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Nostalgie in Corona-Zeiten : Sehnsucht nach VHS-Kassetten

Sehnsucht: Erlebt die VHS-Kassette in Zeiten von Corona eine Renaissance? (Symbolbild) Bild: dpa

Während Vinyl-Schallplatten schon lange wieder im Trend sind, hat sich lange Zeit kaum jemand nach VHS-Kassetten gesehnt. Doch in Zeiten von Corona kommt Nostalgie auf.

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          Das Ding war weg, und mir schwante: Es war ein Fehler. Wahrscheinlich erzielen Videorecorder auf Auktionen jetzt schon Höchstpreise. Ich schau lieber gar nicht nach. Und unserer glänzte doch gar zu schön in seiner massiven Pracht. Wirkte er nicht so, als sei er staubabweisend? Ein glitzerndes Schmuckstück neben dem schwarzen Blueray-Player und dem unansehnlichen Satelliten-Receiver. Nun gut, mehr war er auch nicht, ein technisches Rumstehchen, keiner kann sich erinnern, ihn in den vergangenen zehn, fünfzehn Jahren gebraucht zu haben.

          Aber allein die bloße Möglichkeit, die theoretische Nutzung, die tief im Unbewussten festsitzende Erkenntnis, das Abspiel-Teil verwenden zu können, das war doch auch schon etwas. Man hätte in all den Jahren die eine oder andere Kassette einlegen können. Hätte. Und nun ist es doch wahrscheinlicher denn je, dass das Gerät noch einmal irgendwann zum Einsatz gekommen wäre, weil Gegenstände, die man wegwirft, man doch stets kurze Zeit später ganz dringend benötigt, wie die Erfahrung lehrt.

          Nun bereue ich zutiefst, die Corona-Zeit nicht genutzt zu haben, um die alten VHS-Kassetten noch einmal abzuspulen, und wir stattdessen ans Ausmisten gingen. Aber kehren wir einen Augenblick zur Rationalität zurück, um den Verlust erträglicher zu machen. Vinyl-Schallplatten stehen wieder hoch im Kurs, selbst Schellack hat seine Liebhaber, aber fallen Videobänder in dieselbe Kategorie? Wohl kaum, die DVD bedeutete schon eine wesentliche Verbesserung von Bild und Ton, und das Knistern alter Platten und ihr von vielen so geschätzter warmer Klang erzeugen eine schöne Nostalgie, VHS-Kassetten dagegen haben immer schon genervt.

          Natürlich liegt es jetzt nah, auch die „Sissi“-Filme mit Romy Schneider zu entsorgen, aber was ist mit den Pasolini-Klassikern, die es bis heute nicht auf die Video-on-Demand-Listen geschafft haben, oder der genialen britischen Serie „Lipstick on Your Collar“? Alles bleibt. Alle Kassetten! Irgendwie sinnlos jetzt. Egal.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

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