https://www.faz.net/-gzg-9fvgo

Starke Positionen : Neuanfang im Museum für Moderne Kunst

Werke von Cady Noland: Wüsste man nicht, dass diese schon älter sind, könnte man einen Kommentar zu Amerika unter Trump hinter ihnen vermuten. Bild: Axel Schneider

Im Museum für Moderne Kunst hat die erste Ausstellung unter Leitung der neuen Direktorin eröffnet. Das Museum scheint weiblicher, politischer – aber auch besser? Ein Kommentar.

          1 Min.

          Es wird viel Vermittlungsarbeit nötig sein. Aber das war noch nie anders. Seit das Museum für Moderne Kunst 1991 seine postmodernen Pforten öffnete, gab es erheblichen Interpretationsbedarf. Die Kunstpredigten des ersten MMK-Leiters Jean-Christophe Ammann sind vielen noch in Erinnerung, gerade auch Wirtschaftsleuten, denen Hören und Sehen verging, als er sie in Welten einführte, von denen sie nicht das Geringste geahnt hatten.

          Manche von ihnen sind bis heute Förderer des Hauses geblieben, das auch unter seinen Nachfolgern Udo Kittelmann und Susanne Gaensheimer für die Suche nach höherem Sinn und tieferer Bedeutung in säkularen Zeiten die bevorzugte Adresse in Frankfurt war. Seit Anfang des Jahres ist Susanne Pfeffer Direktorin der Institution, und das interessierte Publikum wartete gespannt auf ihre ersten Ausstellungen. Sie hat sich lange Zeit gelassen, bevor sie die Öffentlichkeit über ihre Vorhaben in Kenntnis setzte.

          Susanne Pfeffer, neue Direktorin des Museums für Moderne Kunst (MMK)

          Vor einigen Wochen wurde das Geheimnis gelüftet, womit sie ihren Einstand feiert, nun werden die ersten drei Schauen unter ihrer Leitung eröffnet. Sie haben es in sich. Wenn sie programmatisch zu verstehen sind, und daran gibt es wenig Zweifel, wird das MMK weiblicher und politischer. Und liegt damit im Trend. Die Cady-Noland-Schau etwa lässt sich geradezu als Kommentar zu Amerika unter Trump lesen, obwohl ausschließlich ältere Arbeiten der Künstlerin gezeigt werden.

          Viel zu denken und etliches zu verstehen

          Der moralische Ernst ist unverkennbar, der in diesem Anfang steckt, und wenn er nicht ästhetisch gedeckt wäre, hätte man allen Grund, kritisch die Stirn zu runzeln. Aber zumindest die große Retrospektive auf das Werk der Amerikanerin im Hauptgebäude und die Videoarbeit „Blood in My Milk“ von Marianna Simnett gegenüber im Zollamt strotzen nur so von künstlerischer Kraft.

          Es handelt sich um starke Positionen, die dem allgemeinen Hang, Kunst als Wohlfühlveranstaltung zu verstehen, diametral entgegengesetzt sind. In diesen Ausstellungen gibt es viel zu denken und etliches zu verstehen, und von daher wird die Kontinuität der MMK-Arbeit gewahrt.

          In der neuerdings „Tower“ genannten Dependance im Bankenviertel sind zwar auch einzelne hervorragende Arbeiten zu erleben, aber ein politisch korrekter Overkill sorgt hier für leichtes Unbehagen: Die Selbstbestätigung des Kunstbetriebs als Hort des Antirassismus, die im Taunus-Turm zelebriert wird, hat etwas so Selbstgefälliges wie Wirkungsloses. Und vieles ist schlicht ein wenig zu platt. Da würde es auch reichen, entsprechende Dokumentationen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen einzuschalten.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Tod von George Floyd : Im Kriegsgebiet von Minneapolis

          Nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd eskaliert in Minneapolis die Lage. Der Bürgermeister ist um Deeskalation bemüht, der Gouverneur mobilisiert die Nationalgarde. Die Stadt gleicht einem Schlachtfeld.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.