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Neues Nutzungskonzept : Millionen für Frankfurter Kindertheater

Das Frankfurter Zoogesellschaftshaus steht seit längerem leer. Es soll zu einem Kinder- udn Jugendtheater umgebaut werden. Bild: Wolfgang Eilmes

Die Kinder- und Jugendbühne im Frankfurter Zoo-Gesellschaftshaus soll Modellcharakter haben. So steht es im nun vorgelegten Nutzungskonzept.

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          Gesamtbetriebskosten von 3,9 Millionen Euro und ein Umbau für bis zu 52 Millionen Euro: Das sind die wesentlichen Zahlen zum geplanten Frankfurter Kinder- und Jugendtheater im Zoo-Gesellschaftshaus. So steht es in einem Nutzungs- und Betriebskonzept, das am Freitag dem sogenannten Lenkungskreis für die Planung des Kinder- und Jugendtheaters vorgestellt wurde. Somit liegt nun eine wenn auch vorläufige, aber detaillierte inhaltliche, finanzielle und räumliche Planung vor. Das Konzept soll in Kürze als Bericht den Stadtverordneten vorgestellt werden.

          Sieht den Bau als „einmalige Chance“: die Frankfurter Kulturdezernentin Ina Hartwig
          Sieht den Bau als „einmalige Chance“: die Frankfurter Kulturdezernentin Ina Hartwig : Bild: Wolfgang Eilmes
          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Es ist Grundlage für den Architektenwettbewerb, der jetzt ausgeschrieben werden kann. So sieht es der Grundsatzbeschluss vom September 2019 durch die Stadtverordnetenversammlung vor. Das 60 Seiten starke Konzept hat das Wiener Institut Educult erarbeitet. In den Prozess einbezogen worden sind über Monate hinweg Interessenvertreter von den kulturpolitischen Sprechern der Römerkoalition über die Verwaltung des Kulturamts, bis hin zur freien Theaterszene und Sachverständigen. Auch Jugendliche sind daran beteiligt gewesen.

          Intensiv eingebunden werden

          Nationale und internationale Kinder- und Jugendtheater haben die Daten ihrer Budgets und Strukturen zur Kalkulation bereitgestellt. Dadurch liegt ein detaillierter Wirtschaftsplan für das künftige Theater vor, der vom maximal möglichen Betrieb ausgeht. Gerechnet wird mit Fördermitteln von 3,55 Millionen Euro jährlich bei eigenen Einnahmen von 425.000 Euro. Das künstlerische Budget daran soll bei gut einer Million Euro liegen, mit einem Repertoire von 20 Stücken und sechs Neuproduktionen im Jahr. Die Personalkosten für 35 Stellen sind mit 1,9 Millionen Euro kalkuliert. Vorgeschlagen wird die Rechtsform einer gemeinnützigen GmbH, an deren Spitze je eine künstlerische und eine kaufmännische Leitungsperson steht. Vier feste Schauspielerstellen und ebenso viele Stellen in der Theaterpädagogik sind geplant. Die Details soll das künftige Leitungsteam entwickeln. Gerechnet wird mit 500 Vorstellungen je Spielzeit bei etwa 60.000 Besuchern.

          Die freie Szene und Kinder und Jugendliche selbst sollen auch künftig intensiv in das neue Theater eingebunden werden. Dies sowie Teilhabe, flache Hierarchien, gleiche Entlohnung, Diversität und ein Programm mit der ganzen Bandbreite der darstellenden Künste sind Schlüsselbegriffe des künstlerischen und strukturellen Konzepts, das als „Frankfurter Modell“ betitelt wird.

          „Es ist eine einmalige Chance“

          Angaben zu den Kosten der Erstausstattung des Theaters werden in dem Papier nicht gemacht. Die Stadt wolle mit dem Ziel einer gemeinsamen Trägerschaft auf das Land Hessen und die Region zugehen, da das Theater für Kinder und Jugendliche aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet da sein werde, so Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Der eigentliche Umbau in ein Theaterzentrum wird mit 13 bis 14 Millionen Euro veranschlagt. Die ohnehin nötige Sanierung des Gebäudes, das der Stadt gehört, soll wie berichtet mit rund 38 Millionen Euro zu Buche schlagen.

          Nach wie vor wird mit einem in zwei Säle teilbaren großen Theatersaal geplant samt Unterbühne, Lagern und Technikräumen, dazu Räume für Proben, Workshops und eine Studiobühne. Im ungeteilten Saal würden 450 Personen Platz finden, alle Räume sind umbaubar. Das Fritz-Rémond-Theater, das nach den bisherigen Plänen 2022 schließen müsste, wird in dem Papier nicht erwähnt. Die Büros der Zooverwaltung sollen im Gesellschaftshaus bleiben, der Balkonsaal soll gemeinsam mit dem Zoo und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt genutzt werden. „Es ist eine einmalige Chance, die sich Frankfurt nicht entgehen lassen wird“, so Hartwig. Die Corona-Pandemie habe den Trend zur Vereinzelung weiter verstärkt. „Den Wunsch junger Menschen nach Gemeinschaftserleben sieht man dieser Tage auf allen öffentlichen Plätzen. Gerade die darstellenden Künste können Kinder und Jugendliche in ihrer kreativen und sozialen Entwicklung enorm fördern.“

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