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Masken im Winter : Augengläser

  • -Aktualisiert am

Beschlagene Gläser: Auch Jens Spahn (CDU) hat mit der Masken-Brillen Kombination zu kämpfen. Bild: dpa

Brillenträger haben es in diesem Winter nicht gerade leicht. Zwischen Maske, Mütze und Handschuh sind die beschlagenen Gläser schwer zu handhaben. Da helfen auch keine gut gemeinten Ratschläge von Brillenlosen.

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          Als Brillenträger hat man es dieser Tage wirklich nicht leicht. Ständig beschlägt das blöde Ding. All die klugen Ratschläge, den Mundschutz so weit über die Nase zu ziehen, dass die Gläser über dem Stoff sitzen, helfen da auch nicht weiter. Im Gegenteil, sie nerven nur zusätzlich, besonders wenn sie in wohlmeinendem Ton von Nichtbebrillten vorgetragen werden, während man selbst gerade mal wieder beim Ab- oder Aufsetzen der Maske die absurdesten Fingerkämpfe zwischen den sich am Gestell verhakenden Bändchen, der Mütze über den Ohren und den bei alldem überaus hinderlichen Handschuhen durchzustehen sind. Bitte, bitte, keine solchen Tipps mehr! Wir haben schon alles ausprobiert. Nichts hilft bei Kälte wirklich zuverlässig gegen das Atemkondenswasser auf den Augengläsern.

          Das hier zur sprachlichen Abwechslung gewählte altmodische Synonym lässt uns jetzt zu allem Überfluss auch noch an Goethe denken, der ja ein bekennender Hasser von Brillenträgern war. Im Vertrauen hat er sich zu dem Thema gegenüber seinem Adlatus Johann Peter Eckermann öfters regelrecht in Rage geredet, wie der mit einem Eintrag vom 5. April 1830 notiert: „Sowie ein Fremder mit der Brille auf der Nase zu mir hereintritt, kommt sogleich eine Verstimmung über mich, der ich nicht Herr werden kann.“ Denn es mache ihm, so Goethe weiter, den „Eindruck des Desobligeanten“, also des Abfälligen, und komme ihm so vor, als solle er „zum Gegenstand genauer Untersuchung werden“.

          Haha, sehr witzig. Der Dichterfürst hatte gut reden und wohl noch im Alter genügend Sehstärke, um ohne das lästige Ding auszukommen. Wir wünschen ihm postum ein solches auf die Nase und eine besonders hässliche und undichte Maske davor. Inwieweit auch Beethoven die Brillenträger veralbert hat, als er sein „Duo mit zwei obligaten Augengläsern“ für einen schwachsichtigen Bratscher und einen ebensolchen Cellisten schrieb, lassen wir jetzt mal dahingestellt und auch, ob wir uns das von ihm so betitelte Stück mit Musikern des hr-Sinfonieorchesters am Sonntag im Livestream schmollend anhören werden.

          Guido Holze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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