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Performance-Wettbewerb „unart“ : Mein Colorado, dein Colorado

Finalisten: Ali Ekizce, Marius Hachmann und Esther Schneider Bild: Walter Vorjohann

Diese Telefonnummer sollte man sich vielleicht schon einmal merken. Nur für den Fall, dass es mal nicht so läuft, uns gerade keiner leiden kann, der beste Freund gerade mit der Liebe unseres Lebens, na, Sie wissen schon.

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          Diese Telefonnummer sollte man sich vielleicht schon einmal merken. Nur für den Fall, dass es mal nicht so läuft, uns gerade keiner leiden kann, der beste Freund gerade mit der Liebe unseres Lebens, na, Sie wissen schon. „Werden Sie glücklich! Nie wieder Freunde! Melden Sie sich an!“, verspricht der Moderator von F.I.E.S., und so ruft man in der Pause eben mal schnell an. Doch während man noch zögert und ein wenig grübelt, ob die sechs Performer vom Jugendhaus Goldstein-Schwanheim mit ihrer Persiflage eine Chance auf das Finale haben, sind schon die 13 Mädels der Cheerleader AG von der Gesamtschule Gedern dran. Mit einer Parallelführung von Medea und, man höre und staune, Skandalnudel Britney Spears.

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Schlag auf Schlag ging es an diesem langen kurzweiligen Abend im Schauspiel Frankfurt, wo zehn jugendliche Performancegruppen das Frankfurter Finale des von der BHF-Bank-Stiftung ins Leben gerufenen „unart“-Festivals unter sich ausmachten. Eine Jury hatte aus mehr als 90 eingereichten Konzepten je zehn Finalisten für die teilnehmenden Städte Frankfurt, Berlin und Hamburg ausgewählt, ihnen einen professionellen Coach zur Seite gestellt und sie dann ganz einfach machen lassen. Die jeweils drei als die besten jurierten Gruppen gehen im Februar gemeinsam auf Tournee, um ihre Performances im Maxim Gorki Theater in Berlin, im Frankfurter Schauspiel und im Thalia Theater in Hamburg vorzustellen. Dabei standen die Sieger, recht betrachtet, schon am frühen Abend fest.

          Schauspiel, Tanz, Musik und Video

          Denn Begeisterung und Engagement, wie sie noch jede der - teils ein wenig bemüht, teils jedoch erstaunlich souverän - unterschiedliche Elemente aus Schauspiel, Tanz, Musik und Video verknüpfenden Darbietungen spürbar werden ließ, lassen schon jetzt auf eine Fortsetzung dieser Initiative in zwei Jahren hoffen. Dass man einigen Teams ihre Unerfahrenheit oder das verständliche Lampenfieber anzumerken glaubte, dass andere wie die Performerinnen von „Zittern“ schon ganz avantgardistisch in ihrem Stück die Theatersituation selbst zu reflektieren trachteten, spielte für die Intensität der auf jeweils 15 Minuten zugeschnittenen Performances indes kaum eine Rolle.

          Der immer wieder erfrischende und äußerst unbefangene Umgang mit den Träumen und Ängsten, dem eigenen Alltag und Erleben der zwischen zwölf und neunzehn Jahre alten Jugendlichen abgeschauten Themen lässt sich womöglich ohnehin nicht lernen. Gerade die Jüngsten, die durch die Bank erst zwölf Jahre alten Steppkes der Reichelsheimer Georg-August-Zinn-Schule, zeigten mit Pantomime, Stepptanz, Gesang und munterem Farbenspiel und einem Charmebolzen wie dem kleinen Jascha, was Begeisterung und Authentizität auf der Bühne ausmachen können. Und das steckt an, bis ins begeisterte Publikum. Dass es dann gegen Ende beinahe noch so etwas wie eine kleine Entdeckung zu machen gab, war nur das Sahnehäubchen auf einem großartigen, eine wunderbare Idee krönenden Wettbewerb.

          Erstaunlich reifer Eindruck

          Doch wie Ali Ekizce, Marius Hachmann und Esther Schneider auf offener, aufgelassener, mal hell ausgeleuchteter, dann wieder nur von einer Taschenlampe spärlich illuminierter Bühne mit „Mein Colorado, dein Colorado“ tänzerisch Einsamkeit, Kommunikation und Miteinander in weitgehend abstrakte Bilder gossen, das machte schon einen erstaunlich reifen und reflektierten Eindruck. Dass die drei jungen Darmstädter Künstler gemeinsam mit „Do I really care?“ der Friedrichsdorfer Philipp-Reis-Schule als Gewinner des Abends nun mit ihren Kollegen aus Berlin und Hamburg auf große „unart“-Tournee gehen, war insofern keine Überraschung. Und F.I.E.S. mit ihrer satirischen „Werde glücklich“-Performance sind natürlich auch dabei. Vielleicht geht ja aus diesem Grund bei „Nie wieder Freunde“ einfach nie jemand ran.

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