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Neuverfilmung : Ein bisschen Stromberg im „Haus der Krokodile“

  • Aktualisiert am

Herbst nennt ihn „Pornobalken”: Der Schauspieler mit dem angeklebten Schnäuzer spielt eine tragende Rolle im „Haus der Krokodile” Bild: dpa

In Hessen wird derzeit eine Kinder-Fernsehserie aus den 1970er Jahren neu verfilmt. Mit von der Partie sind zwei prominente Namen: Die Schauspieler Christoph Maria Herbst und Thomas Ohrner.

          Der Schauspieler Christoph Maria Herbst sieht an diesem Mittwoch in Frankfurt ein bisschen aus wie die gealterte Version seiner Figur „Stromberg“: wenig Haare, grauer Oberlippenbart, geschmacklose Kleidung. Doch der 45 Jahre alte Mime spielt nicht den fiesen Chef aus der Erfolgsserie, sondern steht für einen Kinderfilm vor der Kamera: „Das Haus der Krokodile“.

          Noch bis Oktober wird eine Wiederauflage dieser Fernsehserie aus den siebziger Jahren in Frankfurt, Bad Homburg und Wiesbaden gedreht, diesmal allerdings als Kinostreifen. Das Land Hessen unterstützt die Produktion mit 950.000 Euro. Im „Haus der Krokodile“ macht ein Junge, Viktor, seltsame und unheimliche Entdeckungen. In einem verbotenen Zimmer findet er das Tagebuch eines Mädchens, das vor 20 Jahren bei einem Unfall gestorben ist. Er will das Geheimnis ihres Todes lüften, seine Neugier ist jedoch nicht allen recht.

          Ein Lob der Industriekulisse

          Bei der Fernsehserie vor etwa 35 Jahren hatte Thomas Ohrner („Timm Thaler“) die Hauptrolle im „Haus der Krokodile“ gespielt, in der Kino-Fassung steht der mittlerweile 46 Jahre alte Ohrner nun als Vater von Viktor vor der Kamera. Herbst spielt den wenig sympathischen Sohn der bösen Nachbarin.

          In einem Frankfurter Garten: das Team, das das „Haus der Krokodile” spielt - es fehlt Thomas Ohrner

          Die meisten Innenaufnahmen werden in einer leerstehenden Villa am Bad Homburger Kurpark gedreht, die Außenaufnahmen in einem parkähnlichen Garten im Frankfurter Stadtteil Sindlingen direkt am Main. „Dieser etwas verwilderte Garten mit der Industriekulisse von Frankfurt im Hintergrund ist einfach toll“, schwärmt Matthias Müsse, der für die Ausstattung am Set zuständig ist. Er muss an diesem Vormittag selbst vor die Kamera, er spielt eine winzige Rolle als Pfarrer.

          Dazu sitzt er stundenlang auf einem Stuhl an einem festlich gedeckten Tisch. Auf Anweisung des Regisseurs unterhält er sich, nippt an seinem Sektglas und stößt mit anderen Gästen an. Gedreht werden Szenen der Geburtstagsfeier des 90 Jahre alten Onkels.

          Herbst und sein „Pornobalken“

          Schauspieler Herbst hat in dieser Szene nur wenig zu tun. Gemächlich kommt er pünktlich zur Probe zum Set unter den hohen alten Bäumen geschlendert, im bunten Hemd und einer Jacke mit gepunktetem Revers. Ein grauer Schnurrbart klebt über seinen Lippen. Herbst nennt ihn „Pornobalken“ und wirkt nicht unglücklich, als der Bart schon kurz nach den Filmaufnahmen abfällt.

          In dem Garten stehen fünf festlich gedeckte Tische, im Hintergrund hat sich auf einer kleinen Bühne eine Band postiert. Herbst soll sich laut Anweisung des Regisseurs an die Bühne stellen und ein bisschen plaudern. Dann läuft er bis zu einem rot-weiß markierten Punkt auf der Erde, blickt nervös und ruft „Mama, Ma...kommst du mal bitte?“ Seine „Mutter“ alias Gudrun Ritter geht zu ihm, die beiden tuscheln.

          In der Zwischenzeit läuft Viktor - gespielt von dem 13 Jahre jungen Kristo Ferkic („Henry IV“) - zu dem Onkel und zeigt ihm das geheime Tagebuch. Als die böse Nachbarin wieder zu dem Tisch zurückkehrt, läuft er schnell davon. „Danke, sehr schön“, ruft der Regisseur. Doch ganz zufrieden ist er noch nicht. Jeder muss wieder zurück auf die Anfangsposition, und die ganze Szene fängt noch einmal von vorne an.

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