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Musik : Ein wenig Spektakel mit Patricia Kaas

  • -Aktualisiert am

Showgirl: Patricia Kaas zeigt in der Alten Oper in Frankfurt, dass auch beim Vortrag von Chansons die Optik eine Rolle spielt Bild: Astis Krause

Mit Gesang allein ist's nicht getan: Auch eine Künstlerin wie Patricia Kaas baut in ihr Programm Showeffekte ein. Und so darf sich auf der Bühne der Alten Oper in Frankfurt auch ein Pantomime tummeln.

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          In einer Zeit, in der glamouröses Mittelmaß wie Madonna als Diva gilt, wirken Vollblutkünstlerinnen wie Patricia Kaas schon fast wie Überbleibsel aus einer anderen Welt. Unnahbar erotisch, von kühler Distanz, aber auch lasziv verspielt, verfügt Kaas, die vor mehr als zwanzig Jahren von Gérard Depardieu entdeckte Sängerin aus Lothringen, zumindest ansatzweise über Tugenden, die Juliette Gréco einst zur Meisterin des Chansons avancieren ließen. Doch zu Klavierbegleitung mit entrücktem Blick existenzialistische Poesie zu hauchen, genügt heutzutage nicht mal mehr den von Nostalgie beflügelten Franzosen.

          Ein wenig mehr Spektakel darf es schon sein. Kaas, die im Mai beim Eurovision Song Contest in Moskau Frankreich mit „S’il fallait le faire“ vertreten wird, erfüllt den Wunsch Extravaganz nachdrücklich mit ihrem Programm „Kabaret“.

          Die Stimme aus dem Off

          Damit das Publikum in der ausverkauften Frankfurter Alten Oper erst gar nicht auf Idee kommt, einem dieser Chansonabende beizuwohnen, die einen selektierten Rückblick aufs bewährte Repertoire mit vereinzelten Höhepunkten aktuellen Materials verbindet, ertönt zum Auftakt aus dem Off die rauchige Stimme von Patricia Kaas mit der Namensliste der Mitwirkenden.

          Auch die Kulissen suggerieren Entertainmentcharakter wie im Pariser Lido: Eine Showtreppe, die ins Nichts führt, ein prunkvoller Kronleuchter, ein als Art-Déco-Bar getarntes Refugium für den Keyboarder und eine auf Bühnenebene installierte Projektionswand mit großem K signalisieren plüschige Nachtclubatmosphäre.

          Patricia und der Pantomime

          Patricia Kaas weiß die Hommage an die zwanziger und dreißiger Jahre zwischen Berlin, New York, Buenos Aires und Paris im knappen Kostüm ganz in Schwarz, blondem Bob und kontrastreichem Make Up mit sparsam Tanzfiguren zu unterstreichen.

          Dann und wann begleitet von einer zwischen Pantomime und Ausdruckstanz sie umgarnenden Partnerin in weißer Clownsschminke. Ein künstlerischer Drahtseilakt mit den stilistischen Mitteln des Expressionismus, Film Noir und Nouvelle Vague.

          Bei minutiös fest gelegtem Ablaufplan bleibt Spontaneität natürlich auf der Strecke. Patricia Kaas entschädigt bei der Reise durch Raum und Zeit mit atemberaubend perfektem Gesang in Deutsch, Englisch und Französisch. Virtuos begleitet von kostümierten und geschminkten Musikern, die Nostalgie mit Moderne, Jazz mit Chanson und Blues mit House-Rhythmen zu vereinen verstehen, nähert sich die Kaas zeitlosen Klassikern wie Stephen Sondheims „Wo sind die Clowns“ und Esther Galils „Le jour se lève“ mit gebotenem Respekt.

          Hochkarätige Songauswahl

          Eine so hochkarätige Songauswahl wirkt schnell zweitklassig, wenn Klischees die Interpretationen dominieren. Mit verblüffenden Arrrangements umschifft die 43 Jahre alte Künstlerin elegant manch gefährliche Klippe – auch wenn die Gelegenheitsschauspielerin dabei mitunter Pop-Queen Madonna verdächtig nah kommt.

          Doch die durch Filmeinspieler in schwarzweißer Stummfilmästhetik und gesampeltes Gekratze alter Schellackplatten zum Gesamtkunstwerk stilisierte Show im Geiste starker Frauencharaktere wie Coco Chanel, Gret Palucca, Anaïs Nin, Isadora Duncan oder Mary Wigman wäre nicht komplett ohne Chansons zweier deutscher Aktricen, die Erfolg nie als Einbahnstraße verstanden und wagemutig zwischen künstlerischen Welten wandelten: Marlene Dietrichs von Friedrich Hollaender maßgeschneidertes „Falling In Love Again“ interpretiert Patricia Kaas zweisprachig als tingeltangelhaftes Panoptikum.

          Die Spuren der Knef

          Bei Hildegard Knefs „Das Glück kennt nur Minuten“ wandelt sie hingegen deutlich auf den Spuren des Originals. Zwischen Akrobatik am Barren und erstaunlich viel nackter Haut ihres durchtrainierten Körpers in wechselnden Kostümierungen gestattet sich La Kaas mit „Mademoiselle chante le Blues“ „Les hommes qui passent“ und „D'Allemagne“ auch einen wehmütigen Blick zurück in die Anfänge ihrer internationalen Karriere. Michael Köhler

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