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Kunst für Tiere : „Hinterfragung der Trennung von Mensch und Tier “

So geht Kunst für Tiere: Die Künstler Krõõt Juurak und Alex Bailey performen für Orpheus, 2020 Bild: Juurak/Bailey/Opelvillen Rüsselsheim

Beate Kemfert zeigt in den Rüsselheimer Opelvillen „Kunst für Tiere“ und möchte damit die menschlichen Betrachter auf einen Wandel hinweisen. Unser Blick auf Tiere hat sich geändert, sagt sie.

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          Frau Kemfert, in den Opelvillen zeigen Sie die Ausstellung „Kunst für Tiere“, in der die komplizierte Beziehung zwischen Tieren und Menschen beleuchtet wird. Wie sind Sie auf die Idee für diese Schau gekommen?

          Katharina Deschka
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zunächst hatte ich die Idee, eine Kooperation mit dem Deutschen Ledermuseum in Offenbach und dem Nassauischen Kunstverein Wiesbaden auf die Beine zu stellen. „Tier“ als Thema begeisterte die von mir angesprochenen Partnerinnen und wurde zur verbindenden Klammer unserer unterschiedlichen Institutionen entlang der RMV-S-Bahnlinie 8. Gemeinsam und aus anderen Blickwinkeln begannen wir, über die Koexistenz von Mensch und Tier nachzudenken. Der Kunstverein entwickelte die Schau „Alles im Wunderland“, und das Ledermuseum kreierte die Ausstellung „tierisch schön?“, die noch bis zum 16. Januar zu sehen ist.

          Warum möchten Sie Tiere und unser Verhältnis zu ihnen in der Kunst betrachten, und was macht Ihrer Meinung nach die Relevanz des Themas aus?

          Wir befinden uns in einer Zeit des Wandels. Diskussionen über eine weniger anthropozentrisch ausgerichtete Welt führen dazu, dass auch in der bildenden Kunst neue Wege zum Tier gesucht werden. Tiere werden von zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern als ästhetische Wesen begriffen, ernst genommen und neu gedacht. Ein wichtiger Teil unseres Lebens sind nach wie vor Tiere. Die Hinterfragung der absoluten Trennung von Mensch und Tier könnte neue Perspektiven unseres Zusammenlebens aufzeigen.

          „Diskussionen über eine weniger anthropozentrisch ausgerichtete Welt führen dazu, dass auch in der bildenden Kunst neue Wege zum Tier gesucht werden“: Beate Kemfert untersucht das Verhältnis von Menschen und Tieren in der Moderne.
          „Diskussionen über eine weniger anthropozentrisch ausgerichtete Welt führen dazu, dass auch in der bildenden Kunst neue Wege zum Tier gesucht werden“: Beate Kemfert untersucht das Verhältnis von Menschen und Tieren in der Moderne. : Bild: Opelvillen

          Was genau meinen Sie mit dem Titel „Kunst für Tiere“?

          Der vollständige Titel lautet „Kunst für Tiere. Ein Perspektivwechsel für Menschen“. Unseren Blick verschieben möchte beispielsweise das Künstlerduo Krõõt Juurak und Alex Bailey, die sich in ihren „Performances for Pets“ an ein tierisches (nicht menschliches) Publikum wenden. Das Paar hatte ich im Vorfeld der Ausstellung eingeladen, in den Opelvillen für Hunde zu performen. Ihre Performances für Katzen sind in Haushalten in der Region entstanden. Die verschiedenen Darbietungen wurden gefilmt und sind jetzt als Videos in der Ausstellung zu sehen. Dass ein Perspektivwechsel nur gelingen kann, wenn die Einsicht in die eigene verengte Sichtweise erfolgt, demonstrierten bereits feministische Künstlerinnen wie Valie Export Ende der 1960er-Jahre, die ebenso wie Rosemarie Trockel Teil der Schau ist. Trockels Botschaft lautet „Jedes Tier ist eine Künstlerin“.

          Es gab ja durchaus schon Konzerte für Hunde, Ausstellungen für Tiere – mit Tieren als Rezipienten von Kunst. So darf man Ihre Schau nicht verstehen?

          Genau, die Ausstellung richtet sich an den Menschen und offeriert uns feinfühlige Kunstwerke, die zeigen, welche Rolle Tiere – Zebrafinken bei Björn Braun oder Ameisen bei Maximilian Prüfer – in künstlerischen Prozessen spielen oder wie diese selbst aktiv werden können. Beim Ausstellungsrundgang kann auf jeden Fall geschmunzelt werden.

          In die Ausstellung dürfen trotzdem auch Hunde zu bestimmten Terminen. Können Tiere Kunst verstehen?

          Die gezeigten Künstlerinnen und Künstler verbindet mit uns sicherlich ihre Tierliebe. Das war auch der Grund, ein Format zu entwickeln, das Hundebesitzern ermöglicht, ihren Vierbeiner einfach mitzubringen. Teilweise sind die Hunde überrascht, Artgenossen in Videoprojektionen zu sehen, und der Sound einer miauenden Katze ist ebenso stimulierend. Kunst für Hunde wird aber nicht geboten, dafür müssten wir wieder Juurak und Bailey zu uns einladen, die gerne erneut für ein tierisches Publikum performen würden.

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