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Paul Heaton in der Batschkapp : Ein königlicher Spaß

Königliches Paar: Paul Heaton (links) und Jacqui Abbott in der Frankfurter Batschkapp. Bild: Carlos Bafile

Er bezeichnet sich augenzwinkernd als den letzten König des Pop und hat damit recht: In der Frankfurter Batschkapp begeistern Paul Heaton und Jacqui Abbott mit Housemartins- und Beautiful-South-Hits.

          Für einen König gibt sich Paul Heaton ungemein volksnah: Er plaudert über Fußball, Reisen mit der Deutschen Bahn, kurze Hosen und die Würde, die deren Träger möglicherweise drangeben. Und das Volk? Das freut sich über die Maßen, jubelt und singt, denn Heaton ist ja kein tatsächlicher Monarch, sondern „The Last King of Pop“. Und in dieser Eigenschaft ist der Engländer in die sehr gut besuchte Batschkapp in Frankfurt gekommen, die sich in gewisser Weise geadelt fühlen darf, ist Heaton doch auf deutschen Bühnen ein sehr, sehr seltener Gast geworden; so selten, dass sein Name vermutlich vielen gar nichts mehr sagen wird, selbst wenn ihnen Heatons Gesangsstimme wahrscheinlich sofort vertraut sein dürfte.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Denn der mittlerweile 57 Jahre alte Musiker, der sich augenzwinkernd den letzten König des Pop nennt, war einmal ein großer Popstar, in den achtziger Jahren als Sänger der Housemartins und Hits wie „Me And The Farmer“ oder „Caravan Of Love“ und später in den neunziger Jahren als Frontmann von The Beautiful South, mit denen ihm Erfolge wie „A Little Time“ oder „Perfect 10“ gelangen, die bis heute zum musikalischen Inventar jedes anständigen britischen Pubs gehören.

          Auf einigen Alben von The Beautiful South teilte sich Heaton den Gesang mit der Engländerin Jacqui Abbott, mit der er später auch drei Alben als Duo aufnahm und die ihn nun auch auf seiner kleinen Europatour begleitet, sehr zur Begeisterung der Fans übrigens, sind doch damit auch Perlen wie „Rotterdam“, „Don’t Marry Her“ oder „Manchester“ auf den Setlists zu erwarten, die der Auswahl der jüngsten Kompilation „The Last King Of Pop“ folgend, Songs aus allen Schaffensphasen Heatons bieten.

          Makelloser Gesang

          Diese Phasen haben zumindest die vielen britischen Konzertbesucher in der Batschkapp derart internalisiert, dass Heaton und Abbott sich vom ersten Song des Abends, „Old Red Eyes Is Back“, an nicht nur ihrer siebenköpfigen Band, sondern auch eines stimmgewaltigen Chores im Publikum versichert sein können, der nahezu jedes Lied textsicher mitzusingen versteht.

          Unterstützung aller Besucher erfährt er bei Housemartins-Klassikern wie „Me And The Farmer“, „Happy Hour“ oder dem wunderbaren, mehrstimmig gestalteten „Build“, mit dem Heaton eindrucksvoll vorführt, dass er sich seinen markanten Gesang auch in hohen Lagen bewahren konnte, was angesichts seiner langjährigen Trunksucht nicht selbstverständlich ist. Kann Heaton sich auch nicht mehr immer auf sein Erinnerungsvermögen verlassen, weshalb er sich auf einem Teleprompter die Liedtexte anzeigen lässt, ist sein Gesang makellos und fügt sich auch im Verbund mit Abbotts Stimme zu prächtigen Harmonien.

          Diese Harmonien vermögen sentimentale Gedanken über die dahinrasende Zeit wecken, doch mit dem Nostalgiezug sind Heaton und Abbott während des gut hundert Minuten dauernden Konzerts nicht unterwegs. Viele Songs sind rauer und nicht zuletzt der dreiköpfigen Bläsersektion wegen auch etwas flotter als die Originale arrangiert und manchmal sogar in Motown-Nähe gerückt. Königlicher Pop eben, mit viel Erdverbundenheit dargeboten.

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