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Selfmade Musik aus Frankfurt : Tönende Selbsttherapie

Ganz entspannt: Zion Elijah Dere, Kopf des Projekts Franco’s Pain, sieht der Veröffentlichung seines neuen Albums entgegen. Bild: Frank Röth

Das Projekt Franco’s Pain des jungen Frankfurter Musikers Zion Dere war anfangs eine Ein-Mann-Show. Mit dem neuen Album könnte daraus weit mehr entstehen.

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          Selbst ist der Mann. Was nach Heimwerkerei klingt, war in den vergangenen zwei Jahren auch die musikalische Arbeitsweise des jungen Frankfurter Musikers Zion Elijah Dere. Er brachte sich selbst das Gitarre- und Keyboard-Spielen bei, er schrieb Songs, die er zu Hause im Alleingang aufnahm und auch gleich digital veröffentlichte. Zwei Alben unter den Namen Francos Pain (noch ohne Apostroph) entstanden auf diese dem Motto „Do it Yourself“ verpflichtete Weise, im Jahr 2018 das selbstbetitelte Debüt und im Jahr darauf „Donny Davinco’s Villa Bathroom“. Die Musik ließ einerseits an den dunklen Post-Punk der späten siebziger und frühen achtziger Jahre denken, weit weg eigentlich für einen in den späten neunziger Jahren geborenen jungen Mann, anderseits blitzten auch immer wieder sehr jetzige poppige Passagen auf. „Es war wohl eine Form von Selbsttherapie. Es ging mir nicht immer gut und das habe ich in die Songs gelegt“, erinnert sich der 21 Jahre alte Informatikstudent, der vor wenigen Monaten von Frankfurt nach Offenbach gezogen ist, an den Schreibprozess und seine Aufnahmen im Alleingang: „Da wollte ich keine Kontrolle abgeben.“

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Faszination für Klänge im Stile von Joy Division, Josef K oder Gang Of Four rührt aber nicht nur von der eigenen Seelenpein her. „Wir haben ihn mit dieser Musik bekannt gemacht. Als Zion vor fünf Jahren zu uns ans Carl-Schurz-Gymnasium kam, war er vor allem an elektronischer Musik interessiert, die er auch als DJ auflegte“, erzählt Janek Hruschka, der damals in einer Rockband spielte und seinem Schulfreund Zion nicht nur Post-Punk und New Wave nahebrachte, sondern heute auch dessen wichtigster musikalischer Sparringspartner ist.

          Dem musikalischen Einzelgänger unter die Arme greifen

          Janek absolviert derzeit am Abbey Road Institute an der Hanauer Landstraße in Frankfurt eine Ausbildung zum Toningenieur und darf in den Abendstunden die Studios dort nutzen. Eine gute Gelegenheit also, dem musikalischen Einzelgänger Zion ein wenig unter die Arme zu greifen und ihm quasi als Ko-Produzent zur Seite zu stehen: „Zions daheim getätigte Aufnahmen sind zwar weitgehend fertig, doch mit der Technik eines Studios lässt sich doch noch eine ganz andere Dynamik erzeugen“, sagt der Einundzwanzigjährige, der Zion Dere auch als Musiker zur Seite steht.

          Denn grundsätzlich allein ist Franco’s Pain, wie das Projekt mittlerweile geschrieben wird, nicht immer. Dahinter verbirgt sich für den Fall der Fälle nämlich auch eine Band für Live-Auftritte. „Schon nach dem ersten Album gab es Anfragen, Konzerte zu geben. Im Januar 2019 spielten wir in München unseren ersten Gig. Danach auch in Berlin. Nur in unserer Heimatstadt Frankfurt sind wir noch nicht aufgetreten, von privaten Wohnzimmerkonzerten mal abgesehen“, sagt Zion, der hofft, sich auch bald auf hiesigen Bühnen beweisen zu dürfen: „Dann wären wir auch gezwungen, öfter zu proben“, lacht er. Für die Proben können er und seine Musiker einen Raum im Kunstverein Montez unter der Honsellbrücke nutzen, wo an diesem Freitag auch ein großes Ereignis ansteht. Dann wird mit „Don’t Freak Out, But Remember To Play“ das dritte Album von Franco’s Pain veröffentlicht, digital sowie als besonderer Gag auch auf einem fast schon verschwundenen Medium, nämlich als streng limitierte Musikkassette. Es ist zugleich auch die erste Veröffentlichung von Franco’s Pain auf einem Label. Das im Frühjahr dieses Jahres gegründete, deutsch-amerikanische Kollektiv none/such (nicht zu verwechseln mit Nonesuch Records) hat Zion Dere unter Vertrag genommen. Auf dass der nicht mehr alles ganz allein machen muss.

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