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Museum für Kommunikation : Sparstrumpf, Kerbholz, bunte Scheine

Wenn das Vertrauen in die offizielle Währung schwindet, tritt das Notgeld an ihre Stelle - so gab es 1921 in Berlin 50-Pfenning-Noten mit Motiven aus allen Bezirken Bild: Museumsstiftung Post und Telekommunikation

Nicht nur das Wesen der letzthin in Verruf geratenen Finanzderivate ist reichlich rätselhaft. Das des Geldes als solches ist es. Doch Geld regiert die Welt. Grund genug, sich damit zu beschäftigen. In der neuen Wechselausstellung des Frankfurter Kommunikationsmuseums etwa.

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          Nicht nur das Wesen der letzthin in Verruf geratenen Finanzderivate ist reichlich rätselhaft. Das des Geldes als solches ist es. Schon dass man einst auf den Philippinen wie in Mauretanien und in vielen anderen Weltgegenden Waren gegen Kaurischnecken eintauschen konnte, scheint bei genauerer Betrachtung merkwürdig. Wie seltsam aber erst ist es, dass wir uns mit bedruckten bunten Scheinen, an sich wertlosem Papier, alle möglichen Dinge und Dienstleistungen beschaffen können. Vom Buchgeld ganz zu schweigen. Da muss es Vereinbarungen geben und vor allem Vertrauen, staatliche Garantien und ein funktionierendes Wirtschaftssystem. Und auf einer noch grundlegenderen Ebene die Einsicht, dass es eines Wertspeichers bedarf, wenn man dem Tauschhandel entrinnen will, eines Maßes, vor dem alles gleich ist und doch so ungleich.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Dass nicht jede Währung die Garantie bietet, entnervende Tauschgeschäfte zu verbannen, zeigte sich noch in der DDR, in der das offizielle Zahlungsmittel nicht alle Bedürfnisse zu stillen in der Lage war. Ware wurde gegen Ware getauscht, die westdeutsche Mark als Zahlungsmittel des gehobenen Bedarfs eingesetzt. Auch Notgeld gab es gelegentlich, wenn Währungen weich waren, so nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland. In Berlin etwa wurden seinerzeit Banknoten gedruckt, die Motive aus allen Bezirken zeigten. Einige davon sind jetzt in der Ausstellung „Die Sprache des Geldes“ zu sehen. Das Frankfurter Museum für Kommunikation zeigt diese Schau als neue Wechselpräsentation, die sich mit vielerlei Aspekten eines Stoffes beschäftigt, aus dem die Träume sind, dessen Abwesenheit freilich zu Albträumen Anlass gibt. Und der in die zwischenmenschlichen Beziehungen verwoben ist.

          Geld oder Liebe

          Dabei ist dies die Grundmelodie des Abendlandes, die bis in die populäre Fernsehunterhaltung zu hören ist: Geld oder Liebe. In Wagners „Ring des Nibelungen“ raubt Alberich das Rheingold und erfindet die Lohnarbeit, nachdem er die Liebe, die er doch eigentlich bei den Rheintöchtern zu finden hoffte, verflucht hatte. So stellt die Schau unter anderem auch die Frage, ob mit Geld alles käuflich sei. Und ob es glücklich mache. In diesem Zusammenhang überrascht sie etwa mit Darstellungen von Gehirnaktivitäten: Geldgewinne stimulieren offensichtlich jene Areale unter der Schädeldecke, die uns zu emotionalen Höhenflügen verhelfen.

          Vom „Marktplatz“, wo es ums Handeln und die Entstehung von Tauschmitteln geht, führt der Parcours zum „Rathaus“, in dem die Form und der Wert des Geldes bestimmt werden: Die Macht im Staate sichert auch die Stabilität der Währung. „Die Bank“ ist eine weitere Station dieser Schau, sodann „die Börse“. In der „Fabrik“ wird zum Thema, wie das Geld verdient, im „Einkaufszentrum“, wie es ausgegeben wird. Im „Wohnhaus“ und in der „Kirche“ wird deutlich, dass weder das Private noch das Geistliche von der Notwendigkeit befreit sind, sich mit Geld zu befassen, im „Vergnügungsviertel“ wird es auf den Kopf gehauen, und manch einer landet, weil die Gier zu groß ist, im „Gefängnis“. Da widmet die Ausstellung auch dem Kaufhauserpresser Dagobert und dem Großbetrüger Bernie Madoff Raum. Erschöpfend kann das Thema in solch einer Schau kaum abgehandelt werden, sie gibt jedoch gerade auch mit einer Vielzahl von Objekten wie Sparstrumpf oder Kerbholz amüsante und aufschlussreiche Einblicke in die Kulturgeschichte von Piepen, Knete, Penunze und wie das liebe Geld sonst noch so genannt wird.

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