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Musiker des Ensemble Modern : In der Einsamkeit des Übens Kraft schöpfen

  • -Aktualisiert am

Befindet sich in Zwangspause: Rainer Römer, Schlagzeuger im Ensemble Modern Bild: Barbara Klemm

Die Musiker des Ensemble Modern: Rainer Römer ist seit 1985 Schlagzeuger des Spezialensembles für zeitgenössische Musik, das in diesem Jahr sein vierzigjähriges Bestehen feiert.

          5 Min.

          Herr Römer, wie geht es Ihnen in diesen Corona-Zeiten, in denen Sie mit dem Ensemble Modern gleichsam brachliegen?

          Es ist wie eine Vollbremsung. Aber ich bin gesund und munter zu Hause.

          Sind die Räume des Ensemble Modern in der Schwedlerstraße geschlossen?

          Dort ist erst einmal alles stillgelegt. Wahrscheinlich könnte ich in meinen Übungsraum, da wäre ich auch allein. Aber momentan bleibe ich noch zu Hause.

          Wie wirkt sich die Zwangspause auf das Ensemble Modern aus? Kann man es mit einer Fußballmannschaft vergleichen, bei der eingeübte Spielzüge erst wieder aufgefrischt werden müssen?

          Wir werden es erleben, wenn wir wieder proben. Aber ich denke, das kommt alles schnell zurück. Die größere Aufgabe liegt jetzt bei unserem künstlerischen Manager Christian Fausch, der mit unglaublicher Energie und viel Arbeit tagtäglich darum kämpft, dass wir liquide bleiben, die Finanzen so geregelt werden, dass wir noch eine Weile unsere Gehälter auszahlen können.

          Das Ensemble Modern hat eine interessante Struktur, ist basisdemokratisch organisiert und als Spezialensemble für Neue Musik höchst erfolgreich. Dennoch könnte ich mir vorstellen, dass ausfallende Konzerte problematischer sind als bei anderen Orchestern?

          Das ist genau so. Wir dürfen als Gesellschaft bürgerlichen Rechts, die öffentliche Zuwendungen erhält, keine Rücklagen bilden, keine Fonds aufbauen im Sinne einer Vorsorge für schlechte Zeiten. So leben wir eigentlich immer von der Hand in den Mund.

          Kommen wir einmal von dieser prekären aktuellen Situation zu Ihnen als Schlagzeuger. Einer Ihrer Kollegen, Christoph Caskel, meinte einmal, er habe das Instrument nicht studiert, nur um als Orchestermusiker am Ende einer klassischen Symphonie einmal auf die Pauke zu hauen. So engagierte er sich lieber für Neue Musik. Wie war es bei Ihnen?

          Mit zwölf, dreizehn Jahren begann ich mich für Musik zu interessieren. Ich hörte „Bitches Brew“ von Miles Davis oder „Facing You“ von Keith Jarrett. Es gab dann nächtliche Rundfunksendungen mit Neuer Musik, die Hans Zender oder Ernest Bour dirigierten. Ich saß gebannt vor dem Radio und fand diese Musik großartig. Aus dem Interesse an Jazz und klassischer Musik erwuchs das Bedürfnis, selbst Musik zu studieren. Dabei habe ich dann festgestellt, wie sehr das Schlagzeug mit der Musik des 20. Jahrhunderts verbunden ist. So schloss sich der Kreis. Mit der Zeit wurde mir auch klar, in welchem Umfeld ich lebe. Mich hat ja mein Vater nicht mit acht Jahren in einen Jazzclub auf der 52. Straße mitgenommen. Ich bin in Würzburg aufgewachsen. Dass mich primär das Instrument angezogen hätte, kann ich gar nicht sagen. Mich hat Musik interessiert.

          Sie haben sich auch mit Marimba, Conga und persischen Trommeln beschäftigt. Muss sich ein Schlagzeuger damit befassen, wenn er fit sein will für heutige Musik?

          Das ist eine spannende Frage, was ein Schlagzeuger für zeitgenössische Musik können muss. Darauf gibt es keine einfache Antwort. Zudem muss man das Problem von Spezialisierung oder Vielfalt bedenken. Man kann nie in allen Disziplinen so gut sein wie bei der Konzentration auf eine einzige. Für mich habe ich erkannt, je mehr ich mich mit verschiedenen Instrumenten beschäftige, desto besser ist es für meine Arbeit im Ensemble Modern.

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