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Okta Logue mit viertem Album : Den Retro-Käfig verlassen

Die Band: Benno Herz, Philip Meloi, Max Schneider, Robert Herz (von links) bilden Okta Logue Bild: Michael Kretzer

Die aus Griesheim bei Darmstadt stammende Band Okta Logue legt mit „Runway Markings“ ihr viertes Album vor. Mit ihrem Produzenten hat schon Peter Doherty zusammengearbeitet.

          Schokolade und Brause können unwiderstehlich sein. Dabei stand dem Hamburger Musikproduzenten Johann Scheerer vermutlich gar nicht nach Kalorienbomben der Sinn, als er unvermittelt auf „Chocolate and Soda“ stieß. So heißt ein im November 2017 veröffentlichter, mit einem an ein Roadmovie erinnernden Musikvideo versehener Song der hessischen Band Okta Logue. Scheerer war fasziniert von dem langen, psychedelisch-poppigen Stück und nahm Kontakt mit dem Management der Band auf: Ob Okta Logue ihr nächstes Album nicht vielleicht bei ihm im Studio aufnehmen wollen?

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nun ist Scheerer nicht irgendwer. In seinem komplett analogen Studio Clouds Hill Recordings haben schon Musiker wie Peter Doherty, James Johnston oder Stella aufgenommen und sich auf die Soundideen des Sohns des Publizisten und Mäzens Jan Philipp Reemtsma eingelassen.

          „Das ist es“

          „Wir sind dann nach Hamburg gefahren, haben uns das Studio angesehen und wussten, das ist es“, erinnern sich die Brüder Benno und Robert Herz, Philip Meloi und Max Schneider heute an das erste Treffen mit Scheerer, dessen Philosophie ihnen gleich gut gefiel. Der wollte die Live-Qualitäten des vor neun Jahren in Griesheim bei Darmstadt gegründeten Quartetts einfangen und diese auch bei einer Studioproduktion hörbar machen. „Viel besser produziert als ein Live-Album, aber doch mit einem Sound, als würden wir direkt vor dem Hörer spielen“, beschreibt Sänger und Bassist Benno Herz den Ansatz, mit dem sich die Band letztes Jahr an die Aufnahmen für ihr viertes Album machte, das am vergangenen Freitag unter dem Titel „Runway Markings“ veröffentlicht worden ist.

          Dieses Album sollte anders klingen als der hochgelobte Vorgänger „Diamonds and Despair“, auf dem Okta Logue 2016 noch einmal das große Retro-Kino ihrer ersten beiden Alben boten. Mit denen hatten die vier Musiker aus dem Rhein-Main-Gebiet sogar in Amerika Aufmerksamkeit erzielt, wo sie nicht nur auf wichtigen Festivals wie dem CMJ in New York auftreten durften, sondern sogar eine komplette Tour spielen konnten.

          Elegische Gitarrenarbeit

          Ihren markanten, in der Rockmusik der siebziger Jahre gründenden Sound, den sowohl Philip Melois elegische Gitarrenarbeit als auch Max Schneiders E-Piano- und Keyboardflächen prägen, wollten sie keineswegs aufgeben, doch mit der Musik nun andere Gefühle ausdrücken. „Als wir vor zehn Jahren unsere ersten Songs schrieben, waren wir fast noch Teenager. Jetzt blicken wir auf ein Jahrzehnt Erwachsenenleben zurück und wollen dies auch in unseren Texten und in unserer Musik zeigen“, sagen Benno Herz und Philip Meloi.

          Feierten sie lange Zeit mit großer Rock’-n’-Roll-Geste den Hedonismus, zeigen sie sich nun durchaus bewusst gereift, was nicht nur mit dem allgemeinen Lauf der Dinge – feste Partnerschaften oder feste Jobs nach dem Studienabschluss – zu tun hat, sondern auch mit traurigen Erfahrungen im persönlichen Umfeld.

          Szenen aus dem Gallusviertel

          Thematisiert die Band in neuen Songs wie „River Street“, der Szenen im Frankfurter Gutleutviertel aufgreift, oder in dem wunderbar betitelten, auf einen Roxy-Music-Klassiker anspielenden „In Every Stream Home A Heartache“ direkt die Schattenseiten des Lebens, klingt die Melancholie in der Musik eher unterschwellig an. In Zusammenarbeit mit Scheerer haben Okta Logue ihre eigene Formel des in den späteren siebziger und frühen achtziger Jahren populären kalifornischen Yacht Rock gefunden.

          „Wir haben in letzter Zeit viel Soul und Funk der siebziger Jahre gehört, aber auch Bands wie Steely Dan“, verweist die Band auf mögliche Impulse fürs eigene Komponieren. Philip Meloi hat zudem Gitarristen wie Mark Knopfler und Steve Lukather (Toto) gelauscht und sich mit deren Produktionsweisen auseinandergesetzt, was nicht zuletzt im schimmernden Titelsong „Runway Markings“ zu hören ist, mit dem die Band endgültig den als beengend empfundenen „Retro-Käfig“ verlassen und wohl auch die notorischen Pink-Floyd-Assoziationen, die vor allem Benno Herz nicht mehr hören mag, hinter sich gelassen hat. Das zeigt die Band derzeit auch auf einer Kurztour durch einige Großstädte, der im Herbst eine längere Tournee durch Deutschland und im nächsten Jahr auch internationale Auftritte folgen sollen.

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