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„Neues Frankfurter Schulorchester“ : "Wir leben nicht zufällig hier"

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Schanghai. Drei Chinesen mit dem Kontrabaß. Das ist eine olle Klamotte, aber keineswegs so alt, daß Frank Wolff mit dem Cello und Anne Bärenz am Klavier daraus nicht noch einmal Funken schlagen könnten.

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          Schanghai. Drei Chinesen mit dem Kontrabaß. Das ist eine olle Klamotte, aber keineswegs so alt, daß Frank Wolff mit dem Cello und Anne Bärenz am Klavier daraus nicht noch einmal Funken schlagen könnten. "Shanghai-Show", die bisher letzte Produktion des "Neuen Frankfurter Schulorchesters", fängt mit drei Chinesen und einem Kontrabaß an, und irgendwann gegen Ende werden daraus "draa Chanasa mat dam Kantrabaß".

          "Schanghai, das heißt über dem Wasser", klärt Wolff sein Publikum im Lauf der Vorstellung auf, und er weiß genau, wovon er spricht. Als Stadt über dem Wasser hat er Schanghai erlebt, 1993, als er und seine Partnerin ein Schiff bestiegen und die Metropole vom Meer aus betrachteten. Musiziert hat das "Frankfurter Kurorchester", wie ihre Formation damals hieß, allerdings nicht in Schanghai. Aus irgendeinem Grund mußte das geplante Konzert ausfallen. Dafür spielten Wolff, Bärenz, der Flötist Jos Rinck und der Schlagzeuger Willi Kappich, die vier von der Kurkapelle, in Peking und Kanton auf.

          "Erstes internationales chinesisches Jazzfestival" nannte sich die Veranstaltung in der Hauptstadt, welche das Kurorchester eröffnen durfte - obgleich die Musik von Wolff und Bärenz mit Jazz nur insofern etwas zu tun hat, als daß die beiden schon immer gerne improvisiert, sprich: aus gegebenem Material etwas Neues geformt haben. In Peking zum Beispiel ihre spezielle Version der "Internationale" und anderer Revolutionshits. Freilich ist die "Internationale" in Wolffs Cello-Version genauso kaputtgegangen, wie es das Deutschlandlied bis heute unter seinen Fingern tut. Anne Bärenz ihrerseits hat in ihr Klavierspiel eine Melodie des verfemten Cui Jian, eine Art Bob Dylan Chinas, verwoben. Die Zuhörerschaft, junge Leute, von denen einige vier Jahre zuvor auf dem Platz des Himmlischen Friedens für Freiheit demonstriert hatten, erkannten die verbotenen Töne sofort. Hochspannung habe damals im Saal geherrscht, erinnern sich die beiden Musiker. "Manchmal hängt Geschichte an einer Melodie", sinniert Wolff über dieses Erlebnis.

          Frankfurt. Hätte so eine Art von Musik, wie sie Frank Wolff und Anne Bärenz seit 25 Jahren spielen, in einer anderen Stadt erfunden werden können? Wahrscheinlich nicht. Klassik und Rock'n' Roll, Lyrik und Limerick, Klamauk und tiefer Ernst, Schubert und Jimi Hendrix, Heine und Ernst Jandl, auch Robert Gernhardt gerne. Wolf und Bärenz nehmen, was ihnen gefällt, entstauben es, wenn nötig, mischen alles intelligent durcheinander - heraus kommen immer neue Collagen, deren Stil freilich ein unverwechselbarer ist.

          Das undogmatische, spontaneistische Frankfurt, dem wenig fremd ist und dem wenige fremd bleiben, wenn sie erst mal hier gelandet sind, diese Stadt der langen Geschichte und des kurzen Gedächtnisses, wo Baustile, Volkgruppen und Sitten wilder durcheinandergehen als anderswo, ist das Treibhaus, in dem das Kurorchester und jetzt das Neue Schulorchester die ihnen gemäße Temperatur fanden. "Wir leben nicht zufällig hier und sind hier nicht zufällig geblieben", sagt Wolff, der mittlerweile mit dem ironischen Titel "Stadtstreicher" liebäugelt.

          "Frankfurter Abend", etwas typisch Frankfurterisches, seit 15 Jahren. Da hat Matthias Beltz im Trio mit Wolff und Bärenz gespielt, da war schon Ali Neander von den Rodgau Monotones mit von der Partie, oder die beiden Jungs von Badesalz sind aufgetreten genauso wie Robert Gernhardt und andere Dichter. Die Künste haben sich an diesen legendären Abenden gemischt, so wie in Frankfurt sich vieles mischt, von den sozialen Schichten bis zum Vierer im Römer. "Wir spielen gerne mit anderen Künstlern zusammen", sagt Anne Bärenz, auf diese Weise bekämen sie dauernd neue Anregungen.

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