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Ovid-Preisträger Wolf Biermann : Ein Kuss in die Seele der Eingekerkerten

  • -Aktualisiert am

Reicht einen Preis weiter: Wolf Biermann Bild: dpa

Wolf Biermann reicht seinen Ovid-Preis an Maria Kolesnikowa, die zu Haft verurteilte belarussische Oppositionelle weiter. Verstanden wissen will er die Geste als „Kuss in die Seele“. Der Kuss kommt an.

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          Er bekommt den Preis und gibt ihn weiter. An Maria Kolesnikowa, die belarussische Oppositionelle, die Anfang September zu elf Jahren Straflager verurteilt wurde. „Eingekerkert. In Europa.“ So formuliert Wolf Biermann es in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt, wo er mit dem Ovid-Preis des PEN-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland ausgezeichnet worden ist. Kolesnikowas Anwältin Ljudmila Kasak möge die Ehrung als aufmunternden Kassiber in die Zelle der Regimegegnerin tragen, die, wie Kasak berichtet, keine Post empfangen darf und auch von ihrer Familie nur selten Nachricht erhält. Zum Glück dürfe sie ihre Anwälte sehen: „Mascha sagt, dass sie ihre innere Freiheit im Gefängnis ganz besonders spüre.“ Die Flötistin singe und bitte um Noten: „Sie lebt von der Kultur.“ Die Unterstützung Biermanns habe für sie daher besonderen Wert.

          Ein „Kuss in die Seele“ solle der Preisgruß aus der Ferne sein, sagt Biermann, der für Guy Stern, Präsident des PEN-Zentrums und aus Detroit zugeschaltet, die „Notwendigkeit der politischen Kritik“ zeitlebens vorbildlich gezeigt hat. Zusammengekommen ist man zwischen den Vereinigten Staaten und Osteuropa auf den Tag genau 100 Jahre nach der Gründung des PEN-Clubs in London. 40 Schriftsteller hatten sich am 5. Oktober 1921 zum Dinner im Restaurant „Florence“ versammelt, woran Regula Venske, Präsidentin des in Darmstadt ansässigen PEN-Zentrums Deutschland, erinnert.

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