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Party an der Alten Oper : Eine echte Kultur für alle

Der Platz vor der Alten Oper in Frankfurt ist für viele Menschen derzeit eine Art Club-Ersatz. Bild: dpa

Drinnen Funkstille, draußen Feierlaune: Auf dem Platz vor der Frankfurter Alten Oper feiern Hunderte Abend für Abend mit Bier und Bluetooth-Boxen. Vielleicht sollte da einfach mal die Kunst Raum greifen, vor ihrer eigenen Haustür?

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          Früher waren das nur ein paar versprengte Grüppchen. Aber Corona ist Verstärker für alles, auch für die Partyzonen, die schon lange vor den Kulturhäusern der Region entstanden sind: Die punkigen Grüppchen vor dem Staatstheater Mainz, die seit Jahren schon dort picheln, die Wiesbadener Mädels, die mit Handtäschchen und rosa Wodkamixgetränken die Treppen des Staatstheaters belagern, um trunkene Selfies zu schießen, haben, seit es Corona gibt, viele, viele Nachahmer gefunden.

          In der Frankfurter Alten Oper ist derzeit kein Ton zu hören – aber den schönsten Platz der Stadt davor machen Hunderte Partypeople Abend für Abend zum Ballermann und schleppen handkarrenweise Bier, Mixgetränke und Bluetooth-Boxen an. Kulturverschiebung live: Drinnen Funkstille, draußen Feierlaune. Erst recht, weil das „Wegbier“, seit 2014 zum „Fußpils“ geadelt, inzwischen zum Kulturgut hochgejazzt worden ist, das zur Egalisierung der Menschheit beitragen soll.

          Noch vor zehn Jahren galt das Mitführen einer Bierflasche oder das Trinken von alkoholischen Getränken direkt aus Flaschen und Dosen im öffentlichen Raum als Ausweis von prekären Lebensverhältnissen. Wer das „Wegbier“ immer noch peinlich findet, dürfte mit massenweise Stehbieren, wie sie derzeit hip sind, auch nichts anfangen können – mit den öffentlichen Plätzen vor den Kulturhäusern aber wohl.

          Vielleicht sollte da einfach mal die Kunst Raum greifen, vor ihrer eigenen Haustür, statt coronaverschreckt abzutauchen? Streichquartett statt ufftata mit Dosenbier? Performance statt Pils? Chorographie statt Caipirinha? Das wäre toll. Bitte mal versuchen. Dann wird vielleicht aus dem Massensaufen mit Müllbergen eine echte Kultur für alle.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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