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„Il trittico“ an der Oper Frankfurt : „Ein Todesarten-Zyklus“

Bringt Puccini in Frankfurt auf die Bühne: Claus Guth Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

In den drei Operneinaktern, die Puccini unter dem Namen „Il trittico“ zusammenfaßte, geht es immer um den Tod. Regisseur Claus Guth erläuterte seine Inszenierung, die am Sonntag Premiere hat.

          Die drei Operneinakter, die Giacomo Puccini unter dem Titel „Il trittico“ zusammengefasst hat, sollen nach Ansicht von Claus Guth Anschluss an einen „verborgenen Verbindungskanal“ besitzen. So stellte der Regisseur, der „Das Tryptichon“ an der Oper Frankfurt für die Premiere am Sonntag inszeniert, bei der Einführungsveranstaltung „Oper extra“ heraus, dass es in den oft separat und in Kombination mit anderen Stücken gespielten Kurzopern durchweg um das Thema Tod gehe: In „Il tabarro“ erwürgt der Seine-Schiffer Michele den Liebhaber seiner jungen Frau, in „Suor Angelica“ bringt sich die Titelheldin um, die als Ordensschwester vom Tod ihres unehelich geborenen Sohns erfährt, und in „Gianni Schicchi“ versammelt sich die Verwandtschaft gleich zu Beginn um einen Leichnam in der Hoffnung auf eine große Erbschaft.

          Guido Holze

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Claus Guth, der aus Frankfurt stammt und hier an der Oper zuletzt im Jahr 2005 Verdis „Maskenball“ in Szene setzte, sprach daher von einem „Todesarten-Zyklus“. Oft werde in den drei Stücken zudem über Verstorbene gesprochen. Und diese „unsichtbaren Linien zu den Toten“ hätten ihn besonders interessiert. Die Toten sollen in seiner Inszenierung so präsent sein wie die Lebenden. Den „Schlüssel“ zu der Produktion liefere das Bild der Fähre, verriet der Bühnenbildner Christian Schmidt.

          „Homogenität“ der Stücke

          Dabei handelt es sich um eine Metapher der griechischen Mythologie: Der Fährmann Charon geleitet die Toten über den Fluss Styx in die Unterwelt. Und der Einsatz der großen Drehbühne soll zudem die „Homogenität“ der Stücke verdeutlichen. Möglich würden so „filmische Schnitte und Wirkungen“. Das „historisch Bilderbogenhafte“ der Handlungen, die um 1900, um 1700 und um 1300 anzusiedeln sind, sei dabei vom Produktionsteam negiert worden. Es werde ein „Personal aus der Jetzt-Zeit“ gezeigt, jedoch in unterschiedlichen Milieus. Verbindend wirken soll auch, dass alle Hauptpersonen in ihrer „eingemauerten Welt“ lebten: wie im Gefängnis auf dem Fischerboot, im Kloster oder gefangen im „Geiz und Habenwollen“, so Guth.

          Chefdramaturg Norbert Abels wies darauf hin, dass „Il trittico“ während des Ersten Weltkriegs entstand, als der Tod allgegenwärtig war. Millionen Tote gab es nicht nur auf den Schlachtfeldern, sondern auch infolge einer weltweiten Grippeepidemie, und Puccini selbst war zu dieser Zeit vermutlich schon an Krebs erkrankt. Bald nach der New Yorker Uraufführung 1918 habe es jedoch – zum Leidwesen des Komponiosten – Bestrebungen gegeben, „Il trittico“ auseinanderzureißen. Ein Erfolg war nur die Komödie „Gianni Schicchi“, während „Der Mantel“ und „Schwester Angelica“ kühl aufgenommen wurden.

          Ein „Meisterwerk der Orchestration“

          Der italienische Gastdirigent Nicola Luisotti beschrieb die Einakter als musikalisch unterschiedlich. „Il tabbaro“ bilde in dunklem Ton oft die ruhige Bewegung des Flusses, der Seine, nach. In „Suor Angelica“ herrsche eine ungeduldige Atmosphäre, da jede der Nonnen im Kloster auf Besuch warte, jedoch wende sich die Musik, als Angelica ihren Selbstmord beschließe. „Gianni Schicchi“ sei ein „Meisterwerk der Orchestration“. Begleitet von Francesca Zamponi am Klavier, gaben Elza van den Heever als Giorgetta, Julia Juon, die als Fürstin und Zita zu erleben sein wird, und Massimiliano Pisapia als Rinuccio Kostproben aus ihren Partien.

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