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Neues Musiklabel aus Frankfurt : Kollektiv anders

Gemeinsam für die Musik: Lukas Kraft, Meret Kern, Camila Thym, Leo Zabudkin und Thomas Latona (von links), hier in den Räumen des Kunstvereins Montez, bilden die Frankfurter Dependance des neugegründeten deutsch-amerikanischen Musiklabels none/such Bild: Frank Röth

Das deutsch-amerikanische Label none/such zeigt, dass die Gründung eines Unternehmens auch mit Freunden funktionieren kann. Und das ziemlich gut. Als Schnittstelle von Musik und Kunst bestimmen vornehmlich elektronische Klänge das Programm.

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          Mit einem Ziel vor Augen zählen Kategorien wie „günstig“ oder „ungünstig“ vermutlich nicht viel. Jedenfalls machten sich zwei deutsche Austauschstudenten in den Vereinigten Staaten in diesem Frühjahr keine Gedanken darum, als sie gemeinsam mit einigen amerikanischen Freunden ein Musiklabel gründeten und im Juni auch gleich ein erstes Album digital veröffentlichten. „Wir sind komplette Autodidakten“, erzählt Leo Zabudkin, der mittlerweile von der University of Michigan in Ann Arbor nach Frankfurt zurückgekehrt ist und sich hier um das Management des Labels kümmert, „doch wir haben Lust es zu versuchen, wobei wir uns an der Schnittstelle von Musik und Kunst sehen. Wir möchten uns nicht allein nur auf Musik festlegen.“

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Den Vorgaben eines strengen Business-Plans wollen die Gründer dabei nicht folgen und auch keine Hierarchie einrichten. „Wir sind ein Kollektiv und arbeiten auf einer freundschaftlichen Basis zusammen“, sagt der 22 Jahre alte Zabudkin. Jeder der Beteiligten – mittlerweile fünf Deutsche und vier Amerikaner – bringe seine Fertigkeiten und Expertise in den Aufbau des Labels namens none/such ein. Dieser Name lässt erst einmal aufhorchen, gibt es doch bereits eine bekannte, zum Warner-Konzern gehörende Plattenfirma, die Nonesuch Records heißt und bei der bedeutende Musiker und Bands wie Randy Newman, The Black Keys, Fleet Foxes und Wilco veröffentlichen. „Ehrlich gesagt hatten wir von diesem Label noch nie etwas gehört, als wir uns für den Namen entschieden“, sagt Zabudkin, was angesichts der musikalischen Ausrichtung des Kollektivs none/such auch nachvollziehbar ist: Hier bestimmen Ambient und Techno, also vornehmlich elektronische Klänge, das Programm.

          Als Label anders sein

          Lukas Kraft, der noch an der University of Kentucky studiert, pflichtet Zabudkin bei: „Wir mailten uns immer wieder Namensvorschläge zu und waren uns bei none/such sofort alle einig, wollen wir doch als Label anders sein.“ Kraft, der wie Zabudkin als Sportstipendiat zum Studium nach Amerika gekommen ist und den für die SG Frankfurt startenden Freund von Schwimmwettkämpfen kennt, nennt auch den Grund für den regen musikalischen Austausch untereinander: „Auf dem Campus in Kentucky dominieren Country und Rock. Wer sich für Clubmusik, zumal auch noch europäische, interessiert, kann da schon einmal Heimweh kriegen“, sagt der 22 Jahre alte Kraft, der sich beim Label ebenfalls um die Organisation kümmern möchte. Zu der gehört derzeit vor allem auch die Produktion einer regelmäßigen Radiosendung beim Münchner Online-Sender Radio 80.000 sowie die Produktion von Mixes für den labeleigenen Kanal bei der Plattform Soundcloud, die neben Instagram und Bandcamp einer von drei Ausspielkanälen von none/such ist.

          Fünf Veröffentlichungen kann das Label seit Juni dieses Jahres vorweisen. Darunter sind neben Alben von DJs/Produzenten wie No Author oder Lorenzo sowie der eher im Bereich Post-Punk/Indie-Pop zu verortenden Frankfurter Band Franco’s Pain zwei Compilations mit Tracks unterschiedlicher Künstler. Die Erlöse dieser Zusammenstellungen gehen an Hilfsprojekte. Mit der am vergangenen Freitag veröffentlichen „Compilation 002“ wird etwa das Detroit Defense Committee gefördert, das sich für arme Menschen in der amerikanischen Stadt einsetzt. Die Verbundenheit mit Detroit rührt nicht nur von Zabudkins Studienzeit, sondern auch von den amerikanischen Beteiligten an dem Kollektiv her. Sam Franz, der derzeit in Philadelphia einen Promotionsstudiengang absolviert, ist so etwas wie der Spiritus rector des Projekts, Jamie Johnson kümmert sich um das Design, Jack Withers um Produktion und Mastering der Musik, derweil Kinsey Harvey Animationen und Videos beisteuert.

          Unterstützt werden sie in Frankfurt von Camila Thym, die die Social-Media-Kanäle bedient, Meret Kern, die an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach studiert und sich um das Design etwa von Postern oder physischen Tonträgern wie Kassetten kümmert, sowie Thomas Latona, der bei künftigen Events die Organisation übernimmt.

          Weitere Informationen unter https://none-such.bandcamp.com/

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