiesbaden wieder auf, muss allerdings ohne das Hessische Staatsorchester auskommen. Bild: dpa

Am Wiesbadener Staatstheater markiert Richard Wagners „Rheingold“ den „Ring“-Auftakt. Das Hessische Staatsorchester wirkt dabei nicht mit – und die Aufführung erweist sich als musikalisch unvertretbar

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          Wenn die Es-Dur-Klänge der Hörner, die den Grund des Rheins markieren, aus der Tiefe eines einsamen Klavierbasses aufsteigen, wird aus Richard Wagners „Rheingold“-Vorspiel eine Art düsteres Regentropfen-Prélude. Eben darauf, auf die filmische Projektion von Wasserspritzern, blickt das Publikum am Beginn des Vorabends zum „Ring des Nibelungen“ im Großen Haus des Staatstheaters Wiesbaden. Dessen Intendant Uwe Eric Laufenberg hat Wagners Tetralogie dort, wie zuvor in Linz, von 2016 an auf die Bühne gebracht. Die Wiederaufnahme des „Rings“, der nach der Wiederaufnahme des Spielbetriebs vor Publikum in Wiesbaden in zwei Aufführungszyklen gezeigt wird, muss jedoch einen großen Kompromiss mit den Pandemiebedingungen schließen. Denn das Hessische Staatsorchester wirkt an den Aufführungen nicht mit.

          Keine Frage: Allein die physische Leistung, die zweieinhalb pausenlosen Stunden des „Rheingolds“ auf einem Klavier durchzuspielen, verdient höchsten Respekt. Pianistin Alexandra Goloubitskaia, die sich den Orchestergraben mit Wiesbadens Generalmusikdirektor Patrick Lange teilte, bewältigte diese Mammutaufgabe mit dem Höchstmaß an Anpassungsfähigkeit und Gestaltungswillen. Trotzdem erwies sich die beschnittene Aufführung des Wagner’schen Gesamtkunstwerks in dieser Gestalt als musikalisch unvertretbar. Denn alles, was Wagner an Klangmagie, auch an Überwältigungsdramaturgie einsetzt, ist jenseits einer Probensituation eben nicht so einfach ersetzbar. Es gab manche lange Durststrecke in diesem „Ring“-Auftakt. Und dass der machtvolle Auftritt der hier großzügig gestikulierenden Riesen Fafner und Fasolt wie eine Stummfilmszene startete, war von unfreiwilliger Komik.

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