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Rätselhafter Fund in Kirche : Irgendwas mit Alkohol und Süßstoff anno 1880

Gereift: Fläschchen von etwa 1880 mit noch nicht ganz geklärtem Inhalt Bild: Stadt Frankfurt

Was nur enthält das im Turm der Dreikönigskirche in Frankfurt gefundene Fläschchen genau? Erste Erkenntnisse lieferte ein Raman-Spektrometer mit Laser. Doch Fragen bleiben.

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          Golden naturtrüb schimmert die Substanz durchs Glas, als ob sie gerade erst einem Sachsenhäuser Bembel entnommen wurde. Rein optisch spricht also einiges dafür, dass es sich bei dem Stoff um ein Stöffche, sprich einen Ebbelwei, handelt. Diese lokalpatriotische These steht jedenfalls im Raum, seitdem das rätselhafte Fläschchen bei der Sanierung der Dreikönigskirche gefunden wurde. In einer Kugel unter dem Kreuz auf der Kirchturmspitze kamen außerdem zwei sogenannte Zeitkapseln mit historischen Dokumenten und drei Münzen zum Vorschein. Die Funde stammen aus dem Jahr 1880, als der „evangelische Dom“ am südlichen Mainufer fertiggestellt wurde.

          Matthias Trautsch
          Koordination Reportage Rhein-Main.

          Den für Kirchensachen zuständigen Mitarbeiterinnen der Stadt hat die Sache keine Ruhe gelassen. Sie baten deshalb die Kollegen von der Branddirektion um ein Gutachten. Die Feuerwehr verfügt nämlich nicht nur über Spritzen und Schläuche, sondern auch über ein sogenanntes Raman-Spektrometer. Per Laser wurde die Flüssigkeit untersucht, ohne den Glasbehälter zu beschädigen. Das Ergebnis: Die gelbliche, etwas trübe Substanz enthält Alkohol und einen Süßstoff. Das sei zwar noch kein Beweis für die Stöffche-These, sagt Stadtkämmerer Bastian Bergerhoff (Die Grünen), der für die Dotationskirchen zuständig ist. Aber es sei zumindest nicht widerlegt, „dass unsere Vorfahren als Zeugnis der damaligen Lebenskultur ein Pröbchen mit Ebbelwei hinterlassen haben“.

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