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Mousonturm digital : Premieren vor dem Bildschirmpublikum

Live-Premiere vor Online-Publikum: „Telling Stories“ von Fabrice Mazliah Bild: Jörg Baumann

An den Frankfurter Künstlerhaus Mousonturm docken 80 vom Bund geförderte Künstler an, Unterdessen plant das Haus ein digitales Live-Programm bis in den Frühling hinein.

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          Würden alle 80 Künstler Zeit und Raum physisch beanspruchen, wer weiß, wie der Frankfurter Mousonturm den Ansturm bewältigen könnte. „Diese Menge ist natürlich eine Überforderung und etwas anderes als die Residenzen, die wir normalerweise anbieten“, sagt Matthias Pees, Intendant des Künstlerhauses Mousonturm. Aber sie ist auch ein positives Moment für eine von Corona schwer getroffene Szene. Dank des Corona-Hilfsprogramms „Neustart Kultur“ der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, Monika Grütters (CDU), haben zahlreiche Freischaffende Fördermittel des Fonds Darstellende Künste bekommen.
          Unter dem Titel „#Take Care“ vergibt die zentrale Förderinstitution der freien Szene jeweils bis zu 5000 Euro aus dem großen Dachprogramm „Take That“ für Recherchezeit, Projekte oder den Versuch, neue Formate, auch digital, zu entwickeln. Bislang sind in mehreren Tranchen rund vier Millionen Euro an knapp 800 Künstler in Deutschland geflossen – und es kommen noch weitere nach. Freischaffende Künstler, die in Deutschland tätig sind, haben gute Chancen auf die Corona-Kreativhilfe, die ergebnisoffen vergeben wird.

          „Take Care“ bringt neue Künstler an den Mousonturm

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Mousonturm ist eines von insgesamt 30 größeren und kleineren Produktionshäusern, die in ganz Deutschland als Andockstation für die Künstler dienen. Physisch werden bis Ende August wohl ein Drittel der Geförderten anwesend sein, die anderen vernetzen sich mit uns auf virtuellen Wegen“, sagt Pees. Aus vielen der Begegnungen können später Projekte und Koproduktionen mit dem Mousonturm entstehen. „Dinge, die wir sonst gar nicht finanzieren könnten, wie Materialsammlungen, Konzeptionsphasen und Recherchezeit oder neue künstlerische Konstellationen können so der eigentlichen Produktion vorgelagert werden“, erklärt Pees. Die werde dann im Regelfall aus dem normalen Mousonturm-Etat produziert.
          80 Leute, mal einzeln, mal in Gruppen, die darstellende Kunst machen: Das Künstlerhaus an der Waldschmidtstraße würde monatelang überquellen. Die Realität sieht anders aus. An einem Ort wird geprobt, eine andere Gruppe arbeitet an Konzepten, wieder andere sammeln als Feldforschung Material. Manche stehen mit dem Künstlerhaus in losem Kontakt, andere proben direkt dort. Nur wenige arbeiten so eng verzahnt mit Dramaturgie und Produktion zusammen wie bei den üblichen Künstlerresidenzen, die das Haus vorhält.

          Viel Arbeit und ein Trumpf zugleich

          Dennoch hat der Mousonturm im Lockdown mit unabsehbarem Ende viel Arbeit und einen Trumpf zugleich: Er konnte sich aussuchen, mit welchen der „#Take Care“-Künstlern in den nächsten Monaten kooperiert wird. Die Listen auf der Internetseite des Fonds Darstellende Künste weisen viele in der Region ansässige Namen auf, Performerinnen, Kindertheatergruppen, Choreographinnen sind darunter. „Viele kommen aus Frankfurt, aber wir können auch die Chance nutzen, auch mit Künstlerinnen und Künstlern zu arbeiten, an denen wir schon Interesse hatten und die nun eine bezahlte Gelegenheit haben, uns kennenzulernen und Kontakte für künftige Projekte herzustellen“, so Pees.
          Wobei das nicht heißt, dass dann Hunderte von Performances fertig sind. Etliche aber schon, darunter werden auch viele bekannte Namen des Mousonturm-Repertoires wiederkehren. Denn auch hiesige Künstler wie das Choreographenduo Billinger & Schulz, andpartnersincrime oder viele andere, die dem Mousonturm seit Jahren verbunden sind, müssen das Beste aus den Streichungen und Verschiebungen der Pandemie machen und versuchen, umzudisponieren. Die Stadt als Fördergeberin sei „sehr flexibel damit umgegangen“, sagt Pees, nun gäben etwa Residenzen oder Recherchephasen eine „tolle Möglichkeit zu improvisieren“.
          Für den Mousonturm, der seit September ein an die Pandemie-Lage angepasstes Lehm-Innengebäude hat, laut Pees das „schönste Coronatheater der Stadt“, ist die Lage zwar nicht weniger misslich als für andere: „Aber wenn wieder gespielt werden kann, sind wir sofort dabei.“ Wobei das auch jetzt schon geschieht – denn ganz verwaist ist die 360-Grad-Spielfläche nicht.

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