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Oper Frankfurt : Fast wie auf dem Oktoberfest

  • -Aktualisiert am

Loriot im Hinterkopf: Katharina Thoma (links) und Sebastian Weigle haben die Oper „Martha“ neu inszeniert. Bild: Helmut Fricke

„Epochenmix“: Katharina Thoma und Sebastian Weigle über die Frankfurter Neuinszenierung der Oper „Martha“ von Friedrich von Flotow.

          Als Fan von Loriot habe er immer dessen „Martha“-Inszenierung im Kopf gehabt, sagt Generalmusikdirektor Sebastian Weigle. Wie der Großmeister des deutschen Humors Friedrich von Flotows komisch-romantische Oper 1986 in Stuttgart in Szene gesetzt hatte, ist schließlich auch auf einer DVD dokumentiert. Messerscharf, aber sehr sparsam sei da alles choreographiert, sagt Weigle. Bewusst regungslos stehe etwa der Chor im Pulk da. Dazu werde bald deutlich, dass die Figuren wie in einem Puppenspiel als Marionetten herumgerückt werden, ergänzt Katharina Thoma. So greife mehrfach eine überdimensionierte Hand von oben herab ein, ruft die Regisseurin in Erinnerung.

          Guido Holze

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          In ihrer eigenen Inszenierung, die heute in der Oper Frankfurt Premiere hat, sollen stattdessen die Figuren als Menschen ernst genommen werden. Amüsant dürfte es trotzdem oft zugehen, wie im Gespräch mit Thoma und Weigle schnell deutlich wird. So nähmen schon die beiden Protagonistinnen, Lady Harriet alias Martha und ihre Vertraute Nancy alias Julia, ihr eigenes Treiben zunächst nicht ernst, erläutert Thoma. Aus Spaß und weil sich die Lady in ihrem goldenen Käfig langweile, begäben sie sich als Mägde verkleidet auf den Markt von Richmond: „Sie wollen ihren Marktwert testen.“ Tatsächlich werben die Pächter Lyonel und Plumkett die beiden als Arbeitskräfte an, und am Ende finden zwei Paare zusammen.

          Massenszenen und Detailaufgaben

          Das Ganze habe für die beiden Frauen etwas Karnevalistisches. Die Marktszenen hätten sie sogar an die moderne Event-Kultur nach Art des Oktoberfests erinnert, sagt die Regisseurin. So wird auch Thomas Inszenierung teils eine Festzelt-Atmosphäre heraufbeschwören. Näheres über das Bühnenbild von Etienne Pluss verrät sie allerdings noch nicht. Es werde aber einen „Epochenmix“ geben. „Wir haben versucht, das Historische und zugleich die Aktualität einzufangen.“ Das gelinge etwa über die Kostüme. Bei den Massenszenen mit dem Chor hat Thoma mit dem Choreographen Michael Schmieder zusammengearbeitet. Dabei hätten sie „keine große Tanz-Revue“ in Szene gesetzt, sondern „viele kleine Detailaufgaben“ zu lösen gehabt.

          Wie aber haben der Librettist Friedrich Wilhelm Riese und Friedrich von Flotow die Hauptfiguren in all dem Treiben charakterisiert? Die „musikalische Krone“ trage ganz klar Martha, sagt Weigle. Ihr kämen viele Koloraturen im Belcanto-Stil nach Art Bellinis zu. Ihre wiederum sehr volksliedhaft schlichte Melodie „Die letzte Rose“ komme wirklich aus dem Herzen. „Sie hat die Sorge, ihr eigenes Leben zu verpassen“, interpretiert Thoma. Gesungen wird die Partie in Frankfurt von der renommierten schwedischen Sopranistin Maria Bengtsson.

          „Sehnsuchtsvoll und unglaublich lyrisch“

          Nancy sei „eine sehr resolute, dynamische Frau“. Die Partie liege sehr tief. „Katharina Magiera badet sich natürlich darin“, sagt Weigle über die Altistin vom Ensemble, deren Stimme weit hinabreicht. Nancy kämen „burschikose Lieder“ zu. Zugleich sei sie sehr empathisch und humorvoll, befindet Thoma. Mit Plumkett bildet sie das „niedere Paar“ der Spieloper. Ihre Liebe werde den beiden aber erst ganz zum Schluss bewusst.

          Lyonel sei „der große Romantiker“ des Stücks, etwas „weltfremd und lebensuntauglich“, wie Thoma meint. Seine Melodien seien „permanent sehnsuchtsvoll und unglaublich lyrisch“, sagt Weigle. Lyonel fange im Volkston an und steigere sich zu großen romantischen Aufschwüngen. So haben sich die größten Tenöre der Partie gewidmet. Die Arie „Ach so fromm“ ist in der italienischen Version als „M’appari“ durch Enrico Caruso weltbekannt geworden. In Frankfurt ist das neue amerikanische Ensemblemitglied AJ Glueckert als Lyonel zu erleben.

          Die Premiere heute in der Oper Frankfurt beginnt um 18 Uhr. Weitere Vorstellungen gibt es am 22., 26. und 30. Oktober sowie am 5., 12., 18. und 25. November.

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