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Nippon Connection-Festival : Weiblich, komisch, japanisch, kulinarisch

Was will der knallharte Polarforscher, wenn er den ganzen Tag an der Antarktis mit dem Eispickel Schnee zur Trinkwassergewinnung gehackt hat? Richtig: fritierten Hummer Bild: F.A.Z.

Das Nippon Connection Filmfestival in Frankfurt beginnt mit einem dichten Programm und einem Rückblick auf zehn Jahre. Gezeigt wird auch, was der knallharte Polarforscher will , wenn er den ganzen Tag an der Antarktis mit dem Eispickel Schnee zur Trinkwassergewinnung gehackt hat.

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          Was will der knallharte Polarforscher, wenn er den ganzen Tag an der Antarktis mit dem Eispickel Schnee zur Trinkwassergewinnung gehackt hat? Richtig: fritierten Hummer. Zumindest, wenn es sich um eine japanische Forschergruppe handelt. Dass Japaner viel vom Essen verstehen, weiß man erst recht, wenn man das Filmfestival Nippon Connection besucht hat, wo alljährlich der japanische Generalkonsul im Rahmenprogramm zum Kochkurs bittet. Und von heute an bis Sonntag haben wieder etliche Filme mit Essen zu tun - auch der Eröffnungsfilm „The Chef of South Polar“ von Shuichi Okita.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der junge, ambitionierte Küchenchef Jun lebt mehr als ein Jahr lang mit einer Crew von sieben Mann in der Antarktis. Das ist nicht immer so lustig wie die morgendlichen Aerobicvideos, zu denen die acht Herren hüpfen, denn so mancher hat zu Hause ein paar Probleme zurückgelassen. Nichtsdestotrotz ist „The Chef of South Polar“ ein heiterer Start in ein Jubiläumsfestival, denn zum zehnjährigen Bestehen sind zwar auch einschlägige Gangster- und Endzeitszenarien im Programm wie „Crows Zero II“ des Meisters Takashi Miike.

          Das anrührende „One Million Yen Girl“

          Vor allem aber sind unter den 150 Filmen diesmal viele leichtere Stoffe, viele Dokumentarfilme, zu Künstlern, Gesellschaft und Geschichte zumal. In diesem Jahr gibt es sowohl für Kino- als auch digitale Formate einen Preis, auch wenn diese technisch-materielle Trennung sich gerade in der japanischen Produktion kaum recht und immer weniger durchhalten lässt. Und in den zehn Jahren ist ein weiterer Trend festzustellen: Deutlich mehr Frauen führen mittlerweile Regie.

          Am Donnerstag etwa ist das anrührende „One Million Yen Girl“ von Yuki Tanada zu sehen, deren Filme schon bei vorigen Festivals zu sehen waren, zudem kreisen zahlreiche sehenswerte Filme um weibliche Hauptfiguren, wie der Abschlussfilm am Sonntag, Yuya Ishiis „Sawako decides“. Sawako übernimmt übrigens die Muschelfabrik ihres Vaters, sehr weit entfernt man sich also doch nie vom Essen, das im Rahmenprogramm des Festivals mit Suppenküchen und Bars wieder eine große Rolle spielt; und man darf sehr froh sein, dass es - noch - kein „Gut für dich“-Gesetz gibt, das auf der ganzen Welt Schokolade strikt verbietet. Der Zeichentrickfilm „Chocolate Underground“ von Takayuki Hamana ist zwar recht konventionell erzählt, die Geschichte von Kindern im Kampf gegen die Schokoladen-Prohibition allerdings ist ziemlich spannend - und bleibt hoffentlich Fiktion.

          Gelegenheit zum Nachholen

          Gezeigt werden die Wettbewerbsfilme im Studierendenhaus, alle Wiederholungen laufen im Kino Orfeos Erben, dies alles ist einem Programmheft zu entnehmen, das in den vergangenen Jahren wie die Plakate zahlreiche Design-Auszeichnungen gewonnen hat, was eine Ausstellung im Mousonturm dokumentiert.

          Die Reihe „Nippon Retro“ im Kino Mal seh'n blickt diesmal nicht auf die japanische Film-, sondern auf die eigene zehnjährige Geschichte zurück, was jenen, die Highlights wie „Love Exposure“ verpassten, Gelegenheit zum Nachholen gibt. Toshiaki Toyodas Debütfilm „Pornostar“ erinnert an den Beginn von Nippon Connection: Im Jahr 2000 von Studenten auf dem Campus Bockenheim gegründet, heute mit einem, wenn auch knappen und von Sponsoren gestützten Etat von 140.000 Euro, wird es weiterhin ehrenamtlich im Studierendenhaus veranstaltet. Unter der Leitung der Mitbegründer Marion Klomfaß und Holger Ziegler wurde es zum größten Schaufenster des aktuellen japanischen Films außerhalb Japans, das Programm wird andernorts in Reihen übernommen. Im vergangenen Jahr waren 16 000 Besucher gekommen, viele japanischen Filmgäste zahlen ihre Reise sogar selbst, um dabei sein zu können. 40 haben sich angesagt, die große Filmparty steigt am Samstag, und Kenta Maeno, der in dem Dokumentarfilm „Live Tape“ von Tetsuaki Matsue zu sehen ist, wird spielen.

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