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Oper Frankfurt : Das verlorene Paradies

Melancholie und Einsamkeit: Constantinos Carydis (links) und Barrie Kosky. Bild: Wolfgang Eilmes

An der Oper Frankfurt sind von Sonntag an die beiden Einakter „Dido and Aeneas“ und „Herzog Blaubarts Burg“ zu sehen. Sie behalten ihre Eigenständigkeit, Verbindungen knüpft der Zuschauer.

          Dass es in beiden Werken um die Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau geht, dass Liebe und Tod dabei nahe beieinander stehen und hier wie Abschied, Melancholie und Einsamkeit mitschwingen, ist für Constantinos Carydis und Barrie Kosky Grund genug, die Kurzopern „Dido and Aeneas“ von Purcell und „Herzog Blaubarts Burg“ von Bartók zu einer Doppelproduktion zu vereinen. Die ungewöhnliche, von dem griechischen Gastdirigenten angeregte Kombination, die am Sonntag in der Oper Frankfurt erstmals zu sehen ist, liefere den Besuchern genügend Ansatzpunkte, um selber Zusammenhänge und Verbindungen zwischen den beiden Werken herzustellen, erläutern Kosky und Carydis.

          Guido Holze

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das auf Vergils „Aeneis“ basierende Stück von Purcell benötige viel Intimität, sagt Kosky, der von der übernächsten Spielzeit an die Intendanz der Komischen Oper Berlin übernimmt. Im Grunde handele es sich um eine „One-Woman-Show mit Gästen“, um ein einziges Lamento der karthagischen Königin Dido, die vom trojanischen Helden Aeneas verlassen wird und an gebrochenem Herzen stirbt. Dass die auf historischen Instrumenten spielenden 20 Musiker im erhöhten Orchestergraben zu sehen sein werden, habe praktische Gründe. Aus seiner Erfahrung mit Produktionen barocker Werke wisse er, dass die musikalische Abstimmung auf diese Art besser funktioniere.

          In gewohnter Weise als „sado-masochistischer Tyrann“

          Beim Bartók hingegen wird ein Riesenorchester mit 93 Musikern zu hören sein. Carydis ist sich trotzdem sicher, dass Purcells Musik nicht erdrückt wird. Dafür seien die Stile der beiden Komponisten zu unterschiedlich. Eher stelle sich eine solche Wirkung bei der Verbindung zweier moderner Stücke ein, etwa in der üblichen Kombination von „Blaubart“ und Schönbergs Monodram „Erwartung“.

          Die Titelfigur in Bartóks Einakter will Kosky keinesfalls in gewohnter Weise als „sado-masochistischer Tyrann“ dargestellt wissen. „Blaubart und Judith lieben einander, sie kommt freiwillig zu ihm“, konstatiert der Regisseur. Auch die Türen zu den Zimmern der Burg, hinter denen sich Blaubarts Geheimnisse verbergen, sollen nicht gezeigt werden. Für Kosky ist die Burg eine Metapher für Blaubarts Körper. Judith klopfe nicht an die Türen, sondern an die Brust des Herzogs. An seinem Körper zeige sich dann, was sonst hinter den Türen zu sehen ist: Blut, Gold und Pflanzen. Gespielt wird das Ganze im völlig kahlen Raum auf der weißen Drehbühne. Sie könne als Weltenscheibe gesehen werden, die Leere als Sinnbild für das verlorene Paradies.

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