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Rea Garvey in der Festhalle : Ein Traum geht in Erfüllung

  • -Aktualisiert am

Ein Traum geht in Erfüllung: Rea Garvey spielt in der Frankfurter Festhalle. Bild: Wonge Bergmann

Rea Garvey ist in Frankfurt am Ziel seiner Wünsche angekommen. Ganz voll ist die Festhalle nicht. Aber die Zuhörer haben ihren Spaß.

          An seinem immer verwegeneren Erscheinungsbild bastelt der Lieblings-Ire der Deutschen seit Jahren. In der gut gefüllten Frankfurter Festhalle dürfte Rea Garvey, der seine Karriere hierzulande als Frontmann der Band Reamonn begann, den vorläufigen Höhepunkt seiner optischen Wandlungen erreicht haben.

          Ein bisschen Rockergang-Oberhaupt und ein wenig keltisches „Braveheart“-Kriegertum – so signalisieren es der imposant buschige Vollbart und die am Hinterkopf zu einem Dutt zusammengeknoteten Haare, die üppigen Tätowierungen und die hautenge schwarze Kluft samt Motorradlederjacke und silbernen Ketten seitlich am Hosenbund.

          Wohnsitz im hessischen Hadamar

          Regelrecht gegensätzlich dazu verhält sich das musikalische Programm, ein kompakter Querschnitt aus Garveys bislang vier Soloalben. Da mischen sich ansteckende Pop-Ohrwürmer mit zwar recht dynamischem, jedoch auch sehr bravem Rock, variationsreich mit kleinen Dosen Soul, Funk, Elektro und neuerdings auch Hip-Hop abgeschmeckt. All das wird kompakt der Reihe nach abgehakt von fünf spielfreudig passionierten Begleitern auf der mit allerlei optischem Schnickschnack ausgestatteten Bühne.

          Stets hymnisch, mitunter bombastisch und gelegentlich pathetisch ist das alles. Und bisweilen von ziemlicher Nähe zu U2 geprägt. Locker lässig, gelenkig tänzerisch und gerne mit ziemlich großer Geste präsentiert vom 45 Jahre alten Familienvater mit Wohnsitzen in Berlin und im hessischen Hadamar.

          Vorprogramm überzeugt

          Einerseits macht der von seiner Ehefrau Josephine gemanagte Garvey gerne Witze auf Deutsch und auf Denglisch, so wie seine über Jahre gewachsene Fangemeinde es von ihm schon als Coach in „The Voice Of Germany“ kennt, andererseits neigt er bei den Überleitungen gerne mal zu weltverbessernden Predigten – Bono und das „Wort zum Sonntag“ lassen grüßen.

          Mit einem simplen Trick sorgt Garvey dafür, dass das Publikum sich schon auf angenehmer Betriebstemperatur befindet, als er und seine Mitspieler einsteigen. Als Vorprogramm hat er seine irischen Kumpels Ryan Sheridan und Ronan Nolan engagiert. Auf einer kleinen Nebenbühne zur Hallenmitte hin gibt das an Streetbusker angelehnte Duo an Mikrofon, Akustikgitarre, Schlagzeug und Cajón von Anfang an Vollgas und entfacht frenetischen Jubel durch raffinierte Mitmachaktionen.

          Blick aus dem Autofenster

          Als Sheridan und Nolan bei ihrem letzten Song angelangt sind, übergeben sie nahtlos und ohne Umbaupause an den schon auf der dunklen Hauptbühne ausharrenden Garvey. Parallel dazu setzt sich die Unterhaltungs-Hardware in Bewegung. Drei Projektionsflächen, rechts und links der Bühne sowie riesengroß im Hintergrund, spülen eine wahre Bilderflut aus kunstvoll Vorgefertigtem und momentanen Bühnenimpressionen in die Halle. Ellenlange Transparente rollen auf und nieder, auf die sich Psychedelisches projizieren lässt.

          Zwischendurch betont Garvey gleich mehrfach, wie sehr er sich über das Upgrade von der Jahrhunderthalle, in der er auf seinen Tourneen bislang gespielt hat, zu Frankfurts wesentlich geräumigerer Gudd Stubb freut: „Für mich geht heute ein großer Traum in Erfüllung. Jedes Mal, wenn ich früher an der Festhalle vorbeifuhr, dachte ich: Da will ich unbedingt mal spielen.“ Eine perfekte Inszenierung, die gleich von mehreren Kameras eingefangen wird.

          Schon am Einlass hatten an den Eingängen auf Augenhöhe angebrachte Handzettel darüber informiert, dass ein Filmteam sich unter das Publikum mischen werde. Schließlich sollen die kostenlosen Statisten ja auch wissen, dass sie sich im Einsatz befinden.

          Das heutzutage obligatorische Akustikset auf der B-Stage darf nicht fehlen, abermals gesellen sich Sheridan und Nolan hinzu. Dann biegt das Spektakel auch schon auf die Zielgerade. „Wild Love“ pulsiert geradezu, ziemlich krachig gelingt das punkige „Guten Tag“ von Wir sind Helden, eine Erinnerung an Garveys Teilnahme bei „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“.

          „Es ist einfach wunderschön, wenn man seinen Traum tatsächlich erlebt und er sich noch besser anfühlt als erwartet“, sagt Garvey mit schwärmerisch ausgebreiteten Armen zum Finale, ehe im Zugabenteil der Elektro-Pop von „Can’t Stand The Silence“ und „Never Giving Up“ loshämmert.

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