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Norwegen auf der Buchmesse : Gerüche aus Europas Norden

Kopfsache: Bücher verbergen sich im Norwegen-Pavillon bisweilen an ungewohntem Ort Bild: Wolfgang Eilmes

Die Besucher treffen auf zwei verspiegelte Wände, die einem die Illusion vermitteln, es gehe immer weiter. Mit den Büchern. Ein Blick in den norwegischen Gastlandpavillon auf der Buchmesse in Frankfurt.

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          Ein Spiegelsaal, so der erste Eindruck. Aber es sind nur zwei verspiegelte Wände, die einem die Illusion vermitteln, es gehe immer weiter. Mit den Büchern. Mit dem Geist. Mit der Poesie. Mit der Kunst. Da ist an der breiten Seite des Raums, dem Eingang gegenüber, jeweils neben der Hauptbühne aber auch eine nordeuropäische Landschaft. In großen Schwarzweißfotografien. Birkenwälder. Aufnahmen des Künstlers Per Berntsen aus dem hohen Norden, der Gegend, wo die Samen wohnen. Und im Raum des Gastlandpavillons selbst: lauter verspielt-abstrakte Objekte, Tische, auf denen Druckerzeugnisse liegen. Aus so ziemlich allen Feldern und Gattungen, die Norwegens literarische Kultur zu bieten hat.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Einmal allerdings sind keine Bücher aufgestellt, sondern kleine salzstreuerartige Behälter mit Gerüchen. Um welche es sich handelt, verraten beiliegende Zettel. Wer möchte, kann eine olfaktorische Reise durch Norwegen erleben. Und einen ganzen Kerl riechen, der seinen Schweiß mit wirkungsvollen Deodorants überdeckt, oder eine Mutter, die sich soeben für eine Party feingemacht hat. Vor sechs Monaten schwanger gewordene Frauen lassen sich ebenso erriechen wie Stillende, die eine Vorliebe für Vanille haben.

          Geschwungene Röhren

          Aber, natürlich, die Bücher stehen im Vordergrund, alles dreht sich um sie, und Norwegen weiß, dass sie nur ihr Publikum finden, wenn sich Buchhändler um sie kümmern. Daher stellt der norwegische Ehrengastauftritt jenes Gewerbe besonders in den Fokus, das für die Vermittlung intellektueller und ästhetischer Ware unerlässlich ist. Mit 200 über die gesamte Bundesrepublik verstreuten Buchhändlern haben die Verantwortlichen aus dem skandinavischen Land schon vor den Veranstaltungen organisiert, um norwegische Literatur dem deutschen Publikum vorzustellen.

          Und nach dem Ende der Buchmesse werden die tischartigen Objekte mit ihren geschwungenen Röhren an Buchhandlungen verschenkt. So dass sich die Besucher des norwegischen Pavillons vielleicht an diesen Auftritt erinnern. Und an die eine oder andere der zahlreichen Veranstaltungen, die während der nächsten Tage hier stattfinden und nichts auslassen werden, was norwegische Verlage auf den Markt bringen. Klassiker und Comics, Kinder- und Jugendbücher, Belletristik und illustrierte Werke, Folklore, Traditionelles und Märchenhaftes, Sachbücher über Polarforschung und -expeditionen, wissenschaftliche Abhandlungen und Bücher über alle möglichen Hobbys finden sich auf den alles in allem futuristisch anmutenden Tischobjekten wieder.

          Wittgensteins Boot

          Kunst, Architektur, Sprache und natürlich Peer Gynt sind Themenkomplexe, in die sich versenken kann, wer auf der doch allzeit von hektischen Aktivitäten geprägten Buchmesse die Zeit dafür findet. Dann aber könnte er sich auch in die Lyrik aus dem Land vertiefen, das dem Nordpol so nah ist, dass sich eine Herzenserwärmung allemal empfiehlt.

          Und dann wäre da noch, ein wenig versteckt hinter der Bühne, Wittgensteins Boot, eine Arbeit der Künstlerin Marianne Heske, die auf die Aufenthalte des Philosophen am entlegenen Sognefjord verweist. „Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man zeigen“ heißt es da in falschem Deutsch, und Wittgensteins Boot sieht reichlich lädiert aus, während sein Denken doch nach wie vor eine ungewöhnliche Strahlkraft besitzt.

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