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Projekt „Next Generation“ : Die Freiheit, einen Weg zu finden

Annasara Yderstedt (rechts) und Annika Keidel performen für Kleinkinder. Bild: Joshua Ademola Alabi

Im Projekt „Next Generation“ versuchen sich Nachwuchskräfte an Kunst für ein junges Publikum. Die Allianz aus Mousonturm, „Starke Stücke“ und der Kindertheaterszene macht es möglich.

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          Erst sind die Kleinen mehr an den tollen Rutschen, Wippen und Sandhäuschen interessiert. Dann aber gewinnt das Ungewohnte ihre Aufmerksamkeit: Zwei junge Frauen, über ihren schwarzen Trikots bunte Tüllröcke, huschen durch den Sand, machen leise Trippelgeräusche auf dem Stahl der Rutsche, malen Kreise in den Sand, hüpfen, ahmen die Kinder nach. Und immer wieder sind es die Kinder, ein, zwei, drei Jahre alt, die ihrerseits imitieren, was diese beiden seltsamen Großen ihnen vormachen: ein zarter Austausch, der dem Spielplatz einen neuen, kunstvollen Zauber verleiht.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Playground“ haben die beiden Tanzpädagoginnen und Choreographinnen Annasara Yderstedt aus dem norwegischen Stavanger und Annika Keidel aus Frankfurt ihre Tanzperformance für Kleinkinder genannt. Sie ist Teil des Fortbildungsprogramms „Next Generation Workspace“, das jetzt zeigt, was junge Theatermacher aus der Region und aus aller Welt innerhalb eines Jahres an Ideen für neue Formen der darstellenden Kunst für Kinder, Jugendliche, aber auch altersübergreifend entwickelt haben. Die 2016 begonnene Kooperation des regionalen Festivals für internationales junges Theater „Starke Stücke“ und des Frankfurter Mousonturms soll das klassische Kindertheater um ästhetische Möglichkeiten erweitern, es für den Theaternachwuchs interessant machen und den internationalen Austausch fördern. Nun geht die erste Staffel zu Ende.

          Lob für das Format und die Allianz

          Yderstedt und Keidel sind einander bei „Starke Stücke“ 2016 begegnet, als zwei der zwölf Teilnehmerinnen des Projekts. Nach ersten Ideen und Diskussionen schon während des Festivals, wo sie zahlreiche Stücke sahen und mit erfahreneren Kollegen diskutieren konnten, arbeiten sie, auch über die räumliche Distanz, zusammen. Im Sommer konnten Yderstedt und Keidel, Joshua Alabi aus Nigeria, Ines Wuttke, Mari-Liis Tigasson, Katharina Speckmann, Gesa Bering und Milena Wichert aus Frankfurt, Christina Rauchbauer aus Wien und Liljan Halfen aus Leipzig sowie Janna Athena Pinsker und Wicki Bernhardt aus Gießen am Frankfurter Mousonturm zwei Wochen probieren, vieles verwerfen, neu ansetzen, sich austauschen, unter anderem mit Philipp Karau als Mentor. Karau, der mit seiner Gruppe Skart seit einiger Zeit professionelle Performances mit Kindern erarbeitet, die vor einem Mehrgenerationenpublikum gespielt und oft sehr kontrovers diskutiert werden, lobt das Format und die Allianz aus Mousonturm, „Starke Stücke“ und der Kindertheaterszene jenseits aller Fragen nach Sparten und Formen. Das sei produktiv und biete die Möglichkeit, eine eigene Formsprache zu entwickeln.

          Im Lauf der nächsten Tage können Erwachsene und Kinder von etwa zwei Jahren an sieben „Tryouts“, Versuchsvorstellungen des erarbeiteten Materials, erleben, im Frankfurter Mousonturm, im E-Werk Bad Homburg und im öffentlichen Raum.

          „Das war ein Konzept, das wir alle erst lernen mussten“

          Die Bilanz des Jahres fällt bei den Nachwuchskünstlern rundum positiv aus: „Ich habe schon bei der ersten Phase, während des Festivals, und danach, zurück in Lagos, gemerkt, wie stark mich das, was ich gesehen und diskutiert hatte, bewegt hat“, sagt Joshua Alabi, der in Lagos mehrere Stücke inszeniert und auch schon mit anderen deutschen Theatermachern gearbeitet hat. In einem dicken Buch hat Alabi den gesamten Prozess des „Workspace“ dokumentiert. Irgendwann stand da: „Keine neuen Ideen!“ – jetzt arbeitet er nur mit denen, die sich im Sommer, während der Arbeitsphase am Mousonturm, verfestigt haben.

          Das geht beinahe allen so. Und doch hat Marcus Droß, Dramaturg am Mousonturm und Betreuer des „Next Generation Workspace“, sie immer wieder ermuntert, nicht an ein fertiges Stück zu denken, sondern an ihre Möglichkeit, frei zu forschen und zu verwerfen. „Auch die Präsentation ist Teil dieser Recherche“, so Droß. Eine Freiheit, die es im Berufsalltag des Theaters äußerst selten gibt: Alles ist normalerweise darauf angelegt, nach etwa sechs Wochen Proben ein fertiges Stück zu produzieren. Das Festival und der Mousonturm hingegen setzen darauf, dass ihr Projekt nachhaltige Wirkung zeigt. „Das war ein Konzept, das wir alle erst lernen mussten – dass es ein Ausprobieren bleibt, dass wir Zeit und Raum haben“, gibt Wicki Bernhardt zu. Dennoch gibt es bei den „Tryouts“ kurze Vorstellungen zu sehen, Performances, Installationen, Interaktionen im Freien. Bei Katharina Speckmann und Gesa Bering, die das Stück „Monster“ erarbeitet haben, etwa lernen Zuschauer von acht Jahren an auf eine subtile und lustige Weise das Fürchten – in einer Viertelstunde. Nun haben die Ersten vor, vollständige Produktionen aus dem Material zu erarbeiten. Der Erfolg hat sich herumgesprochen: Für dieses Jahr gab es gut 70 Bewerbungen für „Next Generation Workspace“ aus aller Welt, mit Beginn der „Starken Stücke“ an diesem Donnerstag fangen zwölf neue Teilnehmer ihren „Workspace“ an. Am Montag, dem 6. März, wenn die jetzige „Next Generation“ sich mit einem Präsentationsabend verabschiedet, werden sie die Staffel übernehmen.

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