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Kulturfestival : Politische Wegbereiter: Der „afrikanische Che“ bei „Africa Alive!“

  • -Aktualisiert am

Burkina Fasos Thomas Sankara, vor gut 20 Jahren getötet, steht im Mittelpunkt von „Africa Alive!” Bild: AFP

„Ohne Redefreiheit gibt es kein Kino“, sagte Informationsminister Thomas Sankara 1981 in Burkina Faso. Bei „Africa Alive!“ im Filmmuseum sind Sankara und die intellektuellen Führer der progressiven Bewegung in Afrikas Politik das Schwerpunktthema.

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          „Ohne Redefreiheit gibt es kein Kino“, sagte Informationsminister Thomas Sankara 1981 in Burkina Faso. Zwei Jahre später wurde er zum Präsidenten gewählt, vier Jahre danach lebte Sankara, der „afrikanische Ché“, nicht mehr. Er wurde ermordet. Beim diesjährigen Kulturfestival „Africa Alive!“, das diesen Freitagabend im Deutschen Filmmuseum eröffnet wird, sind Thomas Sankara und die intellektuellen Führer der progressiven Bewegung in Afrikas Politik das Schwerpunktthema. Schon am Samstag um 18 Uhr steht der Dokumentarfilm „Thomas Sankara. L’homme intègre“ auf dem Programm. „Insgesamt aber werden wir 2008 eine besonders große Bandbreite verschiedener Genres und Themen zeigen“, sagte Natascha Gikas vom Deutschen Filmmuseum. Das Organisationsteam um Gikas und Klaus-Peter Roth vom Filmforum Höchst lädt zu insgesamt 52 Veranstaltungen ein. „Africa Alive!“ ist eine Initiative von einem guten Dutzend ehrenamtlichen Mitarbeitern.

          So spiegelt „Africa Alive!“ gewissermaßen die Forderung Sankaras wider: Bis 31. Januar werden Liebhaber des afrikanischen Kinos auf ihre Kosten kommen, ebenso aber wird diskutiert. Neben dem umfangreichen Filmprogramm werden zwei Lesungen, eine politische Podiumsdiskussion und das Theaterstück „Ein verrückter Schwarzer im Land der Weißen“ – eine One-Man-Show in französischer Sprache – geboten. Begleitend zum Festival werden die Gäste aus Kultur und Politik Schulen und Universitäten besuchen. Bei der Filmauswahl orientierte sich das Team wie stets an den beiden größten Filmfestivals Afrikas in Ouagadougou und Tunis.

          Festival vielfältig gefördert

          „Die Visionen von politischen Wegbereitern wie Sankara, aber auch von Patrice Lumumba oder Mehdi Ben Barka sind heute noch gültig“, sagt Aboubakary Togba vom Organisationsteam. Sie versuchten, ein anderes Bild von Afrika in der Welt zu vermitteln, gründeten progressive Parteien und forderten eine wirtschaftliche Basis, die die Bedürfnisse der Bevölkerung berücksichtigte. „Africa Alive!“ wolle, auch wenn das Festival mit seinem Schwerpunkt Vorgänge in der Vergangenheit abbilde, gerade die hoffnungsvolle Seite dieser Ideen zeigen, hieß es. Man wolle bewusst „politisch und geschichtsträchtig“ sein. So rekapituliert der Politthriller „J’ai vu tuer Ben Barka“ (Ich habe gesehen, wie Ben Barka getötet wurde), der am Samstag um 22.30 Uhr läuft, die bis heute ungeklärten Umstände der Ermordung Ben Barkas, eines marokkanischen Oppositionellen.

          Auch diesmal gibt es wieder ein Kinderfest, am 3. Februar werden Musiker, Theaterspieler, Märchenerzähler und Clowns auftreten, außerdem wird ein Trommelworkshop angeboten. Einer der Höhepunkte wird das Konzert der südafrikanischen Sängerin Simphiwe Dana am 8. Februar sein, die traditionelle afrikanische Musik unter anderem mit Jazz, Soul und Hiphop-Elementen verwebt. „Africa Alive!“ wird unter anderem vom Auswärtigen Amt, der Hessischen Filmförderung, der Stadt Frankfurt und dem Diakonischen Werk gefördert.

          Videoinstallation zu Sankara

          In Anwesenheit des „modernen Nomaden“, Dramaturgen und Poeten Koulsy Lamko, der in Mexiko im Exil lebt, wird das Filmfestival heute um 19 Uhr im Filmmuseum eröffnet – unter anderem mit einer Videoinstallation, die Dokumentaraufnahmen über Thomas Sankara mit Zitaten aus seinen Reden kombiniert.

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